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(Update) Karikatur: Israel als Giftmörder in der Badischen Zeitung

Veröffentlicht bei den Ruhrbaronen mit freundlicher Genehmigung des Autoren Martin Niewendick

Schon wieder veröffentlicht eine Zeitung eine Karikatur, die Israels Premierminister Netanjahu als Vergifter des Weltfriedens zeigt. Das Perfide: Die Karikatur erschien am 9. November, dem 75. Jahrestags der Reichspogromnacht. Bereits im Sommer tauchte ein entsprechendes Werk in der Stuttgarter Zeitung auf.

Update: Inzwischen hat sich das American Jewish Committee zu Wort gemeldet. Deidre Berger vom AJC Berlin spricht in einer Stellungnahme von einem “mangelnde(m) Bewusstsein dafür, wie gefährlich antisemitische Stereotypen sind. Die Sensibilität für antisemitische Bildsprache muss Teil der journalistischen Aus- und Fortbildung werden.”

Weiter geht es hier: Ruhrbarone

Der Deutschen Gedenktag

Die Pogromnacht vom 9. November 1938 jährt sich zum 75. Mal. Deutschland gedenkt, in Berlin mit Erlebniswelt. Die Handvoll letzter lebender Zeitzeugen wird noch einmal befragt, diejenigen, die es sehen, können sich damit auseinandersetzen, wie mitten im Volk der Dichter und Denker staatlich organisiert Läden geplündert wurden, Synagogen angezündet, 30.000 Männer in die Konzentrationslager verschleppt und Hunderte Menschen erschlagen. Die Zäsur von der Entrechtung und Demütigung zur Verfolgung, Vertreibung und Ermordung.

2013 ist das Thema Antisemitismus in Deutschland keineswegs Geschichte. Sogar das öffentlich-rechtliche Fernsehen legte verdienstvoll den Finger in die Wunde. Unter dem Titel ‘Anhaltende Verstörung’ schreibt die Jüdische Allgemeine: “Erinnerung an die Pogromnacht heißt auch, den Antisemitismus von heute ins Blickfeld zu nehmen”.

Als die Deutschen nach dem Krieg der Wahrheit nicht mehr entrinnen konnten, existierte der Antisemitismus in den Köpfen der Kriegsgeneration sicher weiter, aber das Handeln ihrer Mehrheit war anders. Bis in die 70er hinein gab es nicht nur Trauerbekundungen, sondern einen Konsens der überwältigenden Mehrheit der Gesellschaft, sich aus Schuld an die Seite der Überlebenden zu stellen, egal was sie von “diesen Juden” halten mochte, das was geschehen war, verpflichtete zu einer, oftmals tätigen, proisraelischen Haltung in den Überlebenskriegen des jüdischen Staates. Das mag vielen fortschrittlichen Denkern als unappetitlicher Philosemitismus erschienen sein, ein Ablassgedanke vor dem eigenen Gewissen, aber es war vor allem schlichte, logische Konsequenz aus dem Vergangenen und bewog wohl auch viele Juden in diesem Land zu bleiben.

Der Bruch begann in den 70er Jahren, der Beginn der Symbolik und die Abkehr von der Solidarität. Die Trennung der Erinnerung an die Ermordeten von den Überlebenden und ihren Nachfahren. Je mehr das entstand, was sich heute Erinnerungskultur schimpft, je lauter die Ermordeten beweint wurden, desto weniger Rücksicht meinten viele auf die Lebenden nehmen zu müssen. Mit dem Wunsch nach Ruhe vor arabischem Terror, guten Geschäften mit den Golfstaaten, sicher fließendem Benzin, wurde Israel den deutschen Nachgeborenen lästig, die 68er in den Schlüsselpositionen hatten sich schon früh mit PLO Mördern gemein gemacht. Die Migration tat ihr übriges. Das Klima in Deutschland ist grundlegend anders geworden.

Das glauben sie nicht? Machen sie den Antisemitismustest. Sitzen sie in trauter Runde mit Freunden und Bekannten aus dem Bildungsbürgertum, werfen sie Stichtworte hinein. Zum Beispiel Zypern, dann berichten die vom letzten Urlaub oder russischen Geldwäschern, der Ostteil der Insel ist türkisch besetzt, achwas, oder Tibet, da meldet sich allenfalls die zweimal geschiedene Lehrerin Ende 40 und gibt ihre letzten Weisheitserleuchtungen des Dalai Lama zum Besten. Südsudan, Darfur? War das nicht irgendwo in Afrika, wo die Schwarzen hungern wegen Klima oder so? Nach kurzem Schulterzucken wird man sich gelangweilt neuen Themen zuwenden. Dann sagen sie Jude oder gleich Israel. Ihr Abend ist gelaufen. Sie werden durcheinanderschnattern, genau wissen, warum die Israelis alles falsch machen, die größte Gefahr für den Weltfrieden sind, Palästinenser unterdrücken, die Hamas sich nur gegen nichtvorhandene Besatzung und Siedlungen im Gazastreifen wehrt, die jüdische Lobby in Amerika das deckt und wetten, mindestens ein ‘Aber-Satz’ wird fallen? “Ich bin bestimmt kein Antisemit, aber…”, “das mit dem Vergasen zur Nazizeit war eine schreckliche Sache, obwohl wir nichts dafür können, da waren wir ja noch nicht geboren, aber…” und irgendeinen Juden, der das genauso sieht, kennt jeder. Das klingt wie Broder und ist Überspitzung? Versuchen sie es einfach mal ganz real in ihrem Bekanntenkreis. Rein virtuell unter Fremden lässt sich es jeden Tag in Dutzenden von Facebooksthreads nachlesen.

Findet das in der organisierten Erinnerung zur Pogromnacht Erwähnung? Natürlich nicht, denn es sind dieselben ganz normalen Deutschen, die diese zelebrieren. Antisemit ist immer nur der Nazi, aus “nie wieder” wird “gegen Rechts“, was auch immer gemeint ist. Der Nazi ist praktisch, er ist der Antisemit schlechthin, er ist der Böse, auf den sich alle einvernehmlich einigen können, der verbale Kampf gegen ihn das Alibi, nicht selber Antisemit zu sein. Der Gipfel der Verlogenheit sind Reden, die nicht den muslimischen Antisemitismus, der von Buschkowsky peinlich geleugnet, ganze Viertel zu Nogo-Zonen für erkennbare Juden gemacht hat, geißeln, sondern Kritik am radikalen Islam in eine Linie mit der Judenverfolgung stellen und unter Hinweis auf die Pogromnacht ächten wollen. Deutsche Erinnerungskultur ist ein Gemischtwarenladen, der heute allem dienen darf, nur nicht der Beschäftigung mit dem real existierenden Antisemitismus und der Unterstützung der Nachfahren der Opfer der Shoa.

Echte Konsequenzen aus der Pogromnacht wären nicht die “sehr bewegende Großveranstaltungen”, sondern Sondersendungen des Fernsehens, dass auf dem ganzen Kontinent Juden im Aufbruch sind, dass die schwedische Stadt Malmö in nicht langer Zeit die erste judenreine Stadt Europas nach dem Krieg sein könnte, weil muslimische Mobs mit der Duldung der Stadtverwaltung der jüdischen Bevölkerung das Leben so schwer machen, dass man von Vertreibung sprechen kann, dass in Ungarn die Gespenster der Pfeilkreuzler Renaissance feiern, dass ein Frieden für Israel daran scheitert, dass alle Nachbarn es vernichten wollen und nicht einen Palästinenserstaat in 1967 besetzten Gebieten möchten und zu vielem mehr. Vor allem aber dazu, am besten mit Landkarten, dass nur wenige nukleare Detonationen in den kleinen Ballungsräumen Israels reichen würden, weit effektiver als die deutschen Gaskammern Millionen Juden zu morden. Dazu, dass jeder Tag, an dem der lächelnde neue Staatschef des Iran verhandeln darf, hilft, die Bombe zu bauen. Kennt noch jemand Adolf Hitlers Lieblingsthema, bis die Wehrmacht als modernste Armee Europas angriffsfähig war? Es war der Frieden.

Davon wird auf keiner Veranstaltung gesprochen werden, im Gegenteil, zeitgleich bietet die Welt den persischen Atombastlern einen Vertrag an, der den Druck auf sie mindert und den Zeitgewinn in Paragrafen gießt, schockierend existenzbedrohend für Juden und Araber in Israel. Europa kümmert dasYellow nicht, es boykottiert lieber israelische Produkte, mit der traditionellen gelben Labelfarbe.

Solange diejenigen besonders tiefsinnig zu den Feiertagen über die Toten schwadronieren dürfen, die im Alltag sich der Israelkritik hingeben, ohne dabei auch nur eine Spur von Scham zu empfinden, wird der Antisemitismus weiter grassieren. Eine Wende im Denken fängt erst an, wenn dies medial laut benannt wird. Vielleicht war die ARD-Doku keine Eintagsfliege und die europäische Antisemitismusstudie ernst gemeint. Allein, der Glaube fehlt.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne, ebenso bei Haolam.

Der deutsche Tag, eine romantische Kristallnacht und die Bildungskatastrophe

Als man im Jahre 1990 das wiedervereinigte Deutschland schuf, stellte sich neben vielem die Frage nach einem neuen Nationalfeiertag. Nach den emotionalen Erlebnissen der Revolution in der DDR, war der 9. November heiß diskutiert. Jener Tag des Mauerfalls, den die Ironie der Geschichte auf ein Datum legte, das wie kaum ein anderes die jüngere deutsche Vergangenheit in sich trug.

Das Ende der ersten demokratischen Revolution in Deutschland markiert die Erschiessung des Paulskirchenabgeordneten Robert Blum in Wien. Man schrieb den 9.11.1848. Am 9.11.1918 stürzte der Kaiser und Philipp Scheidemann rief als Folge der Novemberrevolution die Republik aus, die erste errichtete deutsche Demokratie mit dem Geburtsfehler, dass die Linke sie von Anbeginn bekämpfte, um die bolschewistische Revolution herbeizuführen, eine bornierte Rechte sie hasste, weil sie mit vagen Ständestaatsvorstellungen der alten, überlebten Ordnung hinterher trauerte. Schon ihre Geburt trug damit das Gift in sich, das zu ihrem Ende führte. Am 9.11.1923 versuchte zum ersten Mal Adolf Hitler mit einem dilettantischen Putschversuch die Macht in Deutschland an sich zu reißen, das blutige Scheitern vor den Gewehren der bayrischen Landespolizei, nahmen die Nazis zum Anlass, den Tag zu ihrem Feiertag zu machen, es war die Rede zu diesem Datum von Joseph Goebbels 1938, die den Startschuss zur Pogromnacht gab, jener Horrornacht, in dem der deutsche Zivilisationsbruch sich ein erstes Mal vor aller Welt unübersehbar manifestierte, jüdische Geschäfte geplündert und zerstört wurden, Synagogen angezündet, 30.000 jüdische Männer in die Konzentrationslager verschleppt und etwa 400 Menschen erschlagen. Die Verfolgung der Juden trat in das physische Stadium ein, das mit der Shoa als historisch beispielloses Verbrechen endete. Ein zynischer Volksmund nannte diese Nacht, ob der unendlich vielen zerschlagenen Scheiben, die Kristallnacht.

Der historische Treppenwitz, der Günter Schabowski sich an einem 9. November verplappern ließ und damit die rote Diktatur irreversibel hinweg fegte, spannte an einem Datum den Bogen von den gescheiterten und den verbrecherischen deutschen Wegen hin zu einem Neuaufbruch. Alles etwas viel Historie auf einmal, so dachte man wohl im Jahre 1990. Vielleicht auch mit Rücksicht auf das alljährliche Gedenken zur Pogromnacht, wurde ein willkürlicher Tag, der 3. Oktober, auf den man den juristischen Vollzug der Einheit legte, als Feiertag gewählt. Ein unbelasteter Tag ist ein Blick nach vorn, der sich vom Gewesenen abwendet.

Bei diesem Ansatz meinte man davon ausgehen zu können, dass das Novemberdatum sich in die Menschen spätestens ’89 eingebrannt hätte und die Schule jedem Nachgeborenen den Nationalsozialismus, seine Vorgeschichte und Verbrechen vermitteln würde, ebenso den Fall des kommunistischen Unrechtsstaates, damit unvermeidlich auch die deutsche Besonderheit dieses Tages. Im Jahre 2013 jährt sich das Novemberpogrom zum 75. Male. Das Fernsehen macht seine üblichen Sondersendungen, Feierstunden wird es geben, die Vorankündigungen laufen schon. Im schönen Thüringen gibt es eine Therme in Bad Klosterlausnitz, die eine Veranstaltung der ganz eigenen Art ihren Gästen anbot:

Kristallnacht

Damit schaffte es der Laden über ntv und Spiegel bis in die Jerusalem Post. Natürlich kann man nur auf die Idee kommen, hier wäre der Gipfelpunkt des bösartigsten Antisemitismus am Werk, eine Kristallnacht zu bewerben ist an sich ein Nogo, sie auf den 9. November zu legen, wer sollte da noch an Zufall glauben. Der Ort liegt neben Jena, jenem Schoß, aus dem der NSU kroch und dessen Bürgermeister Schröter Boykottaufrufe gegen israelische Produkte öffentlichkeitswirksam unterschreibt.

Doch noch am Tage der Entdeckung änderte die Therme den Namen der Veranstaltung und entschuldigte sich wortreich auf Facebook:

“Sehr geehrte Gäste,
in aller Form möchten wir uns für unsere unsensible Namensfindung für die Veranstaltung am 09.11.2013 entschuldigen. NATÜRLICH war das ausgesprochen unpassend. Ein kleinlauter Erklärungsversuch: Bei vielen unserer Veranstaltungen hängen wir aufgrund unseres Firmennamens häufig das Wort “Kristall” an. So auch dieses Mal. Wir bedauern das wirklich ausserordentlich und selbstverständlich war dies KEINE Absicht und glauben Sie uns, wir sind selbst ziemlich beschämt über unseren Fehler.”

Wer die weiteren Stellungnahmen der Mitarbeiter liest, wer mit ihnen telefoniert hat, der konnte das Unglaubliche lernen, es spricht vieles dafür, dass denen das wirklich nicht klar war, dass sie tatsächlich weder etwas mit einer Kristallnacht, noch der Bedeutung des 9. November anfangen konnten. Welche Schule, welches Bildungssystem, welche Eltern, welche Politik, welche Medien haben wir, die die geschichtslose Dummheit produziert? Wer den Thread liest, der unter der Entschuldigung beginnt, kann sich des Gruselns nicht erwehren. Geschenkt, dass Nazis, wie der Pressesprecher der NPD, Frank Franz, sich nicht entblödeten, ihr Süppchen zu kochen, die Reaktionen der ganz normalen jungen Deutschen ist so exemplarisch. Ein Beispiel sei herausgehoben: “…so doof wie leute die sowas extra nachrecherchieren um sich danach über vermeintliche Naziverschwörungen aufzuregen”, woraus wir lernen, dass man die Kristallnacht extra nachrecherchieren müsse, um auf sie zu kommen. Der Abwehrreflex ist heftig, wo es um die Shoa geht, ist der Wunsch übermächtig, deutsches Opfer, geknechtet von der Holocaustkeule, sein zu wollen. Wer den latenten Antisemitismus in Reinkultur erleben möchte, dem sei empfohlen, alle Kommentare durchzulesen. Überall dort, wo thematisch Juden oder Israel vorkommen, erlebt man Ähnliches. Mag sein, dass wissensfreie Dreistigkeit und die Bereitschaft, sie herauszulassen in Schröters Landen besonders groß ist, aber glaube niemand, es denke im Wessi wesentlich anders und seine Geschichtsbildung wäre höher. Die Schulen haben versagt, die Medien mit ihrer übermäßigen und nahezu durchweg negativen Israelberichterstattung ihren Teil dazu beigetragen, sich die deutsche Belastung mit antijüdischem Vorurteil erleichtern zu wollen.

Es war doch keine gute Idee, mit einem leeren Feiertag neu anzufangen. Ungeist beginnt mit Unwissen und dem Wunsch nach dem Ausstieg aus dem Erbe. Niemand der Heutigen trägt Schuld an der Vergangenheit. Aber jeder hat sein Deutschland geerbt, seine Kultur, seinen Wohlstand, seine Freiheit – und seine Verbrechen. Es lassen sich keine Rosinen picken. Wenn Schulen, Familien, Fernsehen und Internet das nicht mehr vermitteln können, dann wird es Zeit, es damit zu versuchen, aus dem unschuldigen 3. Oktober den historischen 9. November zu machen. Mindestens die Therme hätte dann vorher gewusst, auf welchem Eis sie sich bewegt.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Eine Sternstunde. Die ARD entdeckt den Antisemitismus

Es war wirklich eine Sternstunde. Zu nicht einmal ganz nachtschlafender Zeit präsentierte ausgerechnet die ARD eine aufrichtige Beschreibung des Antisemitismus in Deutschland. Nicht nur die üblichen Verdächtigen, die Neonazikameraden, bei denen der Judenhass zur politischen Muttermilch gehört und deren Gewalttätigkeit, Gefährlichkeit für einzelne Menschen niemand in Abrede stellen soll; das Interview mit Udo Pastörs war der erheiternde Teil des Abends, selbst der gestandene Nazi möchte heute nicht mehr Antisemit genannt werden, Kritiker jüdischen Gewinnstrebens wäre ihm wohl lieber gewesen. Sie standen mit Recht am Anfang, aber der Antijudaismus beschränkt sich nicht nur auf sie und Menschen rechter Denke.

Die Unehrlichkeit vieler Analysen zum Phänomen, sich auf die Rechten zu beschränken, bestensfalls noch ein paar ostdeutsche Biertrinker im Unterhemd mit platten Schnacks zu filmen, vermied diese Dokumentation. Sie zeigte den muslimischen Hass, der tiefer Teil der Welt hier lebender nahöstlicher Migranten ist, zeigte die Angst jüdischer Menschen, sich erkennbar in deren Stadtvierteln zu bewegen, auch jene, die versuchen, Einsichten zu wecken. Sie zeigte die deutsche Linke, die Israelkritik, ihre ekelhaftesten Erscheinungen, das Hakenkreuz im Davidstern, Roger Waters und das schwarze Schwein, die Boykottanträge, Grass und Augstein, ließ sogar Broder zu Wort kommen. Der Bielefelder Professor Andreas Zick, durfte die Realität offen aussprechen: “Wir haben im Jahr 2004 (sic, damals schon!) mal sehr deutlich in unserer Umfrage unterschieden zwischen einer antisemitischen Israelkritik, d.h. einer Kritik, die sich antisemitischer Stereotype bedient und einer Israelkritik, die sich genau dieser antisemitischen Stereotype nicht bedient, d.h. man kritisiert Israel, aber ohne Bezug auf das Judentum. Und da zeigt sich sehr deutlich, dass die Israelkritik mit antisemitischen Stereotypen durchsetzt ist.” Selten hat es im deutschen Zwangspay-TV so viel Ehrlichkeit gegeben. Ein wohltuendes Wunder.

Die Macher der Sendung erstaunte das Ausmaß der Abneigung gegen alles Jüdische auch in der Mitte der Gesellschaft. Nebensätze, im Smalltalk gegenüber jüdischen Bekannten fallen gelassen, Mails, die Vertreter des Judentums täglich vorfinden, Straßenumfragen, die vermutlich repräsentativer sind, als jede Antisemitismusstudie des Innenministeriums. Jeder, der zum Thema einmal diskutiert hat, weiß es. Dabei wurde die Beschneidungsdebatte gar nicht erwähnt, die grausliger denn je vernehmen ließ, wie es im Deutschen denkt.

Verzichtet wurde allerdings auf den Versuch, Gründe zu finden. Natürlich befruchten sich die einzelnen Elemente des Antisemitismus gegenseitig, fühlt sich der verschämte Spießer animiert, wenn sein türkischer Nachbar offen ausspricht, was er nur heimlich zu denken wagt, gibt beiden der Israelkritiker die Camouflage, antijüdisch sein zu dürfen und dennoch den Antisemitismusvorwurf von sich weisen zu können. Aber das allein ist es nicht.

Vom Yom-Kippur-Krieg an kennzeichnet die Berichterstattung zu Israel und dem Nahen Osten zunehmend kritiklose Übernahme auch der absurdesten arabischen Propaganda. Im gleichen Maße, wie die Vereinten Nationen zum Hort des Kampfes gegen Israel wurden, ist die Dämonisierung des Staates der Juden zentraler Bestandteil deutscher Medienberieselung. Der Bürger lernt seit Ende der 70er Jahre, Israel als Schuldigen aller Probleme des Orients zu sehen, bis zum Benzinpreis, dass die Kriege der USA “wegen der Juden” geführt würden, ihm wird der logische Schluss nahe gelegt, ohne Israel, keine Terrorprobleme. Objektive Berichte lassen sich mit der Lupe suchen. Barbarische Morde und Raketenangriffe der Araber fallen nahezu immer unter den Redaktionstisch, aber die Gegenschläge führen zur Schlagzeile. Das hessengroße Israel mit 8 Mio Einwohnern hat ein Nachrichtengewicht, als wäre es das negative Zentrum der Welt, getragen von einer imaginären jüdischen Lobby, die nicht nur den US-Präsidenten steuerte. Niemand erklärt, dass nicht Siedlungen das Problem sind, sondern der Vernichtungswille aller Nachbarn, dass nicht ein Staat auf 1967 besetzen Territorien palästinensische Zielvorstellung ist, sondern die Auslöschung Israels, eine iranische Atombombe der Weg zur Shoa 2.0. Wer seinen Zuschauern seit Jahrzehnten täglich ein völlig verzerrtes Bild vorsetzt, trägt Verantwortung, wenn der antisemitische Virus wieder gedeiht.

Verständlich, dass eine ARD Sendung diese Erkenntnis scheut. “Es gibt mehr Antisemitismus als wir dachten. Den der Rechten kannten wir und den der Linken, auch vom muslimischen wussten wir. Doch den der Mitte haben wir gern übersehen. Auch bei uns.” War das Fazit. Vielleicht sollten die letzten drei Worte ein Eingeständnis sein.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Leichenantifa

Mit feuchten Augen zu allen möglichen Anlässen die Ermordeten der Shoa zu betrauern, Museumssynagogen dort zu eröffnen, wo kein Jude mehr lebt, sich die deutsche Last aber damit zu erleichtern, Israel für alles Unbill dieser Welt verantwortlich zu machen und auch schon mal Fedajinfeudel tragend israelisches Vorgehen gegen Terrormörder mit Naziverbrechen zu vergleichen, ist eine der vielen geschmacklosen Varianten des neudeutschen Antisemitismus, der sich gemeinhin “Israelkritik” schimpft. Dieser Tage hält die Welt einen kleinen Trost für alle die bereit, die dies verlogene Geheuchel zum Kotzen finden und sich fragen, was mit den Deutschen eigentlich los wäre. Es kann nämlich noch dreister kommen. Die argentinische Variante könnte man es nennen.

Vor ein paar Tagen wurde es dem Teufel zu langweilig und er holte sich Erich Priebke, den 100jährigen Gestaponazi, aus dem italienischen Hausarrest. Weil der alte Luzifer aber nur an der Seele Vergeltung übt, hinterließ er der Welt die Leiche und vor allem die Frage, wohin mit ihr. Immer Ärger mit Erich quasi. Der hatte eine Vorstellung gehabt, wo er die ewige Ruhe, die ihm hoffentlich die höhere Gerechtigkeit nicht lässt, verbringen wollte. Ganz als Biedermann an der Seite der schon verschiedenen Gattin auf dem Friedhof seiner argentinischen zweiten Heimat, da wo er die meisten Jahrzehnte seines Leben ungestört den Wohlstandbürger spielen durfte.

Wie gut, dass es tapfere Menschen gibt, die den Kampf gegen die Nazis post mortem führen. Lebende Nazis mit offenen Armen aufzunehmen, war den Peronisten der 50er Jahre wahre Herzensangelegenheit. In den Genuss der argentinischen Willkommenskultur kamen so freundliche Menschen wie Adolf Eichmann, Josef Mengele und viele, viele andere, darunter Erich Priebke. Den toten Priebke allerdings, den lässt der Peronist des 21. Jahrhunderts nicht ins Land. Da sei Außenminister Héctor Timerman vor, der flugs den Befehl erließ und twitterte, nicht die geringsten Bestrebungen zur Rückführung der Leiche hinzunehmen, da Argentinien diesen Affront gegen die Menschenwürde nicht akzeptieren würde. Wir lernen, wenn der gut integrierte Nazimörder brav seine Steuern zahlt und unauffällig Teil der Gesellschaft ist, ist es schon in Ordnung, aber modernd in Gauchoerde verbuddelt, das geht gar nicht, wäre ein Affront gegen die Menschenwürde. Zumindest wenn die Welt zusieht.

Der Herr Timermann weiß, worauf es ankommt. Mit toten Nazis lassen sich keine Geschäfte mehr machen, sie taugen eben nur dazu, an ihnen die rechtschaffende Gesinnung zu beweisen, die davon ablenkt, dass das Leben der Juden von heute nicht durch die letzten Greise von gestern gefährdet wird, sondern durch andere mit nicht minder entschlossenem Vernichtungswahn. Die kennt der Héctor nämlich auch. 1994 sprengten sie das jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires in die Luft und ermordeten 85 Menschen. Unangenehmer Weise ließen sich die Hintermänner des Anschlags ermitteln, die Mullahs von Teheran waren es, mit denen nicht nur Argentinien gern Geschäfte macht. Zur Erledigung dieser Peinlichkeit, schloss der Außenminister ein Abkommen mit den Mördern, sein Land und der Iran gründeten eine gemeinsame Wahrheitskommission, um damit zusammen den Tätern auf die Spur zu kommen. Warum ist bloß nie in Italien einer darauf gekommen, dass man die Mafiaverbrechen am klügsten durch kollektive Ausschüsse von Carabinieri und Cosa Nostra aufklärt. Weil der Timerman Sinn für geschichtsträchtige Daten hat, unterschrieb er den Vertrag im Januar am Auschwitzgedenktag. Schon geregelt, innige Freundschaft geschlossen und weiter kann man verkaufen. Zum Beispiel Nuklearmaterial. Brauchen die Mullahs dringend, selbst wenn es angeblich nur Armaturen und Luftpumpen wären, wie es der Kämpfer wider Priebkes Leiche behauptet, denn der Iran bastelt, selbst die UNO hat es gemerkt, an der Bombe. Die Bombe, mit der der Traum des Teheraner Regimes von der Auslöschung des Staates Israel zu bewerkstelligen wäre. Die Shoa 2.0, an deren Verwirklichung auch das neoperonistische Argentinien sich gern zu beteiligen scheint. Aktiv ohne Tarnung, im Gegensatz zu dem Teil der Welt, der passiv mitwirkt, in dem er lächelnde Worte des Rohani glauben will, damit dem der Zeitgewinn zur Fertigstellung gelingt.

Wer sich ungestört mit den Judenmördern von heute gemein machen will, braucht nur PR-wirksam den Kadaver des verblichenen Gestapisten von sich zu weisen, schon ist er antifaschistischer Verteidiger der Menschenwürde. Angesichts so viel zynischer Bosheit lässt sich der bloß schwadronierende “Israelkritiker” mit den Krokodilstränen vorm Stolperstein doch beinahe lieb gewinnen.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Wenn für die Freiheit Blut fließt

Ägypten beherrscht die Schlagzeilen. Politik und Medien hierzulande überbieten sich im Entsetzen darüber, dass es Tote gibt, viele sogar, was eben passiert, wenn scharf geschossen wird. Dann wird in Deutschland die Leichenbittermiene aufgezogen, der Botschafter einbestellt, die UNO kommt in die Gänge und der Dialog wird gefordert. Die Empörten jedoch verweigern sich der Frage, wer warum auf wen schießt. Vor allem wofür.

Es scheint, dass niemand verstehen will, was sich dort abspielt. Einen Kampf der Kulturen hat uns Huntington einmal prophezeit. Er liegt damit nur knapp daneben. Sein Irrtum besteht darin, dass er wie viele andere nicht wahrzunehmen in der Lage war, dass der mittelalterliche Gottesstaat mit grausamen Strafen, Frauen als Menschen zweiter Klasse, kranken Sexualvorstellungen, durchdrungen von mehr als 1300 Jahre alten Religionsvorschriften vermoderter Propheten, nicht mit der Kultur nahöstlicher Völker gleichzusetzen ist. Rassistischer Irrtum ist es, zu unterstellen, dass Menschen, die mehrheitlich der muslimischen Religion angehören, nach den Grundsätzen von Fanatikern und Frauenmaskieren leben wollen, zu leben haben, statt wie wir, Gott als Nebensache sehen, Atheisten sein oder indifferent dem gegenüber stehen und in erster Linie frei ein gutes Leben führen möchten. Es ist der Rassismus derjenigen, die sich heute um die Moslembrüder sorgen und aus dem sicheren Hort der freien Gesellschaft den Ägyptern predigen, doch bitte einen Kompromiss mit jenen zu suchen, die sie unterjochen wollen, statt sie zu bekämpfen. Der Rassismus der Menschen, die in Freiheit leben, es für sexistisch halten, wenn alternde Politiker Bemerkungen über Dirndl machen, doch gleichzeitig sich echauffieren, wenn in Nordafrika auf die geschossen wird, die entschlossen sind, Frauen zu entrechten, sie in verhüllte Schattenexistenzen zu verwandeln trachten. Längst hat die fette deutsche Pazifistenwelt vergessen, dass die Freiheit, die sie genießt, von alliierten Soldaten gegen das Reich der Nazis mit der Waffe in der Hand erkämpft wurde, nicht mit Hunderten, sondern Millionen von Toten und im Zweifel auch nur mit dieser erhalten werden kann, wenn jene kommen, die erfüllt vom totalitären Absolutheitsanspruch sie durch Ideologie oder ihren Glauben ersetzen wollen.

Grotesk ist er und wütend macht ein Westerwelle mit seinen Worthülsen, der selber längst am Baukran hängen würde, wäre er in einem islamischen Gottesstaat zur Welt gekommen. Ob Obama oder Merkel, niemand ist besser. Wir führen keinen Kampf der Kulturen mehr, egoistisch bemühen wir uns einigermaßen unsere biogrüne Traumwelt zu erhalten, beschäftigen uns mit NSA, Veggie-Days, Windmühlen und Genderschwachsinn, solange wir weiß, blond und blauäugig sind, liefern jedoch die aus anderen Kulturen ihren bestialischen Unterdrückern aus und nennen das auch noch multikulturell, halten uns dabei für die friedliebenden Menschen, die schon wissen, wie der edle Wilde leben möchte. Erschlagene Kopten und brennende Kirchen, die bestens zur Zeit illustrieren, was Moslembruderschaft bedeutet, werden ebenso still ignoriert, wie die Tatsache, dass die angeblichen Demonstranten längst selber bewaffnet waren und diesen Showdown bewusst provozierten, den Bürgerkrieg herbeiführen wollend eigene Tote einkalkulierten, damit sie nach alter Palästinensermasche den westlichen Medien zu präsentieren waren. Vergessen will man, dass sich die überwältigende Mehrheit des ägyptischen Volkes zur Befreiung von jenen erhob, die das Land in die Theokratie umzuwandeln begannen, die Menschen das Militär zum Handeln drängten. Der Kampf findet innerhalb der Völker jenes düsteren Frühlings statt, es ist der Kampf zwischen einem Weg zur Freiheit und dem Weg in die Finsternis. Es gibt keinen Kompromiss zwischen beiden Wegen, so wenig, wie man mit Hitler je eine Einigung hätte finden können. Der Anspruch der Moslembrüder ist die uneingeschränkte Herrschaft über ganz Ägypten, tief in das Privateste des Einzelmenschen hinein. Nur erbärmlich feige und dumme westliche Politiker, wie ein Polenz, versuchen uns einzureden, es gäbe immer nette Gemäßigte, mit denen man sich einigen könnte. Einigung mit solchen ist immer die Einigung auf Kosten der Menschen, die sie dann beherrschen würden. Nichts anderes als Rassismus ist solche Denke.

Was passiert, wenn die bärtigen perversen Männer erst an der Macht sind, lässt sich im Iran studieren. Jetzt und hier ist die Auseinandersetzung zu führen. Das ist es, was die Ägypter erkannt haben. Sie haben eine Armee, die dieses Mal im Sinne ihrer Menschen handelt. Die kämpft. Kämpfen ist blutig und schmutzig, wir wollen es in unseren spießigen heimischen Wohnzimmern nicht wahr haben. Sehr blutig, denn es geht um eine beachtliche Anzahl von Gotteskriegern, sie haben ohne Zweifel eine erhebliche Minderheit der Ägypter hinter sich. Im Krieg sterben Menschen, es ist ein Krieg, er wird lange dauern und die Zivilisation muss nicht einmal helfen, sie hat nichts zu tun, als der ansonsten sicher nicht sehr sympathischen ägyptischen Armee den Sieg zu wünschen und die Klappe zu halten. Es sind die Zukunftsentscheidungen, für Ägypten, Tunesien, die Türkei, den ganzen Nahen Osten. Sie wirken auch in unsere Gesellschaft, in der Islamvertreter seit langem von unverantwortlicher Politik zu Repräsentanten von Migranten ernannt wurden; eine Gesellschaft, die Zuwanderer aus muslimischen Milieus, die als freie Menschen ein freies Leben in unserem freien Land leben wollen, schon seit Jahrzehnten allein gelassen dem Gruppendruck der Religiösen ausgesetzt hat.

Dabei sei klar, es gibt keinen Grund zu christlichem Hochmut. Die Verbrechen von Staaten nach Gottesgesetzen ähneln sich nur zu sehr. Mittelalterlich sind die Islamisten deshalb, weil die Christen vorgemacht habe, welches Grauen gesellschaftsbestimmende Religionen anrichten können. Sie sind heute nur durch die Aufklärung gezähmt. Bis zur Lächerlichkeit allerdings, wenn Evangelen dieser Tage, wie in Garbsen, ihre Kirche niederbrennen lassen und nicht wagen, die Täter beim Namen zu nennen. Auch damit kann man sich schuldig machen, denn wer selbst das zulässt, von dem ist niemals zu erwarten, dass er Rückgrat zeigt, wenn es um den Kampf am Nil geht.

Ägypten braucht die Unterstützung der KäßmännInnen nicht, es kämpft für sich selber, es wird geschossen und es fließt Blut. Das ist unvermeidbar. Mag es beispielgebend für deutsche Hirne sein!

Man wird doch wohl noch karikieren dürfen

Es gibt keinen Antisemitismus in Deutschland, es sei denn es handelte sich um Neonazis (auch bei denen übrigens bemüht man sich nach Kräften, die Judenfeindlichkeit nach hinten zu schieben und sich in erster Linie mit “Islamophobie” zu befassen, egal wie schwachsinnig das ist; Nazis hängen dem völkischen Rassismus an, die Religion spielt keine Rolle). Das ist das Dogma der linksliberalen Medienkultur und wie offensichtlich das Gegenteil auch ist, wie wunderbar ein von außen dieses Land bestaunender Autor es auch beschreiben konnte, zäh werden die Reihen fest geschlossen, wenn es gilt, sich gegenseitig zu attestieren, nicht antisemitisch zu sein. Israelkritik heißt das bekannte Zauberwort.

Eines der Aushängeschilder dieses selbsternannten Qualitätsjournalismus ist die Süddeutsche Zeitung. Sie überraschte uns anlässlich einer Buchbesprechung zu den Militärhilfen Deutschlands für den seit seiner Existenz durch seine Nachbarn offen mit physischer Auslöschung bedrohten, mehrfach überfallenen jüdischen Staat mit dieser Karikatur:

SZ KarikaturDas ist selbst für Hartgesottene geeignet, einmal tief Luft zu holen, mehrmals hinzusehen, um es zu glauben. Die Stürmerassoziation ist evident. Müsste. Eigentlich.

Tatsächlich hat der Karikaturist Ernst Kahl nichts mit dieser Verbindung zu tun. Er hatte die Zeichung einst für die Zeitschrift “Der Feinschmecker” angefertigt, erst die Redaktion der Süddeutschen hat sie in den Zusammenhang mit Israel gestellt, wie Michael Wuliger von der Jüdischen Allgemeinen herausfand, was die Perfidie des Vorganges noch potenziert. Wer im hausinternen Karikaturenfundus jenes Werk zur Illustration dieser politischen Fragestellung heraussuchte, muss ein wirkliches Gespür für antisemitische Widerwärtigkeit gehabt haben. Müsste. Eigentlich.

Die zuständige Redakteurin nämlich meldete sich zu Wort und wies jeden Antisemitismus weit von sich. Franziska Augstein heißt sie, als Halbschwester des berüchtigten diesjährigen Antisemitismuspreisträgers quasi schon familiär Expertin für Nichterkennung von Judenfeindlichkeit.

Ernst Kahls gehörntes, hungriges Monster hat mit den antisemitischen Klischees nichts zu tun. Man muss das Bild zusammen mit der Bildunterschrift anschauen. Da heißt es: “Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt. Israels Feinde betrachten das Land als einen gefräßigen Moloch. Peter Beinart beklagt, dass es dazu gekommen ist.” Also: Nur die Feinde Israels sehen Israel in der Weise, die dem abgebildeten Monster ähnelt. Außerdem ist der Staat Israel nicht mit dem Judentum gleichzusetzen“.

Schwer zu beantworten, was dreister, abstoßender ist, die Karikatur in ihrem Bezug oder die dürren verlogenen Zeilen der Redakteurin. Es würde nur die Sicht der Feinde Israels damit beleuchtet werden, nein, wir denken selbstredend ganz anders und Israel wäre doch nur der Staat der Juden, wie könnte man ihn auch im Zusammenhang mit dem Judentum sehen, so billig macht es nur der, der sich ertappt fühlt und dem spontan gar nichts einfällt.

Es mag ein Manko unserer Zeit sein, dass mit dem Begriff “Stürmer” viel operiert wird, aber anscheinend nur die wenigsten wissen, wie Stürmer- und andere antisemitische Klischees aufgebaut waren. Sicherlich wäre es vergebliche Liebesmüh, selbige einer Frau Augstein anhand dieses Vorgangs erklären zu wollen, der Versuch soll für jene unternommen werden, die ihr glauben möchten.

Antisemitismus beginnt damit, die Realitäten umzukehren und das Angriffsziel zum Täter zu erklären. Zum Beispiel einen Staat, den seit 65 Jahren die arabische Welt vernichten möchte, zur Bedrohung für diese zu erklären, weil er sich zur Verteidigung bewaffnet. So schlicht, wie die Aussage des Bildes mit Unterschrift. Die Darstellung des Juden als Antichrist ist schon im mittelalterlichen Judenhass Kernaussage, wie passend, dass das Monster der Zeichnung Hörner trägt. Immer wiederkehrendes Motiv des Antisemitismus ist der Jude mit dem Messer in der Hand, er fehlt nicht. Der ausbeutende Jude, der schändende Jude, gerade der Stürmer hat sehr eingehend die Beziehung eines fetten reichen Juden zur unschuldigen arischen Dienstmagd in seinen ekelhaften Darstellungen verwendet, dabei das Ausnutzen mit der Sexualisierung verknüpft. In der Süddeutschen ist es die weibliche Dienerin, die dem gierigen, unersättlichen Juden, Verzeihung, dem Monster, das Israel darstellt, das Frühstück, das andere bezahlen, im Bett serviert. Nicht nur Gespür, es ist schon fast eine abgrundtief niederträchtige Genialität dessen, der die Darstellung auswählte, derartig viele Stereotype des übelsten Antisemitismus zur Aussage über Israel zu vereinen. Wem das immer noch nicht reicht, der sei darauf hingewiesen, wie schon Grass und Jakob Augstein im letzten Jahr die Wut der alten deutschen Antisemiten über die Wiedergutmachungsleistungen zu nutzen versuchten, um die Waffenhilfe für Israel aus Verantwortung und deutschem Eigeninteresse zu delegitimieren, in die negative Diskussion zu bringen.

Die Süddeutsche Zeitung hat mit schmutzigstem Antisemitismus gespielt. Frau Augstein ist bestimmt nicht dumm, gewiss bedurfte es der Erläuterung nicht. Sie wusste, was sie tat, ihr Motiv mag ein Testballon gewesen sein, ob sich noch Widerstand regt oder die Zeit reif ist, ganz offen solche Abbildungen für Israel zu wählen. Es ist unwichtig. Das Böse ist es, was dort aus deutschen Schoße kroch. Das scheinnaive Dementi die dazugehörende, dem anderen offen ins Gesicht grinsende Unverfrorenheit.

Syrien leidenschaftslos betrachtet

Es mögen 70.000 oder inzwischen erheblich mehr Menschen sein, die im syrischen Bürgerkrieg ihr Leben verloren haben. Dabei wäre das Wort abgeschlachtet in vielen Fällen vermutlich treffender. Kein Zweifel daran besteht, dass dieses Morden vom syrischen Erbdiktator ausging, der nach Vätersitte anfangs glaubte, Volksaufstände durch Massaker wirksam bekämpfen zu können. Kein Zweifel auch, dass es sich bei dem sympathischen Augenarzt von nebenan mit dem spanischen Prinzengesicht um ein Monster handelt, dessen Bereitschaft für Machterhalt zu töten ungehemmt ist.

Erstaunlicher Weise hat er deutsche Fans. Sofern es sich dabei um die umbenannte SED und die üblichen Verschwörungsirren vom Schlage eines Elsässer oder Ken Jebsen handelt, lässt es sich vernachlässigen. Allerdings geht die Sympathie tief in bürgerliche Kreise hinein, von Islamparanoikern angefangen über bürgerliche Christen, auch Israelfreunde bis zu säkularen Kreisen. Man könnte fast glauben, Assad wäre ein moderner Jungdynamiker, der in heroischem Abwehrkampf die Werte der Zivilisation gegen finstere Moslemhorden verteidigte.

Über die syrische Opposition mache sich niemand Illusionen. Gewiss ist eine Demokratiebewegung dabei, gewiss kämpfen viele für die Freiheit von der jahrzehntelangen Assaddiktatur, eines der brutalsten Folter- und Mordregime des Nahen Ostens, aber die bewaffneten Haufen sind sehr unterschiedlich, teils Erdogan gesteuert, teils islamistische Mordgesellen, alle längst blutlüstern und im Massentöten erfahren. Dass letztere im Falle eines Sieges die Oberhand hätten, sollte befürchtend angenommen werden. Ebenso, dass ein Erfolg für Christen, Aleviten, Schiiten und andere religiöse Minderheiten nur das Schlimmste erwarten ließe.

Es mag von daher oberflächlich die Motivation der neuen Assadfreunde nachzuvollziehen sein. An der Bewertung des Despoten allerdings ändert dies nichts. Wer ihn für einen stabilen, berechenbaren Faktor hält, ist auf dem Golan hängen geblieben. Die Assads waren stets, wenn auch kalte, Todfeinde Israels und Destabilisatoren des Machtgefüges der Region. Während sie aus militärisch gutem Grund den Waffenstillstand auf dem Golan einhielten, sponserten sie alle Terrorbanden der Gegend, zerstörten den Libanon vollständig, verhinderten dort jede neue Staatlichkeit, bombten ihre Gegner zuverlässig weg, verbündeten sich mit den Mullahs und nährten, Frieden laut und unmissverständlich zurückweisend, die Hisbollah genauso, wie sie die Paten der Hamas wurden. Der Erzfeind der Juden (niemand vergesse Alois Brunner) und grausam böser Geist unter Arabiens Dämonen. Zuletzt bauten sie an einer Zulieferfabrik für die iranische Atombombenproduktion, bis Israel das aus der Luft unterband. Dass der Durchmarsch der Islamisten in den letzten Jahren bei vielen Entsetzen auslöste, darf nicht das Hirn für die Realität vernebeln.

Tatsächlich ist der syrische Bürgerkrieg aber von Beginn an viel mehr, als eine mit beispiellosem Hass ausgeführte innere Auseinandersetzung. Seine um die Macht ringenden Mitkämpfer sind die von neoosmanischem Größenwahn erfüllte Erdogantürkei, deren Vormachtträume eben dort an ihre Grenzen stoßen, der Iran, der seinen zuverlässigsten Partner braucht, die sunnitischen Regime alter und neuer Prägung, die Hamas, die die Fronten wechselte und Russland, das schlicht Einfluss und Stützpunkte nicht verlieren will. Sie alle sind Teilnehmer des Gemetzels. Treppenwitz, wenn in deutschen Medien Figuren auftauchen, die erst dann über eine angebliche Ausweitung des Konfliktes faseln, wenn die israelische Luftwaffe gegen Raketenübergaben an die Hisbollah eingesetzt wird. Längst bedienen Russen Raketen, kämpfen iranische Truppen, Hisbollah Terroristen, Dschihadkrieger aus aller Herren Länder gegeneinander, liefert die Türkei den Rebellen Hinterland und Infrastrukur, dann und wann auch Artilleriebeschuss.

Das Schlaglicht aber, das der israelische Luftangriff und die letzten Erfolge des Regimes unter Einsatz der Hisbollah warf, beleuchtete mit einem Male grell den strategischen Hintergrund des Konfliktes, der zu einer völligen Veränderung der Kräftelandschaft führen könnte. Er ist auf das engste mit den iranischen Bombenträumen, den Fantasien der dortigen Herrscher von der Vernichtung Israels und dem möglichen amerikanischen oder israelischen Präventivschlag gegen die Bombenfabriken verknüpft.

Der Aufstand in Syrien schwächte den Iran anfangs massiv. Seine einzige glaubwürdige Möglichkeit, bei einem Angriff Vergeltung zu üben, sind seine Hilfstruppen im Libanon, die Hisbollahterroristen. Die Flugzeiten der eigenen Raketen dürften zu lang sein, um dem israelischen Abwehrsystem zu entgehen. Da die Versorgungslinien durch Syrien verlaufen, war es eine massive Schwächung, dass dort das Regime die Kontrolle mehr und mehr verlor. Wissend um ihre prekäre Lage, hat sich die Hisbollah aus allen Kämpfen mit Israel zuletzt herausgehalten, um keinen Gegenschlag vor der Zeit zu riskieren, der sie geschwächt hätte. Der einzige Anschlag, den sie beging, war der feige Mord in Bulgarien, was die Killer wohl als Antwort auf das immer wieder plötzliche Versterben von Bombenbastlern meinten.

Zynisch gesehen eröffnete der syrische Bürgerkrieg ein überraschendes Zeitfenster, die Atombombengefahr bei relativ geringem Potential des Irans, darauf zu reagieren, zu bereinigen. Israel hat dies bis heute nicht genutzt. Im Gegenteil, auch auf immer wiederkehrende Granatenattacken aus Syrien wurde sehr zurückhaltend reagiert. Das Fenster ist noch offen, jedoch scheint die Zeit nicht endlos zu sein. Das haben die Herrscher des Iran durchaus verstanden, weshalb mit zunehmendem Aufwand interveniert wurde, was vermutlich Assad bis heute überleben ließ. Die Mullahs können sich auf keinen Fall den Verlust der Verbindung zum Libanon leisten. Dann nämlich wäre der Libanon von seinen beiden Alpträumen befreit, dem schiitischen Staat im Staate wie dem syrischen Einfluss und hätte sich sogar entwickeln können, statt als Brückenkopf für die Träume von der Vernichtung Israels vegetieren zu müssen. Der Iran wäre weit von Israel abgetrennt, noch ohne A-Bombe ein großsprechender Papiertiger.

Es scheint, als hätten Assad und Hisbollah in den letzten Wochen kleine Schlachten gewonnen. Das muss im Gewirr dieses Krieges nicht viel heißen. Aber es ein Warnschuss, zu bedenken, was es hieße, Assad schlüge die Opposition am Ende wirklich. Vielleicht war er es vorher schon, inzwischen ist er es bestimmt: Eine Marionette des Iran, gänzlich abhängig geworden von jenen, die ihm dann den Hals gerettet hätten. Wer meint, aus seiner Abneigung gegen den Islam heraus seine Schwäche für Assad entdecken zu müssen, der möge sich darüber im Klaren sein, dass dahinter der finsterste Gottesstaat auf Erden steht, der das verwirklicht hat, von dem al-Qaida nur träumt. Bekäme Assad Syrien wieder unter Kontrolle, hätte der Iran nicht nur die Brücke zum Libanon wieder hergestellt, sondern ein Einflussgebiet, das sich wie eine Würgeschlange um Jordanien und Israel legte. Ausgerüstet mit vergleichsweise modernen Waffen und in der Lage, die Assadarmee kurzfristig wieder instand zu setzen. Gleichzeitig sind die Unosoldaten dabei, sich vertragswidrig flüchtend aus der entmilitarisierten Zone zwischen Israel und Syrien zurückzuziehen, weil es ihnen zu bleihaltig wird. Wie ein Regenschirm, den man nur dann behalten darf, wenn die Sonne scheint. Das würde die nahöstliche Welt vollständig ändern. Vordergründig wäre Israel damit bereits in der Zwickmühle, entweder zu warten, bis die Perser die Bombe fertig und damit die Fähigkeit hätten, ihre Träume von der zweiten Shoa zu verwirklichen (die nur der nicht sieht, der auch in der Hitlerzeit nicht drauf gekommen wäre, dass dieser die jüdischen Menschen leibhaftig ausrotten wollte) oder aber zu riskieren, einem Gegenschlag ausgesetzt zu sein, der erhebliche Verluste bringen würde. Die Wirklichkeit geht jedoch viel weiter. Der Iran hätte den Traum von der gemeinsamen Grenze mit Israel verwirklicht, damit die Möglichkeit gewonnen, Jordanien in die Zange zu nehmen, den Libanon vollständig zu kontrollieren und jederzeit einen konventionellen Angriffskrieg zu führen, einen Krieg den Israel zwar durch die Fähigkeiten seiner Luftwaffe zur Versorgungsunterbrechung noch immer gewinnen könnte, der aber angesichts der im ersten Golfkrieg gezeigten Bereitschaft des menschenverachtenden Mullahregimes, seine eigenen Soldaten in Massen in den Tod zu schicken, schmerzhafte Opfer in Israel mit seiner kleinen Bevölkerung kosten würde. Assads Sieg würde nicht die Situation vor dem Bürgerkrieg wieder herbeiführen, stattdessen die gesamte Situation der Region völlig ändern.

Gegen ein solches Szenario wäre ein Erfolg der Opposition selbst dann, wenn er ein fanatisches islamistisches Regime in Damaskus an die Macht brächte, das wesentlich kleinere Übel, denn es würde zwar Terrorismus verstärken, wäre aber von seinen Bewaffungsmöglichkeiten niemals in der Lage, eine existentielle Bedrohung zu sein.

Die syrische Tragödie hält nur schlechte Optionen offen, während täglich Menschen entsetzlich sterben. Das Töten macht das Leidenschaftslose schwer, die Unmöglichkeit angesichts der Lage, wirklich daran etwas ändern zu können, erzwingt es. Dass mediale “Nahostexperten” im deutschen Qualitätsfernsehen weder die von Anfang an bestehende Internationalisierung dieses Kampfes in den Vordergrund stellen, noch die tatsächliche iranische Gefahr auch nur erwähnen, lediglich vor Ausweitung warnen, wenn israelische Notwehrreaktionen auf kleinster Basis erfolgen, sagt viel über deren Mentalität aus.

Die weniger schlechte unter allen üblen Handlungsmöglichkeiten für den Westen wäre tatsächlich die Unterstützung der Opposition und die Bedingung, Schutzzonen für die Minderheiten zu erlauben. Wissend, dass dieses nur begrenzt funktionieren wird und die Waffen anschließend auch gegen die Zivilisation eingesetzt werden können. Man möge sich also überlegen, was man ihnen gibt. Sicher ist, was das Humanitäre betrifft, Assads Rache wäre durch nichts und von niemandem zu begrenzen.

Und ja, diese Realität ist trostlos.

Freud, Focus und die Sache mit der Überschrift

Freud schlug zu, ließe sich entschuldigend sagen, wäre es das erste Mal. Aber bei Focus-Online scheint es einen Überschriftenspezialisten zu geben, der seine Kreativität immer dann voll auslebt, wenn es um den Nahen Osten geht. Oder offener, um Israel, diesen störenden Staat der Juden, der penetrant auf seine Existenz pocht.

Im Jahre 2006 begann es mit der umwerfenden Formulierung “Israel droht mit Selbstverteidigung“, die inzwischen zum geflügelten Wort geworden ist. Dies stand über einem Artikel zum iranischen Wunsch, den Judenstaat mittels selbstgebastelter Atomwaffen auszulöschen und dessen nerviger Reaktion, das einfach verhindern zu wollen, ohne Otto Normalpazifisten dabei um seine Meinung zu fragen. Als der deutsche Journalismus im letzten Jahr ein Meisterstück lieferte, in dem er den Dauerbeschuss ziviler Ziele in Israel über Tage unterschlug, um beim israelischen Gegenschlag geballt aufzuschreien, war es wieder der Focus, der mit einer Überschrift nach dem Waffenstillstand das I-Tüpfelchen lieferte, diesmal hieß es:Weiter Raketen auf Israel, aber Waffenruhe hält vorerst” Allerdings der Peinlichkeit überführt, wurde dies, nachdem es zu öffentlich wurde, von Netz genommen. Aus den Augen, aus dem Sinn, mag die Redaktion sich gedacht haben, wo das Netzgedächnis doch unendlich ist.

Zum Wochenende kam der syrische Bürgerkrieg wieder in die Schlagzeilen. Nein, nicht weil dort bisher 70.000 Araber starben, tote Araber sind nur presserelevant, wenn sie im Zuge von selbst begonnenen Kampfhandlungen gegen Israel ihr Leben verlieren, sondern weil entweder Rebellen oder Regime Giftgas eingesetzt hatten, wo sich der Obama doch vorher aus Fenster gelehnt hatte, dass so etwas zu weit ginge. Und weil Israel davon unabhängig zwei Luftangriffe gegen Raketenlieferungen des Iran über Syrien an die Hisbollah erfolgreich flog. Das nämlich ist Assads Dank für die Mullahhilfe beim Menschenschlachten, modernste Raketen, vorgesehen zum Beschuss von Israel nach dem Tage X, an welchem das persische Bombenbasteln gewaltsam beendet würde. Da der Iran Israel, dank dessen Raketenabwehrtechnologie und den vergleichsweise langen Flugzeiten, nicht wirklich gefährlich werden kann, wäre zur Vergeltung die Hisbollah vorgesehen gewesen. Nur, seit dem Ghettoaufstand von Warschau wehren sich Juden. Dumm gelaufen. Wieder diese ärgerliche Sache mit der Selbstverteidigung.

Die Luftangriffe wären ein neuer Konflikt, als würde nicht seit drei Jahren in Syrien getötet, schwadronierte das Qualitätsmedium Heutejournal, der bedeutungsschwangere “Experte” faselte von Syriens Gegenschlag, als wäre die syrische Armee nicht längst verschlissen und schon mit dem Bürgerkrieg überfordert, als hätte sie nicht bereits die Kontrolle über das Vorfeld zur israelischen Grenze verloren. Propaganda oder Dummheit, egal. Halt GEZ finanziert.

Das konnte nur der Überschriftenfreak des Focus toppen. Er tat es. Mischte mal kurzzeitig beide Bürgerkriegsvorfälle in Syrien zusammen und schon war der wahre Giftgastäter ertappt:

Focus Überschrift

Die Juden waren es. Gott sei Dank hat uns Assads Besonnenheit vor weiteren Katastrophen bewahrt. Zugegeben, dazu fällt nicht mehr viel ein. Wenn man zugrunde legt, dass nicht Debilität Einstellungsvoraussetzung beim Focus ist, dann kann das nur perfide Bosheit sein. Oder aber, s.o. der gute alte Freud hat wieder zugeschlagen. Uns vor Augen geführt, wie es im deutschen Journalisten denkt. Ihn überführt. Denn pssst, Freud war Jude. Die Weltverschwörung lauert überall.

“Darf ich angesichts der Überschrift kurz nachfragen, ob ihr eigentlich noch ganz dicht seid oder alternativ, welcher Taliban das Kraut liefert, das ihr in der Redaktion zu rauchen bekommt?”

So mein Kommentar beim Focus. Nein, natürlich haben sie ihn nicht veröffentlicht, wer hätte auch Humor vermutet. Aber eine halbe Stunde später wechselten sie still die Überschrift aus.

Eine Entschuldigung an Israel? Nie im Leben, das tut ein deutscher Journalist nicht. Warten wir also getrost auf die nächste Focusüberschrift.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Ken Jebsen dreht durch

Jürgen Elsässer, Freunden der gepflegten Verschwörungstheorie, Antisemiten aller Couleur, Amerikahassern, dem Kopp-Verlag und Achgut-Lesern ist er ein echter Begriff, Ken Jebsen, der sich KenFM nennt, der jahrelang unbemerkt mit Geldern des Zwangspay-TV’s beim RBB sein Unwesen trieb, wahrscheinlich weil er wusste, wer den Holocaust erfunden hat, weniger seiner Rechtschreib- und Grammatikkenntnisse wegen, sein Mailwechsel mit Henryk Broder ist legendär. Das mit dem Holocaust war wohl selbst brandenburgischen Öffentlich-rechtlichen eine Nummer zu irre, weshalb er seinen Sendeplatz räumen musste und seither auf eigenen Kanälen und beim Koppverlag seine Fangemeinde mit sich steigernden Ausbrüchen befriedigt. Hinter allem Unglück der Welt stecken die USA und die Juden, der Iran ist ein armes Opfer finsterer Machenschaften, eine Prise 9/11 Truthing darf natürlich gleichfalls nicht fehlen; kein Vorurteil gegen diese Art des Wahnsinns kann sich das erdenken, was unser Ken zum Besten gibt. Und wahrlich, Deutschland ist voll von dankbaren Abnehmern. Das Geniale an ihm ist, dass man nicht mehr weiß, ob er eigentlich rechts- oder linksradikal ist, er ist eine Art lebendiger Katalysator des Antisemitismus, dem es spielend gelingt, Judenhasser aller Richtungen friedlich hinter sich zu vereinen. Passend dazu hat er auch beschlossen, Politiker zu werden und trat wohl kürzlich der Piratenpartei bei.

Ken ist allerdings etwas unglücklich, nicht mehr am prallen Euter der GEZ gesäugt zu werden und etwas an Reichweite eingebüßt zu haben. Das bedurfte der Kompensation, weshalb er sich an die ihm einzig adäquat scheinende Stelle der Bundesrepublik wandte, damit endlich jemand auf Augenhöhe mit ihm spricht. Angela Merkel bekam Post. Nur gerecht, soll auch sie einmal die unmittelbare Konfrontation mit der Welt des neudeutschen Politwahns genießen dürfen. Man könnte ihn als eine Art Pausenclown der Verschwörungsesoteriker abtun, wäre er nicht so exemplarisch und machte es nicht so fassungslos, wie viele eingeschworene Anhänger sich hinter ihm sammeln. Übrigens nach Polenz noch einer, der eine Erwähnung in einer hypothetischen Fortsetzung von Tuvia Tenenboms Deutschlandbeschreibung verdient hätte.

Man ahnt es schon, Mutti hat weder geantwortet, noch ihre Politik geändert. Dabei tröstet es den Ken nicht einmal, dass sie das auch bei ernstzunehmenden Parteifreunden eher nicht macht, vielmehr packt ihn die Wut und er wendet sich dem Ursprung seines Unglücks zu. Henryk M. Broder, dem er seine Prominenz verdankt und den er nicht ganz zu Unrecht dafür verantwortlich macht, dass nicht nur jeder weiß, dass er nicht schreiben kann, sondern auch beim RBB nicht mehr den Äther vollsülzen darf. Tobias Raff hat netter Weise eine Mail veröffentlicht, die er zugespielt bekam, von Ken an Broder. Das liest sich lustig, weil er aus seinem Herzen keine Mördergrube macht, nur sein Aufruf zum Springerboykott kommt ein halbes Jahrhundert zu spät und wird die deutsche Presselandschaft nicht wirklich ändern.

Eines allerdings ist weniger heiter. Der Schlusssatz, der es verdient bekannt gemacht zu werden:

“Sehr geehrter Herr H&M Breivik, sie sind dabei, eine rote Linie zu übertreten. Dieses Spiel könnte ungewohnt für Sie sein, das es leicht komplett aus dem Ruder läuft. Als ihr unentgeltlicher Berater in Fragen des digitalen Marketings rate ich Ihnen, denken Sie darüber nach, ob Sie die Erfindung des Internets und das, was man soziale Netzwerke nennt, nicht völlig falsch einschätzen. Soziale Netzwerke reagieren mitunter wie ein Hurrikan, wenn asoziale Typen wie Sie versuchen um jeden Preis Stress zu machen.
Wie dieses Experiment ausgeht? Lassen wir es darauf ankommen. Die Zeit ist reif, dass Leuten wie ihnen die Möglichkeit entzogen wird, ihren ganz persönlichen Hass zu verbreiten, ohne dass die, die es betrifft, sich dagegen wehren können.
Mit wem legen Sie sich an? Mit der Community. Wir sind viele. Sehr viele und wir haben Typen Sie satt.”

Man kann natürlich mit Recht sagen, diese Möchtegernmafiasprache machte die Witzfigur nur noch lächerlicher. Doch verkennt man da seine Anhängerschar, insbesondere aus islamistischen Milieus. Und so dumm ist nicht einmal KenFM, dass ihm nicht bewusst wäre, dass sich seine Sätze weniger an ihren Adressaten richten, als an genau diese Freunde seines Geschwurbels. Darunter allerdings könnte es welche geben, denen etwas die Bremse fehlt, mir fällt da dieser Islamist ein, der glaubte, es wäre gottgefällig, während einer Demo auf einen Polizisten einzustechen.

Broder hat genug Feinde vom Nazi bis zum Salafisten, um sich auch ohne KenFM ab und an einmal mehr als notwendig umzudrehen. Es ist naive Selbstüberschätzung, wenn ein Würstchen glaubt, ihn einschüchtern zu können. Aber wissen, wohin der Hass Menschen führen kann, welche Aggressionsbereitschaft zur Unterdrückung von Kritikern in ihnen steckt, sollte man schon. sollte man schon. Die USA, Israel und Springer, das ist die Troika, die die wildesten Gewaltfantasien hervorruft. Hatten wir schon mal, oder?

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Der kleine Unterschied

Und es gibt ihn doch. Den deutschen Antisemiten außerhalb von NPD und Kameradschaften. Claudia Roth hat ihn entdeckt. Er hört auf den Namen Bushido, verdient seine Brötchen durch Lärmgesang auf dem Sprachniveau der RTL-Nachmittage, ist nebenher burdazertifizierter Integrationsexperte. Unglücklicherweise jedoch kann er auch twittern und das tat er kürzlich mit einer eigenwilligen Landkarte, die einen Staat Palästina auf dem Territorium Israels zeigte.

Nun sagt einem die Logik, dass es zur Erreichung dieses Zieles der Vernichtung des Staates Israel bedarf, was ausnahmsweise auch die erkannten, die sonst Partnerschaften mit der Fatah pflegen, deren ausdrückliches Ziel, allen anderslautenden Gerüchten entgegen, eben jene Vernichtung ist oder nach gemäßigten Hamasniks suchen. Der Raprüpel mutierte flugs ob seiner Lust am Ausradieren zum idealen Antiaugstein. Haltet Bushido, den unrasierten Antisemiten, gewissermaßen, dann sieht man, dass der gebildete junge Mann im Anzug ganz anders ist. Besonders augenfällig dabei der Facebookabgeordnete Polenz mit seinem virtuellen Fanclub der unnachahmlichen Mischung aus Freunden der umbenannten SED, Islamfans aller Schattierungen und sonstigen Israelhassern. Sich gerade noch zu seiner Solidarität mit Augstein bekennend, erkannte er bei Bushido die Grenzen. Ein Skandal, erfuhr die Bild vom ihm, dass der Sangesfreund das Existenzrecht Israels in Frage stelle.

Bevor nun einer den Unterschied zwischen Augstein und Bushido in der Kleidung oder der Primitivartikulation suchte, gar einen versteckten Rassismus bei Polenz und der Betroffenheitsclaudia vermutete, ließe sich der Versuch unternehmen, den entscheidenden inhaltlichen Punkt zu finden.

Mit welchen Worten war Polenz noch zur Verteidigung Augsteins in einem Facebookkommentar in die Offensive gegangen? “Kritisiert wurde Broder, weil er Augstein einen Antisemiten genannt hat. Das ist angesichts der deutschen Geschichte so ziemlich der schlimmste politische Vorwurf, den man jemandem machen kann. Broder geht mit diesem Vorwurf außerordentlich freigiebig um”. Dies muss man sich schon mehrfach auf der Zunge zergehen lassen, weshalb Alan Posener im selben Thread konterte, weil die Deutschen ein paar Millionen Juden umgebracht hätten, dürfe nach Polenz Logik heute keinem Deutschen vorgeworfen werden, Antisemit zu sein. Wollte also man immun gegen den Vorwurf des Antisemitismus werden, sollte man sich eine Nazi-Vergangenheit anschaffen. Bei Engländern oder Franzosen wäre das, folgte man diesen kruden Gedankengängen, anders.

Da liegt der deutsche Hund begraben. Deutschland hat einfach den Antisemitismus in bislang unerreichte Größenordnung getrieben. Den hiesigen Maßstab, was Antisemitismus ausmacht, haben die Nazis gesetzt. Wie praktisch, sagt sich der gemeine Israelkritiker und bastelt eine grotesk unsinnige Kausalkette, die in Deutschland nur auf Begeisterung stoßen kann. Wer Antisemit ist, will Juden ermorden und ist damit Nazi. Juden gleich morden will er natürlich nicht, Nazi ist er auch nicht, daher kann er kein Antisemit sein. Das durchzieht zwischen den Zeilen fast alle Augsteinverteidiger, nur hat es keiner derart offen wie Polenz ausgesprochen.

Augstein verleumdet Israel, ausgerechnet von Deniz Yücel in der TAZ noch einmal treffend dargestellt, spielt mit alten antijüdischen Stereotypen, versucht durch den Einfluss des Spiegels Waffenlieferungen zur Selbstverteidigung zu unterbinden, nennt den einzigen Staat des Vorderen Orients, in dem Araber in einem stabilen demokratischen Rechtsstaat leben, einen Apartheitsstaat, tut alles um das Ansehen Israels zu untergraben, um die Bereitschaft Deutschlands für dessen Existenz einzustehen, immer weiter zu verringern. Er erfüllt seine Aufgabe, die zu unterstützen, die Israel von der Erde tilgen wollen, ob sie Hamas oder Fatah heißen. Aber er spricht es nicht aus, das böse Wort Vernichtung. Wer aber in diesem Land nicht ausdrücklich ausrotten ruft, kann nach den umwerfenden polenzschen Regeln nicht Antisemit sein. Bushido hat das nicht gerafft, seine Grafik setzt offen die Beseitigung des jüdischen Staates voraus. Also schließt die Claudia messerscharf, da ist er, der Antisemit. Dumm gelaufen für ihn. Eigentlich ganz einfach. Es hat eben seine Besonderheiten, Deutscher zu sein.

Darum war das mit der Integration noch nicht ganz perfekt. Dank der Naziverbrechen darf man zwar Israel verleumden, allen Lügen, Vorurteilen freien Lauf lassen und das legitime Israelkritik nennen, aber das Fordern der Auslöschung selber überlässt man getrost seinen nahöstlichen Teegesellschaften, Kooperationspartnern und sonstigen Freunden, für die man hier das Feld bestellt. Der Bambi kam einen Tick verfrüht für Bushido. Aber es lässt sich ja nachholen. Vom Augstein lernen, heißt sich richtig integrieren lernen.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Die Broderverschwörung

Neulich, das heißt ungefähr vor einem Jahr, schrieb Henryk M. Broder ein Buch, in dem er seine ungeliebten Thesen zum Verhältnis gar nicht weniger deutscher Zeitgenossen zu Israel und den Juden darstellte, was seine Beliebtheit außerhalb der Fangemeinde nicht übermäßig steigerte. Das dürfte ihm eher Vergnügen gewesen sein wird, seine These allerdings wurde auf das Heftigste bestritten. Sie lautet in der laienhaften Kurzkurzfassung, der gemeine Deutsche hätte, was verständlich ist, einen shoabedingten schweren Judenkomplex, den er, was völlig unverständlich ist, einerseits durch eine regelrechte Trauerkultur gegenüber den toten Juden kompensierte, andererseits durch obsessive, meist sachlich in jeder Hinsicht unbegründete Kritik am Staate Israel und seinen jüdischen Bewohnern auslebte, wodurch er, bis zu geschmacklosen Nazivergleichen, sich die gefühlte ererbte Schuld verringerte. Am Ende gar würde er sich über die Nachfahren der Opfer erheben, weil er ja, mit Friedensdemos und Denkmälern, etwas aus der Vergangenheit gelernt hätte, diese üblen Israelis hingegen unbelehrbar bewaffnet gegen die Ausrotter von morgen vorgingen.

Gut Schönsprechen geht anders, ist nur ohnehin nicht des Broders Sache. Folglich brach eine Welle der Kritik und Widerlegungsversuche auf ihn ein, selbst bedeutungslose Gegenwartsautoren konnten es nicht lassen. Nein, so sind wir Deutschen nicht, wir haben gar keinen Judenknacks, wir kritisieren nur Regierungen. Es hätte sich unendlich weiter streiten lassen können.

Wahrscheinlich aber begab es sich zur Vorweihnachtszeit, dass Broder eine finstere Idee bekam, wie er den Christen die Feststimmung verhageln könnte. Ein Feldversuch musste her. Wie ließe sich etwas exemplarischer den Menschen vor Augen führen, als wenn man ihre Medienelite dazu brächte, unfreiwillig selbigen Judenknacks zu bestätigen? Gedacht getan, so wird es gewesen sein, nahm er Kontakt zu Efraim Zuroff auf, vom Wiesenthalinstitut, das ist bei Weltjudens bestimmt total einfach. “Du Efraim”, könnte er gesagt haben, “ihr habt da doch Eure Antisemitismusliste, diesen Denkanstoß, den keiner bekommen möchte, weshalb sie noch nie jemanden interessiert hat. Ich hätte da ein Geschäft (Juden müssen immer Geschäfte machen, ist allgemein bekannt und keineswegs antisemitisch, höchstens kapitalismuskritisch). Ich führe den deutschen Journalismus vor, sage Dir wen Du darauf setzen musst und Du bekommst Berichterstattung wie nie zuvor”. Wer könnte da nein sagen, der Efraim nicht, besonders da der Name, den Broder ihm da flüsterte, glänzend auf die Liste passte, war es doch nicht einmal ein simpler Israelkritiker, sondern ein selbstgefälliger Salonzündler mit Spaß am Spiel mit platten alten Stereotypen.

Er erreichte Platz 9, der Jakob, wie letztes Jahr Hermann Dierkes von der SED seine Platzierung bekam, sorry, Linke nennen die sich jetzt. Das Experiment konnte beginnen. Und während sich der vergessene rote Hermann still in Schlaf weinte, weil ihn vor Jahresfrist keiner erwähnte, erfüllten sich die Träume des Henryk B. Sie konnten nicht widerstehen. Ob rot ob schwarz, ob blond ob braun, wo ein gebildeter junger Kollege einfach anitsemitische Texte verfasst haben sollte, musste die deutsche Medienempörung überkochen. Böse Zungen nannten das auch die Volksgemeinschaft, richtig böse den Volkskörper. Vom Tagesspiegel über die Tagesschau, die unvemeidlichen Frankfurter Rundschau, die Zeit, die taz; Spiegel Online verstand sich von selbst. Es grauste der FAZ, bitter flennten Martenstein und Fleischhauer. Nebenher auch Jörg Lau, Matthias Matussek und viele mehr. Selbst der Zentralrat der Juden mit Salomon Korn als Vortänzer fühlte sich berufen, flugs abzuwiegeln. Schlauerweise kam keiner auch nur ansatzweise auf die Idee, irgendwas von Augstein zu zitieren, Korn hingegen mit der entwaffnenden Ehrlichkeit, kaum je etwas vom Autor gelesen zu haben, aber alle behaupteten genau zu wissen, dass es die böse Rache für ganz legitime “Israelkritik” wäre und der feine Herr A. mit den Literatenvätern nie im Leben was Antisemitisches schreiben könnte. Dass das Unfug ist, was jeder nachlesen kann, störte naturgemäß eher nicht. Im Gegenteil wollte das gewiss auch keiner wissen, denn die Empörung wäre glatt nur halb so schön gewesen,

Was lernen wir? Broder hat immer recht. Zuroff hat für seine kleine Jahresanfangsprovokation, die realistisch gesehen ziemlich unwichtig ist und die noch nie Wiederhall in der Medienwelt fand, dann ein Riesenpublikum, wenn er den Richtigen auf die Liste setzt. Den Theo, nein angeblichen Israelkritiker in uns allen. Es sticht ins deutsche Herz, trifft den Judenknacks. Wir lassen uns unsere Israelkritik nicht madig machen, egal ob die im konkreten Fall überhaupt gemeint ist oder nicht. Nein, nein, nein! Da stampfen wir mit den Füßen und sind für eine Woche alle Augstein. Versuch gelungen. Pawlow lässt grüßen. Das kann nur eine hinterlistige Verschwörung gewesen sein, auf die die dummen Deutschen richtig reingefallen sind.

In jüdischen Hirnen erdacht, versteht sich.

Eines spricht dagegen. So gelungen es gewesen wäre, was nützt der beste Weckruf, wenn die, die ihn wahrnehmen sollen, taub sind. Denn die unheilbar gesunde deutsche Welt (auch so ein Broderschnack) findet das alles normal. Das einzige, was ihr dazu einfällt, ist eine neue Facebook Seite: Schiebt Broder nach Israel ab! Das wird auch Zeit. Hätte es die Verschwörung gegeben, sie wäre vorhersehbar sinnlos gewesen. Schade eigentlich.

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Einige Presselinks wurden bei Lizas Welt geklaut, Redewendungen auch bei Otto Waalkes. Es soll alles seine deutsche Ordnung haben.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Offene Notiz für Julia Klöckner

Der Antisemitismus-Vorwurf gegen Augstein ist auch nach Ansicht von CDU-Politikerin Klöckner ungerechtfertigt. “Wenn jemand in einer freien Gesellschaft Regierungen kritisiert, ist das sein gutes Recht”, sagte Klöckner an diesem Donnerstag. “Wenn man daraus Antisemitismus ableitet, dann ist das sehr gewagt.”

Stand bei Spiegel-Online.

Sollte das nicht stimmen und Sie heute dementieren, sehr geehrte Frau Klöckner, machten Sie mich glücklich und vergessen Sie dann einfach, was jetzt folgt.

Also:

Hallo Frau Klöckner,

das Gute zuerst. Seit gestern weiß ich, dass meine geliebte Partei eine stv. Vorsitzende namens Julia Klöckner hat. Herzlichen Glückwunsch. Und immerhin haben Sie es sogar auf die Seiten von Spiegel-Online gebracht. Ist doch was.

Weiterhin das Beruhigende. Das besteht darin, dass stv. Bundesvorsitzende der CDU nur in den geringsten Fällen in der Vergangenheit, ich bin seit 1977 in der CDU, etwas zu sagen hatten. Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Und in Zeiten, da Mutti eh alles bestimmt und eine politisch diskutierende Partei nicht wirklich gefragt ist, ohnehin nicht. Daher kann ich mich beruhigt nach dem Auskotzen dieser Zeilen wieder hinlegen.

Beim allem anderen allerdings beginnt es zu gruseln. “Wenn jemand in einer freien Gesellschaft Regierungen kritisiert, ist das sein gutes Recht” Stimmt auffallend. Das ist gewissermaßen ein Inhalt der freien Gesellschaft, Sie haben es mit vollendetem Scharfsinn durchschaut. Das mit der freien Gesellschaft geht jedoch noch viel weiter. Man darf nämliche alles kritisieren, Schwaben in Berlin, die Preise des Pfälzer Weins, sinnfreie Äußerungen stv. Parteivorsitzender und man glaubt es kaum, sogar antisemitische Journalisten. Ist eine ganz tolle Sache, so eine freie Gesellschaft.

“Wenn man daraus Antisemitismus ableitet, dann ist das sehr gewagt.” Was wollen uns diese Zeilen sagen? Klar, in diesem Land, in dem der Antisemitismus erfolgreich mit bedingungsloser Kapitulation am 08.05.1945  um 23:01 Uhr abgeschafft wurde, kann es den gar nicht mehr geben, weshalb es ungemein gewagt wäre, das Gegenteil zu behaupten. Aber angenommen, es wagte jetzt doch einer, dieser Jude Broder zum Beispiel oder der Zuroff. Dann müßte er einen Bezug haben. Sie behaupten, es läge an der Kritik Augsteins an “Regierungen”. Unterstellen wir, das wäre so, was blühender Unfug ist, aber dazu weiter unten, dann folgern Sie, dass Kritik an Regierungen deshalb nicht antisemitisch sein könnte, weil die freie Gesellschaft sie zulässt? Vielleicht sollten Sie das mehrfach nachlesen, wer weiß, eventuell gelingt es dann sogar, die vollständige inhaltliche Unsinnigkeit dieser Aussage zu erkennen. Aber falls nicht, helfe ich gern auf die Sprünge. Freie Gesellschaften erlauben Antisemitismus, wenn er nicht volksverhetzend ist. Antisemitismus, verehrte Frau Klöckner, beginnt nämlich nicht erst auf der Rampe, auch wenn unsere Vorfahren mit der Gaskammer im Krematorium da unerreichte Maßstäbe gesetzt haben. Er ist etwas völlig Alltägliches und nur weil die Freiheit des Wortes ihn erlaubt, ist es nicht verboten, ihn auch als solchen zu bezeichnen. Was haben wir gelernt? Ist zwar eine tolle Sache, so eine freie Gesellschaft, aber manchmal richtig kompliziert. Besonders wenn eine verständliche und stimmige Aussage dabei herauskommen soll. Ich gebe zu, man läuft immer Gefahr, diese Fähigkeit im Rahmen der Parteisozialisation zu verlieren. Aber glauben Sie mir, lernen Sie es einfach wieder, kommt beim Wähler gut an. Versprochen.

Soweit so schlecht. Aber zwei sinnvoll miteinander verknüpfte Sätze sind schon anstrengend und vielleicht sollte man sie nicht einfach voraussetzen und Ihnen den völlig missglückten Versuch gemein um die Ohren hauen. Was ich aber nun unverschämter Weise wirklich bei einer stv. Bundesvorsitzenden voraussetze, ist die Fähigkeit des Lesens und der Sinnentnahme. Da enttäuschen Sie mich. Ihre einzige Entschuldigung wäre, nie etwas von Jakob Augstein zum Thema gelesen zu haben. Wäre aber auch Bullshit, warum äußerten Sie sich dann dazu? (Weil SPON anrief und Sie sich geschmeichelt fühlten, ich ahne es).

Das Dumme ist nämlich, kein Mensch hat Jakob Augstein einen Antisemiten genannt, weil er “Regierungen” kritisiert hätte. Btw. warum eigentlich drücken Sie sich derart gewunden aus, haben Sie ein Problem damit, die Worte israelische Regierung in den Mund zu nehmen? Dürfen Sie, die beiden Worte zusammen sind per se nicht antisemitisch. Bestimmt. Aber auch wegen einer Kritik an der israelischen Regierung hat der Walsersohn seinen Preis nicht bekommen. Selbst wenn diese unter dem Begriff Israelkritik bekannte Modeerscheinung schon die Befassung lohnt, besteht sie doch in dieser Form meist nicht aus legitimer Kritik an für falsch gehaltener Regierungspolitik, sondern bewusster Nachrichtenunterdrückung, Falschdarstellung und Diffamierung, gepaart mit obsessiver Verengung der Weltsicht auf ein hessengroßes Land im Nahen Osten. Doch für die Antisemiten TOP TEN hätte das nicht gereicht. Sonst wäre am Ende noch unser gemeinsamer Parteifreund Polenz dabei gewesen, Gott behüte.

Hätten Sie Augstein gelesen oder könnten Sie Gelesenes auch verstehen, dann hätte Ihnen auffallen müssen, dass Jakob Augstein völlig ungeniert und nahezu platt immer wieder primitive antisemitische Stereotype verwendet, durchaus in der Absicht, das deutsche Bauchgefühl zu wecken. Zwei exemplarische Aussagen will ich versuchen, Ihnen darzustellen.

Da war die Sache mit der Grassdebatte. Dieses gekonnte Machwerk, in dem der Greis mit Waffen-SS Jugend auf perfide Weise die Juden gleich zur Gefahr für den Weltfrieden stempelte, klang ja etwas wie Weltjudentum, Täter und Opfer umkehrte, um dann die alten Wiedergutmachungsängste im deutschen Volkskörper zu wecken, durch Hinweis auf die U-Boote. Daran hängte sich Jakob Augstein. Aber weniger verschlüsselt als der Grass. Als hätte jener das Steinchen in den Teich geworfen und die Reaktion darauf ermutigt, einen zweiten Versuch in ungeschminkterer Form zu wagen. Augstein setzte sich an die Spitze und seine Kommentierung der zuvor im Spiegel aufgewärmten U-Bootstory ließ keine Demaskierungswünsche offen. Hatte die Reaktion auf den Artikel gezeigt, dass allein “friedensgefährdende U-Bootlieferungen” doch nur Aufreger beim geneigten Ökopax hervorrufen, machte Augstein es jetzt ganz vulgär, dass man auf den ersten Blick an Satire glauben konnte. Für die deutschen Subventionen fürs U-Boot (übrigens damit auch für die eigene Werftindustrie), suggerierte er, wäre Geld vorhanden, sofern die Juden danach riefen, was dann den armen Schleckerfrauen zur Auffanggesellschaft fehlte. Die inhaltliche Zusammenhanglosigkeit wird ihm aufgefallen sein, nur darauf kam es nicht an, wichtig war eines, auf diese Weise wurden die darauf gestoßen, denen die U-Bootlieferungen solange egal waren, bis Deutschland nicht wieder finanzielle Hilfen an Israel leistete. Das gute alte Wiedergutmachungslamentieren galt es erneut zu provozieren, dass es jetzt selbst der Dümmste raffen musste. Augsteins Anliegen war schlicht, Israelfeinde aller politischen Richtungen gemeinsam mit dem guten alten Antisemiten unter einen Hut zu bringen. Ich erkenne da keine Regierungskritik.

Beispiel zwei. Antisemitismus hat eine Menge mit Verschwörungstheorien zu tun. Sie erinnern sich vielleicht, die Weisen von Zion gab es da mal oder 9/11 Truther, wenn sie behaupten, die Juden hätten das WTC vor dem Einschlag verlassen. Sicher erinnern Sie sich daran, dass kürzlich in Bengasi ein al-Qaida Kommando den amerikanischen Botschafter ermordete und in Khartum unsere Botschaft abgefackelt wurde. Zur Begründung wurde ein lächerliches Filmchen herangezogen, das in den Wüsten wohl täglich auf Youtube zu sehen war. Jakob Augstein hingegen verbreitete seine recht eigenwillige Version: „Kann man sich vorstellen, dass der kriminelle Kopte, der sich das vermutlich im Gefängnis ausdachte, und seine Crew ohne ihr Wissen dafür missbrauchte, in anderem als im eigenen Auftrag handelte? Zumindest traut man den Fundamentalisten im Lager der US-Republikaner und in der israelischen Regierung zu, die unerwartete Schützenhilfe politisch auszunutzen – was sie auch tun.“ Klar, schreibt Augstein nicht, der Jude ist schuld, dermaßen dumm ist er nun auch nicht, nein, diesen Schluss überlässt er voll und ganz dem Leser, doch man muss wirklich den Kopf woanders hin gewendet haben, um das nicht dem Text entnommen zu haben; die jüdischen Verschwörer samt CIA als Drahtzieher. Blödsinn darüber hinaus, weil die vorhersehbare Folge der Botschaftsmorde eher der feige Rückzug des Westens war und nur Nachteile für Israel brachte, denn die Leisetreterei ist voll in den Trend geraten. Wirklich, der antisemitische Klassiker schlechthin. So offensichtlich, dass es einem schon dusselig vorkommt, es dezidiert auszuführen. Als Broder an der Stelle ausrastete, hat Augstein mit gutem Grund den Rechtsweg gescheut.

Das habe ich alles noch bei mir selber geklaut. Hier, hier und hier. Es gibt auch Berufenere, bei denen Sie hervorragend sehr viel mehr nachlesen können, jene deutlichen Unterschiede zwischen Regierungskritik und Antisemitismus à la Augstein. Broder selbst hat die Mühe nicht gescheut, es ausführlich zu tun. Falls der Ihnen zu jüdisch ist, Sie ihn befangen finden, nehmen Sie Reiner Trampert. Altlinksaußen, in der gesamten Debatte völlig außen vor. Seine Darstellung ist eine Detailarbeit, die Sie gern widerlegen dürfen, falls Sie Ihre Äußerungen gegenüber SPON aufrecht erhalten wollen.

Meinen Respekt allerdings hätten Sie, wenn Sie sich entschuldigen würden. Für den Mist, den Sie da verzapft haben. Nicht, dass auch Sie noch zu den heimlichen Trägern des guten Gewissens zu zählen wären, die sich ertappt fühlten.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Schönen Freitag noch.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne, weiterhin bei Brüh-im-Lichte.

Herrchens Gescherrchen

Deutschlands Stellung in der Welt zu behaupten ist eine echte Aufgabe. Wer ist zuständig? Klar, Mutti, der Guido, das Auswärtige Amt und damit alles seine demokratische Ordnung hat natürlich auch der Auswärtige Ausschuss des Deutschen Bundestags. Das ist okay, denn, wer will es leugnen, einen stressigen Job machen die da alle.

Zum Beispiel mit dem Euro ist das so eine Sache, der geht nämlich baden, am liebsten im Mittelmeer, weshalb uns die Griechen nicht mehr leiden mögen, weil wir die zwar finanzieren, aber um die Eurobündel keine roten Schleifchen nett drapieren, obwohl Weihnachten ist und die Verkäuferinnen bei Douglas das immer recht hübsch machen. Aber Mutti eben nicht. Dann wäre da die Deutsche Bundeswehr. Die führt zwar der de Maizière, aber wo die kämpfen gehen, ist natürlich Außenpolitik. Zur Zeit in Afghanistan, wo die Frage zu klären wäre, ob die Jungs da einfach wieder raus gehen sollen, die Menschen den Taliban ausliefern und die Gefallenen sich völlig sinnlos vorher von denen haben totschießen lassen, während der Guido sie gern nach Mali schicken möchte, weil diese Salafisten nicht nur dann unfreundlich werden, wenn sie bei Youtube Videos gucken, sondern Handabhacken, Steinigen usw. gerade nach Timbuktu exportieren. In Afrika ist überhaupt, guckt man näher hin, eine Menge los, von den Piraten, den richtigen, nicht den mit den Gesundheitslatschen bei Twitter, ganz abgesehen, das könnte die deutsche Außenpolitik nicht nur dann entdecken, wenn gerade die Botschaft in Khartum abgefackelt wird. Der Amipräsident kommt nie vorbei, guckt immer nach Asien, weil er glaubt, dort spielte die Musik, Europa wäre out, ist besonders ärgerlich, weil er Recht hat. Manchmal betreiben Abgeordnete auf eigene Faust Politik, wie der Hinterbänkler Thomas Feist, der die Mullahs eine Runde besuchen und aufwerten ging, vielleicht um ein paar Embargoumgehungstipps zu geben, unser Außenminister darf da nicht hin und will bestimmt auch nicht, weil ihm dort beim Anblick von Baukränen immer ein unangenehmes Ziehen im Nacken beschleichen würde. Achja, der Erdogan, der gern möchte, dass die Islamisten in Syrien künftig die Minderheiten massakrieren und nicht mehr Assad die Mehrheitsbevölkerung, der kriegt jetzt deutsche Patriots, samt Soldaten, zum Träumen vom Neoosmanismus mit des Kaisers Nachfolgearmee.

Bestimmt eine Menge anderes noch. Viel zu tun. Auch für unseren Lieblingsabgeordneten Polenz. Der ist bekanntlich noch Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, hatte sich mal am obigen Afghanistanproblem versucht, indem er gemäßigte Taliban entdeckte und mit ihnen in der Schweiz vor Jahresfrist Tee trinken ging, wobei gemäßigte Taliban sind vermutlich die, die immer bunte Steine beim Köpfewerfen verwenden lassen. Von den Taliban ist er mittlerweile runter, er macht wieder auf Judenobsesssion bei Facebook, kann er zweifellos am besten, Israel ist an allem Schuld, verlinkt was dazu und seine gemischt islamistisch und linke Fantruppe kommentiert. Der Mann ist in der CDU? Angeblich schon, aber erfreulicher Weise bald aus dem Verkehr gezogen.

Letztes Jahr hatte er das Highlight deutscher Außenpolitik in einem 15 Kinder Waldorfkindergarten in Israel ausgemacht, wo angeblich kleine Beduinen herzallerliebst mit kleinen Juden spielen, was denen echt gegönnt sei, aber nicht unbedingt den Nahostkonflikt löst. Dabei sich mit einer eher kuriosen Figur namens Irena Wachendorff gemein gemacht, die falls es jemand erinnert, zwar Israel nicht mochte, sich aber dafür eine komplett erlogene jüdische Biografie ausdachte und damit hausieren ging, was der Polenz so toll fand, dass er jeden Zweifel am liebsten gerichtlich verboten hätte. Nachdem die Tante verdientermaßen entlarvt war, der Polenz düpiert das zu ignorieren suchte, Entschuldigungen sind nicht sein Ding, sich krampfhaft einem neuen Thema widmete, wie schränken wir die Meinungsfreiheit zugunsten der Salafisten ein zum Beispiel, gibt es spaßeshalber bei Facebook eine Seite, auf der darauf geachtet wird, wann die schwer geltungssüchtige Wachendorff sich wieder mit ihren Geschichten aus der Deckung wagt und amüsiert feststellt, dass die Sache mit der erfundenen Judenbiografie gar nicht selten vorkommt.

Nun hat allerdings die Wachendorff noch treue Fans. Siehe da, sogar in der schwer arbeitenden Mitarbeiterschaft der deutschen Außenpolitik. Zugegeben, wie oben dargestellt gibt es viele Probleme, aber wahrlich gewichtig, besonders während der Arbeitszeit am Mittag und Nachmittag ist doch der längst geklärte Wachendorff Fall. Soviel Zeit muss sein, dachte Jutta Leiendecker, loggte bei Facebook ein, ließ sich ganz undiplomatisch das Hirn mit Adrenalin fluten und legte los:

Wer anders denkt ist mal braun, mal Arschloch, ist dämlich, hat ein aufgeweichtes Gehirn, auf Texte wird geschissen, statt dass sie sich vor Angst in die Hosen machte und zum Abschied ein leises Fuck off. Gut, Facebook ist kein Kniggelehrgang, auch wenn der Zuckerberg das gern hätte, es sei der Frau verziehen, schließlich, wie schrieb sie, „wir geben nicht auf“ und „uns kriegen sie nicht klein“. Da vermutlich nicht vier alle gemeint sind, ist es wohl die verschworene Gemeinschaft des wachendorffschen Volkssturms, die zum Endsieg bläst und wer der angehört, der muss einfach seine Diktion der Aufgabe anpassen. Was das jetzt alles mit der Außenpolitik und ihrem parlamentarischen Ausschuss zu tun hat? Ein Fiesling schaute nach, er entdeckte: Walküre Jutta ist hauptberuflich nichts weniger als die Erstsekretärin (klingt fatal nach erstem Sekretär, aber das war eine andere Geschichte) des Ausschusses und Vorzimmer des Sekretariatsleiters. Die eben auf Kosten des Steuerzahlers ihre angesichts der Probleme sicher eher knapp bemessene Arbeitskraft heute den wirklich wichtigen Dingen des Lebens widmete, in der einzigen Welt die zählt – Facebook. Wollten wir nicht immer schon einmal wissen, wie sich der Sprachstil der Diplomatie im internen Kreise anhört?

Gefunden hatte man die Dame hier: Wie, Sie lesen bei diesem Link gar nichts mehr von Jutta Leiendecker? Überraschung. Man glaubt es kaum, Verwaltung kann schnell arbeiten, wenns um die eigene Haut geht. Kaum waren ein paar Stunden vergangen, da hatte vermutlich die EDV-Abteilung des Deutschen Bundestages ran müssen. Schwupp war sie weg, unter Kontakt, die Erstsekretärin. Heute hatte die Verwaltung der deutschen Außenpolitik richtig zu tun.

Aber der Netzgott ist böse und vergisst nichts. Da hätten wir den langsam arbeitenden Googlecache, so sah das doch viel schöner aus, ans Layout hätten sie nun wirklich noch denken können und diese lustige Seite: Zur Verdeutlichung der Begriffe Erst- und Zweitsekretärin hat der Übersetzungsleo, warum auch immer, just jenen heute gelöschten Teil der Bundestagsseite verwendet. Simsalabim, da ist sie wieder. Unsere Kämpferjutta, die Erstsekretärin.

So sind sie, die sozialen Netzwerke, sie verführen immer wieder nicht nur unschuldige Piratenparteiler auf Twitter sich selbstgewählt der Lächerlichkeit preiszugeben. Auch des Lieblingsausschussvorsitzenden Erstsekretärin bemüht sich nach Kräften, der Welt mitzuteilen, dass die mitteilungsbedürftige Kostümjüdin nicht nur Polenz Steckenpferd war, sondern gleich das des Personals.

Wir sind ein glückliches Land, dessen Parlamentsmitarbeiter in diesen Zeiten keine anderen Probleme kennen.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Öffentlich-rechtliche Qualität und der Experte

Zu den heiligen Kühen dieses Landes gehören die öffentlich-rechtlichen Medien, so heilig, dass sie sich als verfassungsrechtlich abgesichertes ZwangsPayTV eine groteske Mischung aus Datenkrake und Moskauinkasso namens GEZ leisten dürfen und in laute Empörung über den Angriff auf ihre Unabhängigkeit ausbrechen, wenn sie mal ein Politiker anruft und sich über das eine oder andere sinnfrei beklagt, wo sie nur nein zu sagen bräuchten oder den Anrufer durch den Kakao ziehen, wie Kai Diekmann von der bösen Bild es vormachte. Schmerzlicher Weise passen Empörung und Zeigefinger besser zu ihrem Selbstbild, als irgendwelche Formen von Humor, gar schwarzem.

Umso größer ihr Anspruch. Qualität soll es sein, Objektivität, der Wahrheit verpflichtet usw., das übliche Blabla. Womit wir bei einem Merkmal für Objektivität wären, der Trennung von Nachricht und Meinung. Wie das gehandhabt wird, konnte man hier sehen. Aber es gibt noch viel mehr zu bestaunen. Zur neuesten Medienmode gehört der Experte. Irgendein Mensch, möglichst mit akademischen Titel und wichtigem Gesicht, der am Ende der Berichte als Obergutachter und Hintergrundweiser zu dem befragt wird, was denn der Zuschauer denken sollte. Vielleicht traut die Redaktion letzterem doch nicht recht über den Weg, ob der ganz allein in der Lage wäre, sich aus den Nachrichten die richtige Meinung bilden zu können.

Seit man auch öffentlich-rechtlich festgestellt hatte, dass es Kriegsauseinandersetzungen zwischen Israel und der Hamas, die den Gazastreifen okkupiert hat, gibt, als Israel sich gegen den Beschuss seiner Menschen wehrte nämlich, geistert der neueste Nahostwissende durch die Sendungen, Michael Lüders, stets vorgestellt als Publizist und Nahostexperte. In Tagesschau, Deutschlandfunk, beim ZDF. Wer sich am Samstagabend das heute-journal antat, bekam ein Lehrbeispiel, wie objektive Berichterstattung 2012 funktioniert. Der Krieg war der Aufmacher, natürlich, in drei Teile aufgeteilt. Eine sachliche Reportage über die israelische Seite, eine über die Lage in Gaza mit dumpfen Einschlagsgeräuschen im Hintergrund, der Erwähnung, dass es sich um schwerste Explosionen handelte, ohne jeden Hinweis, dass es gezielte Angriffe auf Stellungen und Kommandozentralen der Terroristen, die Gaza usurpiert haben, sind. Und dann die üblichen Verletzten, per Bahre ins Krankenhaus gebracht, von denen niemand weiß, wer sie sind, Terroristen, Zivilisten oder Schauspieler, wer sie getroffen hat und vor allem wo. Die Problematisierung der palästinensischen Lügen des Bilderkrieges, sie findet ebenso wenig in der Reportage statt, wie die Erwähnung der Vorgeschichte des israelischen Gegenschlags. Im Gegenteil, die ungeprüften Bilder sind Bestandteil der Sendung. Wie war das noch mit der Trennung von Meldung und Kommentar? Egal, man verdreht halt nur ein wenig die Tatsachen und verschweigt, glaubt sich auf der richtigen Seite und wäre empört, wenn man das Propaganda nennen würde. Soweit wie gehabt.

Dann endlich: Auftritt Michael Lüders, die stichwortgebende Moderatorin lässt keinen Zweifel an ihren Erwartungen und er enttäuscht sie nicht. Ein Biedermann, der die eingestreuten Ungeheuerlichkeiten mit liebenswürdiger Intellektuellenstimme verkündet. Ahmad Al-Dschabari, der Kidnapper, Menschenhändler und Befehlsgeber der Raketenmörder, der dem ersten Gegenschlag zum Opfer fiel, rechtmäßig als Kombattant, als Kommandeur, wird lächelnd und unwidersprochen als ermordet bezeichnet und mutiert zum Friedensboten, der angeblich Waffenstillstandsvorschläge bei sich hatte. Welchen Waffenstillstand fragt man sich, wie zynisch, wenn zu diesem Zeitpunkt seine Leute die einzigen sind, die schießen, mit Raketen auf Zivilisten versteht sich, der abgenagte Knochen von extremistischen Salafisten und ihrem Gegensatz zu gemäßigt extremistischen Hamasniks darf natürlich nicht fehlen, den Schwachsinn kannte man schon aus dem kalten Krieg von den Kremlastrologen, na klar, der Wahlkampf in Israel ist schuld, wie die putzige Putz das schon bei SPON schrieb, im Wahlkampf punkten, um die Ängste der Bevölkerung aufzufangen, nennt der Propagandist das Motiv für die israelische Gegenwehr, eine schon ziemlich widerliche Formulierung für die Tatsache, dass auf Menschen in Dörfern und Städten Raketen hageln, die aber übertroffen wird von der Feststellung im Zusammenhang mit dem syrischen Bürgerkrieg, dass zwei Kriege zu viel für den Nahen Osten wären, also allein das gegenseitige Abschlachten mit 40.000 Toten in Syrien wäre noch OK, schließt man messerscharf, bloß wenn diese Juden sich jetzt zusätzlich einfach ungenehmigt wehren, geht das echt zu weit. Es könnte sich auf andere Länder der arabischen Umstürze wegen ausweiten, ein Widerspruch zum vorigen, zum einen bestand diese Gefahr immer, zum anderen haben die Umstürze, siehe Syrien, ganz ohne Israel die Region mit Krieg überzogen. Aber der kluge Mann hat weiterhin eine Lösung für gleich das ganze Nahostproblem in der Tasche. Sonst wäre er ja kein Experte. Die Palästinenser müssten eine Perspektive bekommen, na klasse denkt man, wie in Gaza, wo nichts mehr besetzt ist, alles judenrein, voller internationaler Hilfsgelder, der Palästinenserstaat als Versuchsanordnung. Nur kam keiner auf die Idee den Menschen Aufbauperspektiven zu geben, sondern es wurde schlicht als Brückenkopf zum Kampf für die Vernichtung Israels genutzt. Ein echter Anreiz für Israel zu einseitigem Entgegenkommen. Aber da sind noch die Friedfertigen der Fatah in der Westbank, denen sollte man eine Aufwertung zukommen lassen, in dem man ihnen in der UNO ihre Staatlichkeit anerkennt. Warum wollen die das eigentlich? Sie könnten doch mit Israel um Frieden verhandeln, zweifach haben sie ein Abkommen abgelehnt. Abgelehnt, weil sie auf das verzichten hätten müssen, was sie Rückkehrrecht nennen und was nichts als die mitleiderregend klingende Forderung nach der Auflösung Israels als jüdischem Staat ist. Da ist die Idee mit den UN natürlich bestechend, es wäre die Anerkennung des Palästinenserstaates ohne die Notwendigkeit der gleichzeitigen Anerkennung Israels. Aus dem kleinen Gazaprojekt würde der Palästinenserstaat unter denselben Bedingungen. Die große Basis zur Vernichtung Israels. Herr Lüders spricht dies klugerweise nicht aus. Obwohl das ehrlich und der arabisch-israelische Konflikt nach der Entjudung tatsächlich der Lösung zugeführt wäre. Aber all diese guten Ideen scheiterten leider, so beklagt er sich, an den Ultranationalisten in Israel, die dort den Ton angäben, wie der freundliche Mann im Fernsehen die einzige nach westlichen Maßstäben demokratische Regierung der Region zu nennen pflegt.

Natürlich ist die erste Reaktion nach dem abklingenden Brechreiz, sich über derartige Auftritte aufzuregen, über diesen Mann und diese Moderatorin, die nicht eine einzige kritische Frage stellte. Aber dem Herrn Lüders täte man Unrecht. Der Publizist und Experte verdient nämlich sein Geld weder bei ARD noch ZDF, er berät Unternehmen. Nahostberatung nennt er das. “Es ist allerdings nicht immer einfach, in der Region Fuß zu fassen. Persönliche Kontakte und kulturelles Know-how sind entscheidend, um im Wettbewerb mit anderen Anbietern zu bestehen. Diesen Vorteil garantiert Ihnen die Nahostberatung von Michael Lüders”. Der Mann ist ein Türöffner, ein ausgezeichnet bezahltes Geschäft, dessen Voraussetzung ist, exzellente Kontakte und einen blendenden Ruf in Arabien zu haben. Das ist ein durchaus ehrenwerter Brötchenerwerb, nur gehört dazu eben stets, sich den Ruf nicht zu zerstören, nichts wäre geschäftsschädigender. Selbstredend kann Herr Lüders nur arabische Positionen öffentlich vertreten, abgesehen davon, dass sich sein ganzer Lebenslauf ausschließlich auf dieser Seite abspielt. Es ist sein gutes Recht in einem freien Land, jeden Unfug zu behaupten, den er möchte, sich damit seine wirtschaftlichen Möglichkeiten noch weiter zu verbessern und wer will es ihm verdenken, dass er es im Fernsehen zur besten Sendezeit tut, wenn er darum gebeten wird.

Es sind es die von unser aller Gebühren bezahlten Redakteure, die die Urheber dieses antiisraelischen Schmierenstücks sind. Wer Lüders bucht, bekommt Lüders, so einfach ist das und ihn als objektiven Experten dem unwissenden Publikum vorzuführen, das dann wieder sich kopfschüttelnd über diese friedensgefährdenden Israelis der nächsten Sendung zuwendet, ist eine abgrundtief böse Perfidie, in der erklärten Absicht, Israel zu schaden. Qualitätsfernsehen? Aufrichtiger wäre es wohl, die Bezeichnung verlogene, die Menschen manipulierende Agitation in Betracht zu ziehen. Von den hehren Grundsätzen eines Hugh Carleton Greene ist jedenfalls nichts mehr übrig. Möge sich nie wieder jemand über die Bildzeitung beschweren.

Apropos beschweren. Das könnte man sich. Zum Beispiel bei Ruprecht Polenz, MdB, Vorsitzender des ZDF-Fernsehrates. Auch Vorsitzender der Christlich-muslimischen Friedensinitiative e. V. und Kuratoriumsmitglied der Christlich-Islamischen Gesellschaft, begeisterter Lobbyist für den EU Beitritt der Türkei, verdienter Kämpfer gegen den Gedanken, die iranische Bombe mit Luftangriffen zu verhindern, berüchtigter Betreiber eines einzigartigen Facebookaccounts, wo sich alle Feinde Israels täglich austoben dürfen.

Was für ein Zufall.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Die Meshuggestan Protokolle

Berichte aus der medialen Irrenanstalt - Der Blog über Israel, Nahost und die eigenwillige Sichtweise deutscher Medien diesbezüglich.

The Occidental Jihadist

Reflections on Culture, Geopolitics, and Muslim Eschatology

israeldossiers

Texte und Informationen zu verdrängten Wahrheiten

Carmen Matussek - Journalistin

Für eine faire Berichterstattung über Israel

Tangsir 2576

In the name of Pirouze Parsi (Ferdowsi) and Kasravi the Great!

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Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

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