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Second hit at Zurich main station

The Swiss Railway Company didn’t like it but the Federal Court ordered them to put up a big anti-Israel Poster in Zurich’s main station. Then all of a sudden there were “stickers” on the box that gave counter message:

bahnhofzurich400-wmw

That first hit was followed by a second one. The stickers obviously were easy to remove and that seems to have led the same outfit to glue new stickers. Here are the pictures:




They didn’t spare Neue Zürcher Zeitung, the leading Swiss daily (and one of the bigger players in the anti-Israel crowd):


Seems the public was interested:


What was happened:

UNBELIEVABLE!

OPEN-CALL TO HATE JEWS
AT MAIN-TRAIN-STATION IN ZURICH, Switzerland.

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The tracks are the symbol for Deportation and Extermination of the Jews in Europe!
Under the title: “65 years injustice to the Palestinians” a poster is hanging at the central station in Zurich/Switzerland since one week. How crude to put it at the end of the rail! It’s anti-Semitic and defaming the Jews. The Federal Supreme Court of Switzerland declares it as freedom of opinion.
”We are obliged according to the Federal Court judgment to hang out these posters”, says a spokesman of SBB (Schweizerische Bundesbahn). As long it is not clarified if the poster is allowed to hang legally there, so far the agitation against the Jews are published at the main station in Zurich. 75 years ago, it was said: (Deport) “Jews TO Palestine!” Today same people proclaim: “Jews OUT of Palestine!” Has something changed?
In which world we live actually? The Iran takes over the chair for the UN Conference on Disarmament – in spite of the sanctions because of the nuclear program and its support of terrorists and mass murderers. In Syria, Assad still massacred his own people, you will be stoned in Saudi Arabia, turkey journalists are arrested, as well journalist in the palestinian self-government areas. What happened to the Universal Human Rights? Did they changed into the “Cairo Human Rights”

BBC-Schlagzeilen: Nachplappern syrischer Terrorvorwürfe gegenüber Israel

Medien BackSpin

HonestReporting Media BackSpin, 6. Mai 2013

Die BBC nimmt offensichtlich nicht zur Kenntnis, dass Terrorakte gegen israelische Zivilisten eben das sind, was sie sind, und dass Palästinenser, die in mörderischer Absicht israelische Zivilisten mit Messern, Raketen und Selbstmordanschlägen töten wollen, nun mal Terroristen sind.

Dennoch hat die BBC dank freundlicher Mithilfe des verabscheuungswürdigen syrischen Regimes von Bashar al Assad, das verantwortlich ist für den rücksichtslosen Mord an Männern, Frauen und Kindern in einem Bürgerkrieg, der während der letzten drei Jahre etwa 70.000 Menschenleben* gekostet hatte, das “T”-Wort**, für sich entdeckt.

Ja, es stimmt: Israel wird mit Terroristen in Verbindung gebracht. Und woher wissen wir das? Zumindest von den Syrern.

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Homepage von BBC News:

Artikelüberschrift:“Israelische Luftschläge geben Terroristen Rückendeckung”

Und dann auf den Artikel selbst:


Artikelüberschrift:
Israelische Luftschläge mit Terroristen abgestimmt

Ein gehöriges Stück Terror für die BBC

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Terror schönreden: Die Ausflüchte der BBC

Medien BackSpin

HonestReporting Media BackSpin, 6. Mai 2013

Als Reaktion auf die Kritik von HonestReporting an der BBC-Berichterstattung über den tödlichen Messerangriff eines palästinensischen Terroristen auf einen Israeli hat das für Nahost zuständige Redaktionsbüro der BBC einem unserer Abonnenten folgende Antwort zukommen lassen:

Wir verwendeten das Wort “Siedler”, weil es in erster Linie der Terminus ist, der möglichst exakt und vollständig das Attentatsopfer vom [letzten] Dienstag beschreibt. Selbstverständlich lieferten wir im Bericht weiter unten mehr Details zum Opfer.

“Israeli” ist hier falsch, weil damit nicht deutlich wird, dass Eviatar Borovzky im Westjordanland gelebt hatte. Nach Internationalem Recht handelt es sich beim Westjordanland um besetzte Gebiete, und Israelis, die dort leben, sind demzufolge Siedler. Dies schmälert oder rechtfertigt in keiner Weise einen Mord. Da zuständig für Informationen für ein internationales Nachrichten-Publikum versuchen wir so transparent wie möglich darüber zu berichten, wer wen und wo getötet hat. Alle drei führenden internationalen Nachrichtenagenturen –…

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Antisemit? Jakob Augstein? Nein!

Antisemit? Jakob Augstein? Nein!

Das Problem entsteht aus dem Gebrauch unzutreffender Begriffe. Mit dem Begriff “Antisemitismus” ist es wie mit dem Begriff “Holocaust”. Mit beiden  verbinden Deutsche nichts, sie gehen sie nichts an, werden bei Bedarf ausgegrenzt, und Bedarf ist oft. Der Autor der “Gartenlaube” Wilhelm Marr hat “Antisemitismus” 1879 in die Welt gesetzt, um pseudowissenschaftlich zu verbrämen und zu rechtfertigen, was zu deutsch Judenfeindschaft, Judenhaß, Verachtung von Juden ist, ein Ressentiment. “Er trug damit zu einem neuen Wortschatz bei – einem, mit dem sich die jahrhundertealte Feindschaft gegenüber den Juden wirkungsmächtig ausdrücken ließ, ” schreibt das Deutsche Historische Institut Washington.

Ruprecht Polenz – Der Unterstützer “Davids” Teil 2

“Also, sprach Polenz“ (Fortsetzung von Teil. 1!)

Wir erinnern uns: Am vorgestrigen Samstag tätigte Ruprecht Polenz, seines Zeichen Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages und damit entsprechend allgemein und speziell mit Wissen gesegnet, folgende Aussage zu einer Frage (zum Vergrößern bitte Bild anklicken!):

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Da Wissen Macht ist, wollen wir uns folgend diese Aussage einmal genauer ansehen.

1. These R. Polenz:

„Nach 40 Jahren wird die fortdauernden Besatzung immer weniger verstanden.“

Die „Besatzung“ – wie jeder weiß, der sich mit dessen Historie beschäftigt hat – wurde den Israelis 1967 aufgezwungen, nachdem Israel im Zuge der Verteidigung gegen den arabischen Angriffskrieg durch Ägypten, Jordanien und Syrien, dem sog. 6-Tage-Krieg, Gebiete (hier: Gaza, die Sinai-Halbinsel, Golan-Höhen, Samaria, Judäa, Ostjerusalem) eingenommen hatte.

Die Sinai-Halbinsel, Gaza: Im Zuge späterer Friedensverhandlungen sind diese Gebiete als Tausch für Frieden und unter Beseitigung aller dort geschaffenen israelischen Einrichtungen an die Vertreter der jeweiligen Regierungen zurückgegeben worden (Die Sinai-Halbinsel: Friedensvertrag mit Ägypten 1979, Gaza: 2005)

Golan-Höhen: Im Grenzgebiet Israels zu Syrien befindlich stehen diese unter Beobachtung der UN.

Samaria, Judäa: Bei dem sogenannten „Westjordanland“ handelt es sich letztendlich um “umstrittenes Gebiet”, da Israel kein souveränes Staatsgebiet von einem anderen Land erobert hat und demzufolge nicht um eine „völkerrechtswidrige Besatzung“, wie gerne behauptet wird.[1] Das „Westjordanland“ wurde 1993 durch die Unterzeichnung des Osloer Abkommen[2] größtenteils unter die Selbstverwaltung der Palästinenser-Vertretung, der PLO, gestellt. Grundsätzlich ist der Status der Autonomie in den verwalteten Gebieten zu klassifizieren, aus dem sich die Rechte, aber auch die souveränen Pflichten der PLO ergeben:

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Ostjerusalem: Der Teil von Jerusalem, der seit dem Palästinakrieg 1948 von Jordanien besetzt war, bis er 1967 nach einem Angriff Jordaniens auf Westjerusalem von Israel erobert wurde. Ostjerusalem ist heute Teil des vereinigten Jerusalems. In zurückliegenden Friedensverhandlungen lehnte Israel eine vollständige Aufgabe Ostjerusalems zugunsten eines zukünftigen palästinensischen Staates ab. Begründet wird dies unter anderem mit den Erfahrungen vor 1967, als die jordanischen Besatzer jüdischen Personen den Zugang zur Klagemauer sowie Nichtmuslimen das Betreten der Altstadt verwehrten, aber auch damit, dass Jerusalem vor 1948 nie Teil eines souveränen Staates gewesen sei und es somit keinen rechtlichen Anspruch der Palästinenser auf Ostjerusalem gebe. Daher kann auch hier keine völkerrechtswidrige Besatzung der Israelis geltend gemacht werden.

2. These R. Polenz:

„Israel ist im Verhältnis zu den Palästinensern der Goliath und nicht der David.“

Jeder kennt sie, die Geschichte des hebräischen Hirtenjungen Davids, der eigentlich nur seinen im Heer dienenden Brüdern Brot und Käse bringen sollte, aber die lästerlichen Verhöhnungen Goliaths, dem Vorkämpfer der Philister, der Gegner Israels, nicht ertrug. Daraufhin wurde er König Saul vorstellig und mit dessen eigener Rüstung ausgerüstet, verzichtete jedoch auf diese und tötete den Philister Goliath mit einer einfachen Steinschleuder. David nimmt in der jüdischen Geschichte die Geschichte des hebräischen „Underdogs“ ein, der durch Tapferkeit und Klugheit seine Feinde besiegte und das Großreich Israel mithin seiner Hauptstadt Jerusalem begründete. Im Grunde genommen war der israelische Staat ab 1948 der David, welcher sich mehrfach gegen seine arabischen Nachbarn, dem Goliath, erfolgreich zur Wehr setzte: David war kleiner und schwächer, aber er war der klügere und seine Kraft kam durch den intelligenten Einsatz der Gewalt zum Ausdruck. Die Schleuder symbolisiert sozusagen die fortgeschrittene Technologie, die Israel benutzt und die es dem jüdischen Staat erlaubt nur soviel Gewalt anzuwenden wie nötig und nur dort wo erforderlich, um den dumpfen gewalttätigen Riesen im Zaum zu halten.

Wer sich nun angesichts der zumindest moralischen Unterstützung für die Palästinenser auf die „David und Goliath – Geschichte“ beruft, dem kann man entweder nur Naivität oder böswillige Unterstützung bescheinigen: Die radikalislamische Hamas, die 2006 von einer Mehrheit der Palästinenser im Gaza gewählt wurde, erkennt Israel nicht an und fordert die Errichtung eines Gottesstaats auf dem Boden des heutigen Israels mit ganz Jerusalem als Hauptstadt und sowie die Vernichtung der Juden und des Staates Israel.[3] Finanziell und ideologisch unterstützt wird die Hamas von Syrien und Iran, dem Libanon, Jordanien, Saudi-Arabien und Katar u. a., die die Belange Jerusalems propagandanutzend für ihre teils kontroverse Außenpolitik verwenden. Der Anführer der schiitischen Hisbollah, Hassan Nasrallah, bezeichnete Jerusalem als „das große Ziel und die große Schlacht unserer Zeit.“ In großen Teilen der arabisch-muslimischen Welt gilt der derzeitige Status Jerusalems nicht nur als Rechts- sondern vor allem als Prestigeverlust. Auch die PLO gibt sich zwar gemäßigt, verfolgt in der Sache aber das selbe Ziel wie die Hamas.[4] Der brüchige Frieden Israels mit Ägypten scheint durch die aktuellen politischen Entwicklungen genauso in Gefahr zu sein, wie dies in Syrien absehbar ist. Eine Wiederholung der biblischen „David und Goliath – Geschichte“ scheint sich abzuzeichnen.

Herr Polenz als jemand, der oft im arabischen Raum unterwegs ist, muss wissen, dass sich viele, auch einfache Palästinenser als Nachfahren der Philister begreifen (Goliath=Philister). Wenn er das umkehrt, erinnert er damit an die gern propagierte Metapher der Palästinenser als die “Juden Arabiens” (wegen ihrer „Zerstreuung“). Im deutschsprachigen Raum gibt es diese Umkehrung nur ein einziges Mal und zwar bei dem schärfsten Kritiker des Christentums Nietzsche: “Dass die Juden, wenn sie wollten – oder, wenn man sie dazu zwänge, wie es die Antisemiten zu wollen scheinen –, jetzt schon das Übergewicht, ja ganz wörtlich die Herrschaft über Europa haben könnten, steht fest; dass sie nicht darauf hinarbeiten und Pläne machen, ebenfalls. Einstweilen wollen und wünschen sie vielmehr, sogar mit einiger Zudringlichkeit, in Europa, von Europa ein- und aufgesaugt zu werden, sie dürsten darnach, endlich irgendwo fest, erlaubt, geachtet zu sein und dem Nomadenleben, dem ‘ewigen Juden’ ein Ziel zu setzen –; und man sollte diesen Zug und Drang, der vielleicht selbst schon eine Milderung der jüdischen Instinkte ausdrückt, wohl beachten und ihm entgegenkommen” (Jenseits von Gut und Böse). Tja, seltsame Umkehrungsfiguren zumal Nietzsche der Apologet des “Herrenmenschen” gewesen ist. Damit das bei ihm, Herrn Polenz, funktioniert, klammert er die Palästinenser von ihren “arabischen Freunden” aus und erklärt die arabischen Initiativen zu Friedensinitiativen und Friedenangeboten.[5]

Und das Fazit der Geschichte: Entschlossen steigt Ruprecht Polenz vom Bundestag direkt rüber auf die Quadriga des Brandenburger Tores und reitet mit ihr als Verkünder der Friedenmission ins Gelobte Land – dabei läuft er in Wirklichkeit nur in guter katholischer Tradition seiner kreativen Bibelexegese hinterher.

Danke Herr Polenz. Dank Ihnen sind wir alle nun ein wenig wissensreicher, und mächtiger.

[Gastautoren: sb/ey]

[Hinweis: Der nächste Artikel wird sich mit den von Herrn Polenz positiv bewerteten arabischen Friedensinitiativen beschäftigen.]


[1] Dazu Ulrich Sahm, Israel-Korrespondent für u. a. N-TV und Danny Aylaon, ehem. stellvertretende Außenminister und Mitglied der Knesset für Yisrael Beiteinu, israelische Botschafter in den Vereinigten Staaten von 2002 bis 2006, Journalist für die Jerusalem Post und das Wall Street Journal ab ca. Min. 6: (FÜR VIDEO BITTE HIER KLICKEN!)

Weiter dazu: Sind israelische Siedlungen in der Westbank wirklich illegal? sowie Die Besetzung Palästinas

[2] Abkommen zwischen Israel und den Palästinensern im Rahmen des sog. Oslo-Friedensprozesses: Prinzipienerklärung über die vorübergehende Selbstverwaltung (Oslo I, 13. September 1993), wurde erst nach dem Gaza-Jericho-Abkommen (4. Mai 1994) umgesetzt; das Interimsabkommen über das Westjordanland und den Gazastreifen (Oslo II, 1995)

[3] Charta des Hamas: Ulrich Sahm Hamas-Charta

[4] 4-Stufen-Plan

[5] DIE WICHTIGSTE AUSSAGE IM ARABISCHEN FRIEDENSABGEBOT VON 2002: „im Rahmen dieses umfassenden Friedens normale Beziehungen zu Israel aufbauen“ „Obwohl die Formulierung „normale Beziehungen“ nicht an die „vollständige Normalisierung“ heranreicht, stellt sie doch einen bedeutenden Fortschritt gegenüber vergangenen Resolutionen dar. Im Arabischen konnotiert der Begriff der Normalisierung (tatbi’) die Zähmung von Tieren, im klassischen Arabisch auch „Schmutz“ und „Infektion““ (Link); Artikel 13 Charta der Hamas: „Ansätze zum Frieden, die sogenannten friedlichen Lösungen und die internationalen Konferenzen zur Lösung der Palästinafrage stehen sämtlichst im Widerspruch zu den Auffassungen der Islamischen Widerstandsbewegung. Bisherige Konferenzen waren lediglich eine Spielart unter Vielen, um den Ungläubigen die Herrschaft über palästinensischen Boden zu ermöglichen. Die Juden und Christen werden nicht mit dir zufrieden sein, solange du nicht ihrem Bekenntnis folgst. Die rechte Leitung ist allein die von Allah. Eine Lösung für die palästinensische Frage gibt es nur durch den Dschihad. Internationale Konferenzen sind Zeitverschwendung und unsinniges Spiel.“

(Quelle Bild: Wikipedia)

Ruprecht Polenz – Der Unterstützer “Davids”

Man könnte meinen, für den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag und bekennenden Israelfreund Ruprecht Polenz, wäre es eine Selbstverständlichkeit, sich täglich für den Staat Israel einzusetzen. Schließlich betont er immer wieder die besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel, welche er in seiner Dienstzeit hegt und pflegt. In seiner privaten Zeit sollte dies demnach aus so sein, möchte man meinen, denn jeder weiß: Ein Politiker ist immer im Dienst.

Nun ergab es sich zu einer Zeit in der die Mehrheit der deutsche Presselandschaft den Antisemitismusbegriff seit 1945 untergegangen sah, dass Shimon Samuels, Direktor für Internationale Beziehungen am Simon-Wiesenthal-Zentrum in Paris, einen 10-Punkte-Kodex zum Umgang der deutschen Presse mit der Berichterstattung zu Israel vorschlug.

Ruprecht Polenz sah sich nun als Freund und Deutscher bemüßigt, diesen auf seiner Facebook-Seite dem sich dort öfters tummelnden Mob aus links-liberalen Möchtegern-Kinderfreunden, Hetzern und bekennenden Israelhassern zur Diskussion vorzulegen.

Lesen Sie hier, zu welch “außergewöhnlicher” Schlußfolgerung Polenz kommt!

»Augstein hat eine Grenze überschritten«

Noch immer dauert die Debatte über Jakob Augstein und seine Erwähnung in den »2012 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs« des Simon Wiesenthal Centers (SWC) an – eine Debatte, in der sich die Grenzen des Unsäglichen in Bezug auf die »Israelkritik« noch einmal derart stark verschoben haben, dass selbst übelste Tiraden gegen den jüdischen Staat äußerstenfalls als »grenzwertig«, keinesfalls aber als antisemitisch qualifiziert werden. Überdies hat der Spiegel den stellvertretenden Direktor des SWC, Rabbi Abraham Cooper, scharf angegriffen. Dieser hatte seine Zustimmung zu einem gemeinsamen Interview des Magazins mit ihm und Augstein davon abhängig gemacht, dass Letzterer sich zuvor entschuldigt. Für Lizas Welt sprach Stefan Frank mit Rabbi Cooper über die »Top Ten«, Augsteins »Israelkritik« und die Diskussion in den deutschen Medien.


Lizas Welt: Was ist die Idee hinter der Liste der »Top Ten der antisemitischen und antiisraelischen Schmähungen?«

Rabbi Cooper: Die Top-Ten-Liste ist unser Versuch, eine Momentaufnahme von Beispielen des Mainstream-Antisemitismus zu liefern. Der wichtige Punkt dabei ist, dass es nicht um die Ränder der Gesellschaft geht. Darum befinden sich in der Liste Regierungen und Massenbewegungen – aus Iran, aus Ägypten – und extremistische Mainstreamparteien etwa aus Griechenland, Ungarn und der Ukraine.

Wer kam darauf, einen unbedeutenden deutschen Journalisten wie Jakob Augstein aufzunehmen?

In der Internetära gibt es keine »unbedeutenden« Beiträger beim Spiegel mehr. Wir haben eine internationale Schar von Mitgliedern und Onlineaktivisten, die uns aus allen Teilen der Welt informiert, auch aus Deutschland. Um es festzuhalten: Wir hatten keinen Kontakt zu Henryk M. Broder – nicht vor, nicht während und nicht nach der Auswahl. Die redaktionellen Entscheidungen wurden alle in Los Angeles von den führenden Mitarbeitern unseres Zentrums getroffen. Die Wahl von Herrn Augstein gründet sich auf das, was er gesagt hat, und darauf, wie er es gesagt hat. Und um auch das klarzustellen: Wir repräsentieren keine Regierung, auch nicht die des Staates Israel. Wir geben ihr keinen Blankoscheck dafür, ohne Kritik das zu tun, was immer sie tut. Die Israelis selbst sind jeden Morgen die ersten, die die Politik der Regierung kritisieren.

Wir kritisieren Herrn Augstein nicht dafür, dass er zum Beispiel Kommentare über die Haredi-Juden in Israel veröffentlicht. Die Haredim sind ein sehr wichtiges soziales und politisches Thema, das auch in Israel diskutiert wird. Worum es geht, ist, dass er in seinen Äußerungen die schlimmsten Stereotype benutzt, um eine ganze Gemeinschaft zu erniedrigen. Diese Äußerungen basieren nicht auf Tatsachen. Und wenn er Sachen sagt wie: die Haredim seien aus dem gleichen Holz geschnitzt wie die Islamisten und folgten dem Gesetz der Rache, dann ist das wirklich völlig inakzeptabel. Was er sagt, ist nicht wahr und kann nicht belegt werden.

Das Gleiche gilt für seine anderen Auslassungen. Wollen Sie über Gaza reden? Ich glaube nicht, dass der Begriff »Lager« angemessen ist. Vielleicht liest Herr Augstein keine Zeitungen. Vielleicht schreibt er nur in ihnen. Jemand sollte ihm sagen, dass es im Gazastreifen schon seit etlichen Jahren keine Juden oder Israelis mehr gibt. Und was Israel als angeblichen Kriegstreiber betrifft oder Israel und die republikanische Partei in den Vereinigten Staaten als die klammheimlichen Sieger des leider gescheiterten arabischen Frühlings – das überschreitet einfach eine Grenze.

Und dann sind da noch seine Kommentare über die nukleare Gefahr im Nahen Osten, die nicht vom Iran, sondern von Israel ausgehe – auch hier wieder: Wo sind die Belege für solche Behauptungen? Rabbi Hier [der Direktor und Gründer des Simon Wiesenthal Centers] und ich haben in den letzten drei Jahren zahlreiche Führer der arabischen Welt und der Golfstaaten getroffen, von denen keiner Israel besonders freundlich gegenübersteht. Und sie alle sind wegen des iranischen Atomprogramms in großer Sorge und äußern offen ihre Angst. Sie drängen Präsident Obama, die Gefahr eines nuklearen Iran zu beseitigen.

Kurzum: Augstein wurde ausgewählt, weil er unmittelbaren und ständigen Zugang zum Mainstream der öffentlichen Meinung in Deutschland hat, einer wichtigen Demokratie. Indem er immer wieder die Linie dessen überschreitet, was Natan Sharansky die drei »D« nennt – doppelte Standards bei der Beurteilung, Dämonisierung und Delegitimierung Israels –, hat er sich seinen Platz in den Top Ten verdient.

Werfen wir einen Blick auf die deutsche Presse…

Das Wichtigste im Hinblick auf die deutschen Medien ist Folgendes: Meines Wissens hat sich kein deutscher Journalist an Herrn Augstein gewandt und zu ihm gesagt: »Hier sind die Worte, die Sie benutzt haben, können Sie verteidigen, was Sie über die Haredim sagen?« – von denen übrigens viele ihre Großeltern, Eltern, Ehepartner, Brüder oder Schwestern im Holocaust verloren haben. Ein großer Anteil der sechs Millionen, die von den Nazis ermordet wurden, fiele unter die Kategorie der Haredim. Niemand hat Augstein gefragt: »Wie können Sie solche Äußerungen rechtfertigen?«

Unsere wichtigste Antwort an die deutschen Medien ist: Warum lassen Sie nicht einfach – und endlich – Herrn Augstein direkt zu seinen eigenen Worten Stellung nehmen? Er schuldet den deutschen Lesern und dem jüdischen Volk – nicht uns, nicht dem Simon Wiesenthal Center – eine Entschuldigung.

Stattdessen gibt es mehr und mehr persönliche Angriffe gegen Sie. So wie im Spiegel, in dem der Redakteur Clemens Höges Sie als einen Spinner darstellt, der, als er gefragt wurde, ob er an einer Diskussion teilnehmen wolle, »absurde Forderungen« gestellt und E-Mails »wie aus einer anderen Welt« geschrieben habe. Höges kontrastiert das mit dem angeblich so sachlichen Augstein und fügt hinzu: Man müsse »böswillig oder auf Krawall aus sein«, um hinter dessen Äußerungen »einen Antisemiten zu sehen«. Der Vorspann des Artikels lautet: »Was ein gescheitertes Streitgespräch über die Dialogfähigkeit des Simon Wiesenthal Center sagt.« Der Artikel beginnt mit dem Satz: »Es wirkte wie ein gänzlich unerwarteter Tritt in den Rücken, verpasst von jemandem, der eigentlich als harmlos gilt.« Höges recycelt hier das Nazi-Motiv des Dolchstoßes in den Rücken. Überrascht es Sie, bei deutschen Journalisten soviel Bösartigkeit anzutreffen – wie auch eine solch große Phalanx der Augsteinverteidiger von ganz links bis ganz rechts?

Es stimmt, dass der Spiegel mich kontaktiert und ein gemeinsames Interview mit Herrn Augstein in einer der beiden Redaktionen, in Hamburg oder Berlin, vorgeschlagen hat. Meine Antwort war, dass ich einem solchen Treffen nur zustimmen würde, wenn Augstein sich für seine Äußerungen entschuldigte. Ich habe dem Spiegel gleichzeitig angeboten, dass er separate Interviews führen könne und ich dafür nach Deutschland kommen würde.

Nach der Veröffentlichung des Artikels war ich doch etwas überrascht: Seit 35 Jahren arbeite ich in diesem Bereich; 29 Jahre lang hatte ich die Ehre, an Simon Wiesenthals Seite sein zu dürfen. Zum ersten Mal erlebe ich nun, dass jemand private Gespräche oder Diskussionen zur Grundlage für eine öffentliche Verlautbarung macht. Mein Kommentar gegenüber dem Spiegel war der folgende: Der Mann hat öffentlich Aussagen getätigt. Er sollte – gegenüber dem Spiegel oder jemand anderem – Stellung nehmen zu den Äußerungen, die ihm in diesem Jahr Platz neun bei uns eingebracht haben. Das ist das Wichtigste, was zu geschehen hat.

»E-Mails wie aus einer anderen Welt«? Vielleicht. In der Welt, in der ich lebe, sagt man, dass jemand, der in einer Demokratie ein solch wichtiges Medium wie den Spiegel zu seiner Verfügung hat, die Verantwortung hat, darauf zu achten, dass das, was gesagt wird, innerhalb legitimer Kritik bleibt und die Grenzen nicht überschreitet. Leider haben die Äußerungen diese Linie überschritten. Ich wäre sehr glücklich, darüber mit dem Spiegel oder einem Sender zu sprechen. Die anfängliche, die Schlüsselfrage ist immer noch auf dem Tapet: Augstein zu den konkreten Zitaten Stellung nehmen zu lassen, die die Grenze zu den genannten drei »D« überschreiten.

Und die übrigens unter die Arbeitsdefinition des Antisemitismus-Begriffs der EU fallen. Leider sind viele deutsche Journalisten so voreingenommen gegen Israel, so ahnungslos, was die Definition und das Wesen des Antisemitismus betrifft, und leider ist der Gebrauch von antisemitischen Klischees wie dem des rachsüchtigen Juden oder dem des »Gängelbandes«, an dem Israel die Welt führe, für viele von ihnen so selbstverständlich, dass sie an Augsteins Ausfällen gar nichts Empörendes finden.

Bei allem Respekt: Ich frage mich, ob sie diese Ausfälle überhaupt gelesen haben. Sie sollten sich anschauen, was Augstein über die Haredim schreibt, zehn Prozent der israelischen Bevölkerung. Ich bin kein Haredi, ich habe meine eigenen Schwierigkeiten mit dem, was dort passiert. Viele Haredim schauen mich an und sagen, dass ich nicht jüdisch genug bin, weil ich mich nicht auf eine bestimmte Art kleide. Es geht nicht um Kritik. Es geht um die Dämonisierung einer ganzen religiösen Minderheit. Es gibt Haredim wie den Rabbi in Malmö; er und seine kleinen Kinder werden regelmäßig von Antisemiten überfallen. Sogar in Berlin gibt es leider sporadische Angriffe auf religiöse Juden.

Wenn jemand in einer Position ist, in der er der deutschen und internationalen Öffentlichkeit sagen kann, was er will, und er die Haredim das jüdische Äquivalent der Islamisten nennt, die der Welt Suicide Bombings, Terrorismus und Hass bringen, dann muss er Verantwortung für diese Worte übernehmen. Es ist wahr, dass die Haredim abgeschottet leben. Aber sie sind keine Terroristen. Sie werben nicht für Gewalt. Ich möchte nicht glauben, dass die Mehrheit der deutschen Journalisten, ganz zu schweigen von der deutschen Bevölkerung, solch einem Unsinn Glauben schenkt.

Und bevor nun jemand sagt: »Da kommt die Polizei der Political Correctness, die die Meinungsfreiheit eines Journalisten einschränken will« – ganz und gar nicht. Israel, die Haredim, alles, was angesprochen wurde, ist ein legitimer Gegenstand der Kritik. Wenn aber diese Kritik in so einen Zusammenhang gestellt wird, dann wird eine Linie überschritten. Genauso, wie Israel keinen Blankoscheck hat, hat ihn auch Herr Augstein nicht.

(Zuerst veröffentlich auf Lizas Welt.)

Kommentar: Ruprecht Polenz und Israel

“Ei,ei, für trotzgen Kindermut
ist meine lange Rute gut!
Heißt es bei Euch denn nicht mitunter:
Nieder den Kopf und die Hosen herunter?”

So heißt es im Gedicht “Knecht Ruprecht” von Theodor Storm. Ein anderer ,quasi auch berühmter, Ruprecht lebt heute und ist seines Zeichens Mitglied des Deutschen Bundestags für die CDU, ist dort, man höre und staune, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses und Mitglied im Vorstand des ZDF-Medienrates: Ruprecht Polenz, der. Ähnlichkeiten mit fiktiven Gestalten aus Prosa und Poesie oder mit bereits verstorbenen Personen wären rein zufällig und sicher nur teilweise beabsichtigt.

Der große Storm würde sich wohl im Grabe umdrehen, wüsste er um so manche Meinung, die der Namensvetter seiner in der ganzen Welt berühmten Figur so vertritt. Aber genug der Konjunktive. Was zählen sind Präsenz und Gegenwart: Ruprecht Polenz gilt als glühender Verfechter der Rechte der Palästinenser im Gazastreifen (und zwar nur dort!) und als Israel-Kritiker erster Güte. Lesen Sie hier den ganzen Kommentar!

UPDATE: Das ZDF und die Israel-Berichterstattung

Nachdem wir bereits gestern von dem Schriftwechsel der Initiative FREUNDSCHAFT DEUTSCHLAND-ISRAEL berichtet hatten, geht es bereits heute in die zweite Runde. Da der Fernsehsender so gut wie gar nicht auf die Kritik der Initiative in seiner Antwort einging, hat diese das ZDF in einem erneuten Schreiben nun nochmals unmißverständlich dazu aufgefordert, detailliert auf die Anmerkungen einzugehen und vor allem zu dem  Vorschlag auf ein gemeinsames Gespräch mit Henryk M. Broder und einem Vertreter des Senders Stellung zu beziehen. Zum gesamten Briefwechsel inklusive der neuen Antwort der Initiative geht es hier entlang!

Freispruch für Deutschland

In der Debatte über die Berufung von Jakob Augstein auf eine Liste des Simon Wiesenthal Centers haben sich die Grenzen des Unsäglichen in Bezug auf die »Israelkritik« erneut verschoben. Noch die übelsten Tiraden gegen den jüdischen Staat sind – so meint eine ganz große Koalition von FAZ bis taz und von CDU bis Linkspartei – schlimmstenfalls grenzwertig, keinesfalls aber antisemitisch.

Es fängt schon mit simplen Fehlern im Rüstzeug an. Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit sollten sich als Prinzipien für jeden Journalisten eigentlich von selbst verstehen, doch ist es damit hierzulande oftmals nicht allzu weit her, auch diesmal nicht. Denn was soll das Simon Wiesenthal Center (SWC) getan haben, folgt man führenden deutschen Medien, die sich in dieser Frage nahezu wortgleich äußern? Es habe den Publizisten Jakob Augstein »auf eine Liste der zehn schlimmsten Antisemiten der Welt gesetzt«, glaubt der Tagesspiegel, »auf Platz 9 seiner jährlichen Liste der schlimmsten Antisemiten gesetzt«, meint die Tagesschau, »auf Platz neun einer Liste der weltweit zehn schlimmsten Antisemiten gesetzt«, behauptet die Frankfurter Rundschau, »zu einem der schlimmsten Antisemiten der Welt erklärt«, beteuert die Zeit, »auf Platz neun der Liste der zehn schlimmsten Antisemiten« nominiert, ist die FAZ überzeugt, »auf einer Rangliste der schlimmsten Antisemiten der Welt auf Platz neun gesetzt«, schreibt Spiegel Online, »auf Platz neun der gefährlichsten Antisemiten weltweit verortet«, erklärt die taz. Knapp daneben ist auch vorbei, kann man da nur konstatieren.

Die besagte Liste umfasst in Wahrheit nämlich die »2012 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs« – also die zehn aus Sicht des SWC erwähnenswertesten antisemitischen respektive antiisraelischen Verunglimpfungen des vergangenen Jahres –, ist also wesentlich eher eine Sammlung markanter Zitate als ein Fahndungsaufruf. Und das Ziel ist es dabei offenkundig auch weniger, eine Rangliste entlang der machtbedingten Gefährlichkeit der Urheber dieser Zitate zu erstellen, als vielmehr, plakativ zu verdeutlichen, wie beängstigend groß das Spektrum des Judenhasses weltweit ist und wie sich der massenkompatible Antisemitismus in den einzelnen politischen Lagern äußert, selbst bei vermeintlich unverdächtigen, seriösen Akteuren. So erklärt sich auch, warum bei der Erstveröffentlichung der »Top Ten« im Jahr 2010 die renommierte amerikanische Journalistin Helen Thomas, immerhin dienstältestes Mitglied des White House Press Corps, auf dem ersten Platz landete und ein Jahr später der griechische Komponist und Politiker Mikis Theodorakis, eine Ikone der Linken, Dritter wurde. Ebenfalls in den letzten Jahren dabei: ein Mitglied der EU-Kommission, ein populärer Filmregisseur, ein prominenter Pastor und sogar die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter.

Auch zwei Deutsche schafften es schon vor Augstein mit antisemitischen Äußerungen in die »Top Ten« des SWC: Thilo Sarrazin im Jahr 2010 und Hermann Dierkes zwölf Monate später. Darüber echauffiert hat sich damals allerdings kaum jemand: Bei dem einen interessierten sich die Medien erheblich mehr für dessen Äußerungen zum Islam, und der andere ist ein derartig bockbeiniger Desperado, dass ihn außerhalb der Linkspartei kaum jemand verteidigen mochte. Augsteins Nominierung dagegen sorgt nun für eine Welle der Empörung in nahezu sämtlichen Medien und in fast allen politischen Lagern (selbst beim Zentralrat der Juden in Deutschland, der augenscheinlich nach dem Motto »Lieber mit der Rotte heulen als im Abseits stehen« verfährt). Nicht wenige glauben, dem SWC allerlei Ratschläge erteilen zu müssen, wie es seine »Top Ten« zu gestalten und welche Kriterien es dafür zugrunde zu legen habe. In Abwandlung von Karl Luegers Diktum »Wer Jude ist, bestimme ich« heißt es nun: »Wer Antisemit ist, bestimmen wir« – und nicht etwa eine jüdisch-amerikanische Organisation, deren Namensgeber, ein Überlebender der Shoa, die »Suche nach Gerechtigkeit für Millionen unschuldig Ermordeter« zu seiner Lebensaufgabe gemacht hatte.


Das Gerücht über die Juden

Dabei gibt es beste Gründe, Augstein einen Antisemiten zu nennen, wie insbesondere Henryk M. Broder in der Welt, Rainer Trampert in Konkret und Stefan Gärtner in der Titanic (sic!) überzeugend nachgewiesen haben. »Die fantasierte jüdische Weltherrschaft«, so resümiert Trampert, »die Weltkriegsgefahr, die Aufregung über eine Fiktion und die Gleichgültigkeit gegenüber realen Kriegen und Kriegstoten, die Insinuationen, dass Israel hinter dem Mohammed-Film, dem Krieg in Syrien und der iranischen Bombe stecke und die Toten in den innerarabischen Machtkämpfen zu verantworten habe, die Wiederholung der Lüge vom Juden, der aus dem Antisemitismus Profit schlage, diese ganze Sammlung perfider Projektionen zeigt eine Verblendung, die mit einer Kritik an Aspekten israelischer Politik nichts mehr zu tun hat.« Hinzu gesellt sich noch der altbekannte Trick, »sich als Verfolgte[r] darzustellen«, wie Adorno analysierte, »sich zu gebärden, als wäre durch die öffentliche Meinung, die Äußerungen des Antisemitismus heute unmöglich macht, der Antisemit eigentlich der, gegen den der Stachel der Gesellschaft sich richtet, während im Allgemeinen die Antisemiten doch die sind, die den Stachel der Gesellschaft am grausamsten und am erfolgreichsten handhaben«. Oder, um es mit Stefan Gärtner zu formulieren: »Dass die Juden uns den Mund verbieten, ist das Gerücht über die Juden, das nach Adorno der Antisemitismus ist. Wer glaubt, dass es wahr sei, ist ein Antisemit. Augstein ist einer.«

Dass er nun trotzdem nahezu unisono freigesprochen wird, liegt maßgeblich daran, dass diejenigen, die sich zu seinen Anwälten aufschwingen, keinen Begriff vom (modernen) Antisemitismus haben und sich in Bezug auf Israel in der Regel kaum bis gar nicht von Augstein unterscheiden. »Die meisten wollen Augsteins antisemitisches Potenzial schlicht nicht erkennen, weil sie es mit ihm teilen«, schreibt Jennifer Nathalie Pyka zu Recht. Augsteins Auslassungen über den jüdischen Staat und seine Regierung hält beispielsweise der Zeit-Autor Frank Drieschner bloß für »triviale Feststellungen«, Nils Minkmar befindet in der FAZ, sie entstammten »keinem vagen Ressentiment«, sondern entsprächen »der Wahrheit«, und Christian Bommarius urteilt in der Frankfurter Rundschau, Augstein nehme sich »lediglich die Freiheit, die Regierung Netanjahu dafür zu kritisieren, wofür sie alle Welt kritisiert« – so, als wäre der fundamentale Unterschied zwischen Kritik und Ressentiment eine Frage von Mehrheiten. Henryk M. Broder hat die Unfähigkeit und den Unwillen, im Volkssport namens »Israelkritik« eine moderne und gefährliche Form von Judenhass zu erkennen, bereits im November 2011 auf den Punkt gebracht: »Für Antisemitismus gibt es in Deutschland seit 1945 einen klaren Maßstab: den Holocaust. Alles darunter ist eine Ordnungswidrigkeit.« Wenn nicht sogar ein Menschenrecht.

Und da Broder vom Simon Wiesenthal Center gewissermaßen als Gewährsmann für Augsteins Antisemitismus geführt wird, stürzen sich nun nicht wenige wie die Hyänen auf ihn. Niemand davon unternimmt auch nur den Versuch, Broders präziser und hellsichtiger Kritik mit Argumenten zu begegnen; an die Stelle einer inhaltlichen Auseinandersetzung treten teilweise hasserfüllte Beschimpfungen, die Bände sprechen. Der »Antisemitismusexperte« Klaus Holz etwa bezeichnet Broder im Deutschlandradio als »Pöbler«, Nils Minkmar nennt ihn in der FAZ den »Bud Spencer unter den deutschen Kommentatoren«, Joachim Petrick hält ihn in Augsteins Freitag für einen »hochtrabend dahergaloppierenden ruchlosen Rüstungslobbyisten des militärisch-psychiatrisch-pharmazeutischen Industriekomplexes der USA«. Für Christian Bommarius, Autor der Frankfurter Rundschau, ist der jüdische Publizist gar ein moderner Goebbels, der froh sein kann, dass er »bis heute frei herumläuft«. Es blieb Rabbi Abraham Cooper, dem stellvertretenden Direktor des SWC, vorbehalten, nüchtern klarzustellen: »Wir haben nicht mit Broder gesprochen, er hatte keinen Einfluss auf die Entscheidung. Aber ein Großteil unserer Mitglieder kennt Augstein nicht, deswegen wollten wir Broders Perspektive dazunehmen. Er ist ein in der jüdischen Gemeinde weltweit respektierter Wortarbeiter, und anders als wir ist er vor Ort in Deutschland. Augstein hat auf seine Kritik übrigens nie reagiert, das halte ich für sehr vielsagend.«


Die Grenzen des Unsäglichen

Apropos vielsagend: Kaum jemandem scheint aufgefallen zu sein, dass bereits die faktische Existenz einer ganz großen deutschen Koalition gegen das SWC und für Jakob Augstein, die von der FAZ bis zur taz und von der CDU bis zur Linkspartei reicht, einen Beweis dafür darstellt, wie falsch, um nicht zu sagen demagogisch die allenthalben – und natürlich auch von Augstein selbst – zu vernehmende Behauptung ist, der Antisemitismusbegriff werde inflationär verwendet und damit schändlich missbraucht. Ganz im Gegenteil ist durch die massive öffentliche Intervention zugunsten eines prominenten israelfeindlichen Publizisten – und genau das war ihr Ziel – die Grenze des Sagbaren (genauer: des Unsäglichen) noch einmal verschoben worden. Wer künftig behauptet, Israel führe »die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs«, gefährde den Weltfrieden und pferche Palästinenser in einem Lager namens Gaza zusammen, kann sich im Falle von Kritik bequem auf den Freispruch für Augstein berufen – der ein Freispruch für Deutschland ist und zudem einem Persilschein für die gesamte »Israelkritik« gleichkommt. Selbst am Zentrum für Antisemitismusforschung ist man schließlich der Ansicht, dass derartige Äußerungen vielleicht »grenzwertig« sind, aber nicht antisemitisch (was das ganze Elend perfekt macht, doch keineswegs überraschend kommt).

Betrachtet man die gegenwärtige Debatte geschichtspolitisch, dann gesellt sich noch ein weiterer, nicht unwichtiger Aspekt hinzu: Nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Mauthausen hat Simon Wiesenthal alles daran gesetzt, nationalsozialistische Täter einem juristischen Verfahren zuzuführen, während sie in Deutschland geschützt und gedeckt wurden, Pensionen erhielten und wieder teilweise höchstrangige Ämter bekleiden durften. Als die meisten Altnazis nicht mehr lebten und es den Deutschen, nachdem sie sich wiedervereinigt hatten, schließlich auch noch gelang, einen finanziellen Schlussstrich unter die NS-Zeit zu ziehen, begannen sie, Mahnmale zu bauen, staatliche Gedenkveranstaltungen auszurichten, sich selbst für geläutert zu erklären und schließlich den moralischen Profit aus ihrer »Vergangenheitsbewältigung« einzufordern – wozu es auch gehört, die »Israelkritik« als »Lehre aus der Geschichte« zu verkaufen. Dass man diese Masche beim Simon Wiesenthal Center durchschaut, aus guten Gründen misstrauisch bleibt und auch deshalb regelmäßig Deutsche in die »Top Ten« der erwähnenswertesten antisemitischen Verunglimpfungen beruft, nehmen die Nachfahren und Erben der Täter dem Zentrum erkennbar übel.

Umso erfreulicher, dass man beim SWC nun Augsteins Nominierung bekräftigt und verteidigt. »Ich habe großes Verständnis dafür, dass Henryk M. Broder Augstein wegen dessen Agitationen mit Julius Streicher vergleicht«, sagt Efraim Zuroff, der Direktor der Jerusalemer Dependance dieser Einrichtung. »Augstein misst beim Thema Israel mit zweierlei Maß, macht aus Tätern Opfer, klammert den Terror der Hamas vollkommen aus. Seine Äußerungen sind ganz und gar empörend, diffamierend und ekelhaft.« Und Rabbi Abraham Cooper fordert: »Augstein sollte sich bei seinen Lesern und dem jüdischen Volk entschuldigen.« Dass er das nicht tun wird, darf als sicher gelten – so sicher, wie das SWC auch am Ende dieses Jahres wieder reichlich Auswahl haben wird, wenn es darum geht, die Ausfälle eines deutschen »Israelkritikers«, der kein Antisemit sein will, in die »Top Ten« zu hieven.

(Zuerst veröffentlicht auf Lizas Welt.)

Offene Notiz für Julia Klöckner

Der Antisemitismus-Vorwurf gegen Augstein ist auch nach Ansicht von CDU-Politikerin Klöckner ungerechtfertigt. “Wenn jemand in einer freien Gesellschaft Regierungen kritisiert, ist das sein gutes Recht”, sagte Klöckner an diesem Donnerstag. “Wenn man daraus Antisemitismus ableitet, dann ist das sehr gewagt.”

Stand bei Spiegel-Online.

Sollte das nicht stimmen und Sie heute dementieren, sehr geehrte Frau Klöckner, machten Sie mich glücklich und vergessen Sie dann einfach, was jetzt folgt.

Also:

Hallo Frau Klöckner,

das Gute zuerst. Seit gestern weiß ich, dass meine geliebte Partei eine stv. Vorsitzende namens Julia Klöckner hat. Herzlichen Glückwunsch. Und immerhin haben Sie es sogar auf die Seiten von Spiegel-Online gebracht. Ist doch was.

Weiterhin das Beruhigende. Das besteht darin, dass stv. Bundesvorsitzende der CDU nur in den geringsten Fällen in der Vergangenheit, ich bin seit 1977 in der CDU, etwas zu sagen hatten. Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Und in Zeiten, da Mutti eh alles bestimmt und eine politisch diskutierende Partei nicht wirklich gefragt ist, ohnehin nicht. Daher kann ich mich beruhigt nach dem Auskotzen dieser Zeilen wieder hinlegen.

Beim allem anderen allerdings beginnt es zu gruseln. “Wenn jemand in einer freien Gesellschaft Regierungen kritisiert, ist das sein gutes Recht” Stimmt auffallend. Das ist gewissermaßen ein Inhalt der freien Gesellschaft, Sie haben es mit vollendetem Scharfsinn durchschaut. Das mit der freien Gesellschaft geht jedoch noch viel weiter. Man darf nämliche alles kritisieren, Schwaben in Berlin, die Preise des Pfälzer Weins, sinnfreie Äußerungen stv. Parteivorsitzender und man glaubt es kaum, sogar antisemitische Journalisten. Ist eine ganz tolle Sache, so eine freie Gesellschaft.

“Wenn man daraus Antisemitismus ableitet, dann ist das sehr gewagt.” Was wollen uns diese Zeilen sagen? Klar, in diesem Land, in dem der Antisemitismus erfolgreich mit bedingungsloser Kapitulation am 08.05.1945  um 23:01 Uhr abgeschafft wurde, kann es den gar nicht mehr geben, weshalb es ungemein gewagt wäre, das Gegenteil zu behaupten. Aber angenommen, es wagte jetzt doch einer, dieser Jude Broder zum Beispiel oder der Zuroff. Dann müßte er einen Bezug haben. Sie behaupten, es läge an der Kritik Augsteins an “Regierungen”. Unterstellen wir, das wäre so, was blühender Unfug ist, aber dazu weiter unten, dann folgern Sie, dass Kritik an Regierungen deshalb nicht antisemitisch sein könnte, weil die freie Gesellschaft sie zulässt? Vielleicht sollten Sie das mehrfach nachlesen, wer weiß, eventuell gelingt es dann sogar, die vollständige inhaltliche Unsinnigkeit dieser Aussage zu erkennen. Aber falls nicht, helfe ich gern auf die Sprünge. Freie Gesellschaften erlauben Antisemitismus, wenn er nicht volksverhetzend ist. Antisemitismus, verehrte Frau Klöckner, beginnt nämlich nicht erst auf der Rampe, auch wenn unsere Vorfahren mit der Gaskammer im Krematorium da unerreichte Maßstäbe gesetzt haben. Er ist etwas völlig Alltägliches und nur weil die Freiheit des Wortes ihn erlaubt, ist es nicht verboten, ihn auch als solchen zu bezeichnen. Was haben wir gelernt? Ist zwar eine tolle Sache, so eine freie Gesellschaft, aber manchmal richtig kompliziert. Besonders wenn eine verständliche und stimmige Aussage dabei herauskommen soll. Ich gebe zu, man läuft immer Gefahr, diese Fähigkeit im Rahmen der Parteisozialisation zu verlieren. Aber glauben Sie mir, lernen Sie es einfach wieder, kommt beim Wähler gut an. Versprochen.

Soweit so schlecht. Aber zwei sinnvoll miteinander verknüpfte Sätze sind schon anstrengend und vielleicht sollte man sie nicht einfach voraussetzen und Ihnen den völlig missglückten Versuch gemein um die Ohren hauen. Was ich aber nun unverschämter Weise wirklich bei einer stv. Bundesvorsitzenden voraussetze, ist die Fähigkeit des Lesens und der Sinnentnahme. Da enttäuschen Sie mich. Ihre einzige Entschuldigung wäre, nie etwas von Jakob Augstein zum Thema gelesen zu haben. Wäre aber auch Bullshit, warum äußerten Sie sich dann dazu? (Weil SPON anrief und Sie sich geschmeichelt fühlten, ich ahne es).

Das Dumme ist nämlich, kein Mensch hat Jakob Augstein einen Antisemiten genannt, weil er “Regierungen” kritisiert hätte. Btw. warum eigentlich drücken Sie sich derart gewunden aus, haben Sie ein Problem damit, die Worte israelische Regierung in den Mund zu nehmen? Dürfen Sie, die beiden Worte zusammen sind per se nicht antisemitisch. Bestimmt. Aber auch wegen einer Kritik an der israelischen Regierung hat der Walsersohn seinen Preis nicht bekommen. Selbst wenn diese unter dem Begriff Israelkritik bekannte Modeerscheinung schon die Befassung lohnt, besteht sie doch in dieser Form meist nicht aus legitimer Kritik an für falsch gehaltener Regierungspolitik, sondern bewusster Nachrichtenunterdrückung, Falschdarstellung und Diffamierung, gepaart mit obsessiver Verengung der Weltsicht auf ein hessengroßes Land im Nahen Osten. Doch für die Antisemiten TOP TEN hätte das nicht gereicht. Sonst wäre am Ende noch unser gemeinsamer Parteifreund Polenz dabei gewesen, Gott behüte.

Hätten Sie Augstein gelesen oder könnten Sie Gelesenes auch verstehen, dann hätte Ihnen auffallen müssen, dass Jakob Augstein völlig ungeniert und nahezu platt immer wieder primitive antisemitische Stereotype verwendet, durchaus in der Absicht, das deutsche Bauchgefühl zu wecken. Zwei exemplarische Aussagen will ich versuchen, Ihnen darzustellen.

Da war die Sache mit der Grassdebatte. Dieses gekonnte Machwerk, in dem der Greis mit Waffen-SS Jugend auf perfide Weise die Juden gleich zur Gefahr für den Weltfrieden stempelte, klang ja etwas wie Weltjudentum, Täter und Opfer umkehrte, um dann die alten Wiedergutmachungsängste im deutschen Volkskörper zu wecken, durch Hinweis auf die U-Boote. Daran hängte sich Jakob Augstein. Aber weniger verschlüsselt als der Grass. Als hätte jener das Steinchen in den Teich geworfen und die Reaktion darauf ermutigt, einen zweiten Versuch in ungeschminkterer Form zu wagen. Augstein setzte sich an die Spitze und seine Kommentierung der zuvor im Spiegel aufgewärmten U-Bootstory ließ keine Demaskierungswünsche offen. Hatte die Reaktion auf den Artikel gezeigt, dass allein “friedensgefährdende U-Bootlieferungen” doch nur Aufreger beim geneigten Ökopax hervorrufen, machte Augstein es jetzt ganz vulgär, dass man auf den ersten Blick an Satire glauben konnte. Für die deutschen Subventionen fürs U-Boot (übrigens damit auch für die eigene Werftindustrie), suggerierte er, wäre Geld vorhanden, sofern die Juden danach riefen, was dann den armen Schleckerfrauen zur Auffanggesellschaft fehlte. Die inhaltliche Zusammenhanglosigkeit wird ihm aufgefallen sein, nur darauf kam es nicht an, wichtig war eines, auf diese Weise wurden die darauf gestoßen, denen die U-Bootlieferungen solange egal waren, bis Deutschland nicht wieder finanzielle Hilfen an Israel leistete. Das gute alte Wiedergutmachungslamentieren galt es erneut zu provozieren, dass es jetzt selbst der Dümmste raffen musste. Augsteins Anliegen war schlicht, Israelfeinde aller politischen Richtungen gemeinsam mit dem guten alten Antisemiten unter einen Hut zu bringen. Ich erkenne da keine Regierungskritik.

Beispiel zwei. Antisemitismus hat eine Menge mit Verschwörungstheorien zu tun. Sie erinnern sich vielleicht, die Weisen von Zion gab es da mal oder 9/11 Truther, wenn sie behaupten, die Juden hätten das WTC vor dem Einschlag verlassen. Sicher erinnern Sie sich daran, dass kürzlich in Bengasi ein al-Qaida Kommando den amerikanischen Botschafter ermordete und in Khartum unsere Botschaft abgefackelt wurde. Zur Begründung wurde ein lächerliches Filmchen herangezogen, das in den Wüsten wohl täglich auf Youtube zu sehen war. Jakob Augstein hingegen verbreitete seine recht eigenwillige Version: „Kann man sich vorstellen, dass der kriminelle Kopte, der sich das vermutlich im Gefängnis ausdachte, und seine Crew ohne ihr Wissen dafür missbrauchte, in anderem als im eigenen Auftrag handelte? Zumindest traut man den Fundamentalisten im Lager der US-Republikaner und in der israelischen Regierung zu, die unerwartete Schützenhilfe politisch auszunutzen – was sie auch tun.“ Klar, schreibt Augstein nicht, der Jude ist schuld, dermaßen dumm ist er nun auch nicht, nein, diesen Schluss überlässt er voll und ganz dem Leser, doch man muss wirklich den Kopf woanders hin gewendet haben, um das nicht dem Text entnommen zu haben; die jüdischen Verschwörer samt CIA als Drahtzieher. Blödsinn darüber hinaus, weil die vorhersehbare Folge der Botschaftsmorde eher der feige Rückzug des Westens war und nur Nachteile für Israel brachte, denn die Leisetreterei ist voll in den Trend geraten. Wirklich, der antisemitische Klassiker schlechthin. So offensichtlich, dass es einem schon dusselig vorkommt, es dezidiert auszuführen. Als Broder an der Stelle ausrastete, hat Augstein mit gutem Grund den Rechtsweg gescheut.

Das habe ich alles noch bei mir selber geklaut. Hier, hier und hier. Es gibt auch Berufenere, bei denen Sie hervorragend sehr viel mehr nachlesen können, jene deutlichen Unterschiede zwischen Regierungskritik und Antisemitismus à la Augstein. Broder selbst hat die Mühe nicht gescheut, es ausführlich zu tun. Falls der Ihnen zu jüdisch ist, Sie ihn befangen finden, nehmen Sie Reiner Trampert. Altlinksaußen, in der gesamten Debatte völlig außen vor. Seine Darstellung ist eine Detailarbeit, die Sie gern widerlegen dürfen, falls Sie Ihre Äußerungen gegenüber SPON aufrecht erhalten wollen.

Meinen Respekt allerdings hätten Sie, wenn Sie sich entschuldigen würden. Für den Mist, den Sie da verzapft haben. Nicht, dass auch Sie noch zu den heimlichen Trägern des guten Gewissens zu zählen wären, die sich ertappt fühlten.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Schönen Freitag noch.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne, weiterhin bei Brüh-im-Lichte.

Herrchens Gescherrchen

Deutschlands Stellung in der Welt zu behaupten ist eine echte Aufgabe. Wer ist zuständig? Klar, Mutti, der Guido, das Auswärtige Amt und damit alles seine demokratische Ordnung hat natürlich auch der Auswärtige Ausschuss des Deutschen Bundestags. Das ist okay, denn, wer will es leugnen, einen stressigen Job machen die da alle.

Zum Beispiel mit dem Euro ist das so eine Sache, der geht nämlich baden, am liebsten im Mittelmeer, weshalb uns die Griechen nicht mehr leiden mögen, weil wir die zwar finanzieren, aber um die Eurobündel keine roten Schleifchen nett drapieren, obwohl Weihnachten ist und die Verkäuferinnen bei Douglas das immer recht hübsch machen. Aber Mutti eben nicht. Dann wäre da die Deutsche Bundeswehr. Die führt zwar der de Maizière, aber wo die kämpfen gehen, ist natürlich Außenpolitik. Zur Zeit in Afghanistan, wo die Frage zu klären wäre, ob die Jungs da einfach wieder raus gehen sollen, die Menschen den Taliban ausliefern und die Gefallenen sich völlig sinnlos vorher von denen haben totschießen lassen, während der Guido sie gern nach Mali schicken möchte, weil diese Salafisten nicht nur dann unfreundlich werden, wenn sie bei Youtube Videos gucken, sondern Handabhacken, Steinigen usw. gerade nach Timbuktu exportieren. In Afrika ist überhaupt, guckt man näher hin, eine Menge los, von den Piraten, den richtigen, nicht den mit den Gesundheitslatschen bei Twitter, ganz abgesehen, das könnte die deutsche Außenpolitik nicht nur dann entdecken, wenn gerade die Botschaft in Khartum abgefackelt wird. Der Amipräsident kommt nie vorbei, guckt immer nach Asien, weil er glaubt, dort spielte die Musik, Europa wäre out, ist besonders ärgerlich, weil er Recht hat. Manchmal betreiben Abgeordnete auf eigene Faust Politik, wie der Hinterbänkler Thomas Feist, der die Mullahs eine Runde besuchen und aufwerten ging, vielleicht um ein paar Embargoumgehungstipps zu geben, unser Außenminister darf da nicht hin und will bestimmt auch nicht, weil ihm dort beim Anblick von Baukränen immer ein unangenehmes Ziehen im Nacken beschleichen würde. Achja, der Erdogan, der gern möchte, dass die Islamisten in Syrien künftig die Minderheiten massakrieren und nicht mehr Assad die Mehrheitsbevölkerung, der kriegt jetzt deutsche Patriots, samt Soldaten, zum Träumen vom Neoosmanismus mit des Kaisers Nachfolgearmee.

Bestimmt eine Menge anderes noch. Viel zu tun. Auch für unseren Lieblingsabgeordneten Polenz. Der ist bekanntlich noch Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, hatte sich mal am obigen Afghanistanproblem versucht, indem er gemäßigte Taliban entdeckte und mit ihnen in der Schweiz vor Jahresfrist Tee trinken ging, wobei gemäßigte Taliban sind vermutlich die, die immer bunte Steine beim Köpfewerfen verwenden lassen. Von den Taliban ist er mittlerweile runter, er macht wieder auf Judenobsesssion bei Facebook, kann er zweifellos am besten, Israel ist an allem Schuld, verlinkt was dazu und seine gemischt islamistisch und linke Fantruppe kommentiert. Der Mann ist in der CDU? Angeblich schon, aber erfreulicher Weise bald aus dem Verkehr gezogen.

Letztes Jahr hatte er das Highlight deutscher Außenpolitik in einem 15 Kinder Waldorfkindergarten in Israel ausgemacht, wo angeblich kleine Beduinen herzallerliebst mit kleinen Juden spielen, was denen echt gegönnt sei, aber nicht unbedingt den Nahostkonflikt löst. Dabei sich mit einer eher kuriosen Figur namens Irena Wachendorff gemein gemacht, die falls es jemand erinnert, zwar Israel nicht mochte, sich aber dafür eine komplett erlogene jüdische Biografie ausdachte und damit hausieren ging, was der Polenz so toll fand, dass er jeden Zweifel am liebsten gerichtlich verboten hätte. Nachdem die Tante verdientermaßen entlarvt war, der Polenz düpiert das zu ignorieren suchte, Entschuldigungen sind nicht sein Ding, sich krampfhaft einem neuen Thema widmete, wie schränken wir die Meinungsfreiheit zugunsten der Salafisten ein zum Beispiel, gibt es spaßeshalber bei Facebook eine Seite, auf der darauf geachtet wird, wann die schwer geltungssüchtige Wachendorff sich wieder mit ihren Geschichten aus der Deckung wagt und amüsiert feststellt, dass die Sache mit der erfundenen Judenbiografie gar nicht selten vorkommt.

Nun hat allerdings die Wachendorff noch treue Fans. Siehe da, sogar in der schwer arbeitenden Mitarbeiterschaft der deutschen Außenpolitik. Zugegeben, wie oben dargestellt gibt es viele Probleme, aber wahrlich gewichtig, besonders während der Arbeitszeit am Mittag und Nachmittag ist doch der längst geklärte Wachendorff Fall. Soviel Zeit muss sein, dachte Jutta Leiendecker, loggte bei Facebook ein, ließ sich ganz undiplomatisch das Hirn mit Adrenalin fluten und legte los:

Wer anders denkt ist mal braun, mal Arschloch, ist dämlich, hat ein aufgeweichtes Gehirn, auf Texte wird geschissen, statt dass sie sich vor Angst in die Hosen machte und zum Abschied ein leises Fuck off. Gut, Facebook ist kein Kniggelehrgang, auch wenn der Zuckerberg das gern hätte, es sei der Frau verziehen, schließlich, wie schrieb sie, „wir geben nicht auf“ und „uns kriegen sie nicht klein“. Da vermutlich nicht vier alle gemeint sind, ist es wohl die verschworene Gemeinschaft des wachendorffschen Volkssturms, die zum Endsieg bläst und wer der angehört, der muss einfach seine Diktion der Aufgabe anpassen. Was das jetzt alles mit der Außenpolitik und ihrem parlamentarischen Ausschuss zu tun hat? Ein Fiesling schaute nach, er entdeckte: Walküre Jutta ist hauptberuflich nichts weniger als die Erstsekretärin (klingt fatal nach erstem Sekretär, aber das war eine andere Geschichte) des Ausschusses und Vorzimmer des Sekretariatsleiters. Die eben auf Kosten des Steuerzahlers ihre angesichts der Probleme sicher eher knapp bemessene Arbeitskraft heute den wirklich wichtigen Dingen des Lebens widmete, in der einzigen Welt die zählt – Facebook. Wollten wir nicht immer schon einmal wissen, wie sich der Sprachstil der Diplomatie im internen Kreise anhört?

Gefunden hatte man die Dame hier: Wie, Sie lesen bei diesem Link gar nichts mehr von Jutta Leiendecker? Überraschung. Man glaubt es kaum, Verwaltung kann schnell arbeiten, wenns um die eigene Haut geht. Kaum waren ein paar Stunden vergangen, da hatte vermutlich die EDV-Abteilung des Deutschen Bundestages ran müssen. Schwupp war sie weg, unter Kontakt, die Erstsekretärin. Heute hatte die Verwaltung der deutschen Außenpolitik richtig zu tun.

Aber der Netzgott ist böse und vergisst nichts. Da hätten wir den langsam arbeitenden Googlecache, so sah das doch viel schöner aus, ans Layout hätten sie nun wirklich noch denken können und diese lustige Seite: Zur Verdeutlichung der Begriffe Erst- und Zweitsekretärin hat der Übersetzungsleo, warum auch immer, just jenen heute gelöschten Teil der Bundestagsseite verwendet. Simsalabim, da ist sie wieder. Unsere Kämpferjutta, die Erstsekretärin.

So sind sie, die sozialen Netzwerke, sie verführen immer wieder nicht nur unschuldige Piratenparteiler auf Twitter sich selbstgewählt der Lächerlichkeit preiszugeben. Auch des Lieblingsausschussvorsitzenden Erstsekretärin bemüht sich nach Kräften, der Welt mitzuteilen, dass die mitteilungsbedürftige Kostümjüdin nicht nur Polenz Steckenpferd war, sondern gleich das des Personals.

Wir sind ein glückliches Land, dessen Parlamentsmitarbeiter in diesen Zeiten keine anderen Probleme kennen.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Öffentlich-rechtliche Qualität und der Experte

Zu den heiligen Kühen dieses Landes gehören die öffentlich-rechtlichen Medien, so heilig, dass sie sich als verfassungsrechtlich abgesichertes ZwangsPayTV eine groteske Mischung aus Datenkrake und Moskauinkasso namens GEZ leisten dürfen und in laute Empörung über den Angriff auf ihre Unabhängigkeit ausbrechen, wenn sie mal ein Politiker anruft und sich über das eine oder andere sinnfrei beklagt, wo sie nur nein zu sagen bräuchten oder den Anrufer durch den Kakao ziehen, wie Kai Diekmann von der bösen Bild es vormachte. Schmerzlicher Weise passen Empörung und Zeigefinger besser zu ihrem Selbstbild, als irgendwelche Formen von Humor, gar schwarzem.

Umso größer ihr Anspruch. Qualität soll es sein, Objektivität, der Wahrheit verpflichtet usw., das übliche Blabla. Womit wir bei einem Merkmal für Objektivität wären, der Trennung von Nachricht und Meinung. Wie das gehandhabt wird, konnte man hier sehen. Aber es gibt noch viel mehr zu bestaunen. Zur neuesten Medienmode gehört der Experte. Irgendein Mensch, möglichst mit akademischen Titel und wichtigem Gesicht, der am Ende der Berichte als Obergutachter und Hintergrundweiser zu dem befragt wird, was denn der Zuschauer denken sollte. Vielleicht traut die Redaktion letzterem doch nicht recht über den Weg, ob der ganz allein in der Lage wäre, sich aus den Nachrichten die richtige Meinung bilden zu können.

Seit man auch öffentlich-rechtlich festgestellt hatte, dass es Kriegsauseinandersetzungen zwischen Israel und der Hamas, die den Gazastreifen okkupiert hat, gibt, als Israel sich gegen den Beschuss seiner Menschen wehrte nämlich, geistert der neueste Nahostwissende durch die Sendungen, Michael Lüders, stets vorgestellt als Publizist und Nahostexperte. In Tagesschau, Deutschlandfunk, beim ZDF. Wer sich am Samstagabend das heute-journal antat, bekam ein Lehrbeispiel, wie objektive Berichterstattung 2012 funktioniert. Der Krieg war der Aufmacher, natürlich, in drei Teile aufgeteilt. Eine sachliche Reportage über die israelische Seite, eine über die Lage in Gaza mit dumpfen Einschlagsgeräuschen im Hintergrund, der Erwähnung, dass es sich um schwerste Explosionen handelte, ohne jeden Hinweis, dass es gezielte Angriffe auf Stellungen und Kommandozentralen der Terroristen, die Gaza usurpiert haben, sind. Und dann die üblichen Verletzten, per Bahre ins Krankenhaus gebracht, von denen niemand weiß, wer sie sind, Terroristen, Zivilisten oder Schauspieler, wer sie getroffen hat und vor allem wo. Die Problematisierung der palästinensischen Lügen des Bilderkrieges, sie findet ebenso wenig in der Reportage statt, wie die Erwähnung der Vorgeschichte des israelischen Gegenschlags. Im Gegenteil, die ungeprüften Bilder sind Bestandteil der Sendung. Wie war das noch mit der Trennung von Meldung und Kommentar? Egal, man verdreht halt nur ein wenig die Tatsachen und verschweigt, glaubt sich auf der richtigen Seite und wäre empört, wenn man das Propaganda nennen würde. Soweit wie gehabt.

Dann endlich: Auftritt Michael Lüders, die stichwortgebende Moderatorin lässt keinen Zweifel an ihren Erwartungen und er enttäuscht sie nicht. Ein Biedermann, der die eingestreuten Ungeheuerlichkeiten mit liebenswürdiger Intellektuellenstimme verkündet. Ahmad Al-Dschabari, der Kidnapper, Menschenhändler und Befehlsgeber der Raketenmörder, der dem ersten Gegenschlag zum Opfer fiel, rechtmäßig als Kombattant, als Kommandeur, wird lächelnd und unwidersprochen als ermordet bezeichnet und mutiert zum Friedensboten, der angeblich Waffenstillstandsvorschläge bei sich hatte. Welchen Waffenstillstand fragt man sich, wie zynisch, wenn zu diesem Zeitpunkt seine Leute die einzigen sind, die schießen, mit Raketen auf Zivilisten versteht sich, der abgenagte Knochen von extremistischen Salafisten und ihrem Gegensatz zu gemäßigt extremistischen Hamasniks darf natürlich nicht fehlen, den Schwachsinn kannte man schon aus dem kalten Krieg von den Kremlastrologen, na klar, der Wahlkampf in Israel ist schuld, wie die putzige Putz das schon bei SPON schrieb, im Wahlkampf punkten, um die Ängste der Bevölkerung aufzufangen, nennt der Propagandist das Motiv für die israelische Gegenwehr, eine schon ziemlich widerliche Formulierung für die Tatsache, dass auf Menschen in Dörfern und Städten Raketen hageln, die aber übertroffen wird von der Feststellung im Zusammenhang mit dem syrischen Bürgerkrieg, dass zwei Kriege zu viel für den Nahen Osten wären, also allein das gegenseitige Abschlachten mit 40.000 Toten in Syrien wäre noch OK, schließt man messerscharf, bloß wenn diese Juden sich jetzt zusätzlich einfach ungenehmigt wehren, geht das echt zu weit. Es könnte sich auf andere Länder der arabischen Umstürze wegen ausweiten, ein Widerspruch zum vorigen, zum einen bestand diese Gefahr immer, zum anderen haben die Umstürze, siehe Syrien, ganz ohne Israel die Region mit Krieg überzogen. Aber der kluge Mann hat weiterhin eine Lösung für gleich das ganze Nahostproblem in der Tasche. Sonst wäre er ja kein Experte. Die Palästinenser müssten eine Perspektive bekommen, na klasse denkt man, wie in Gaza, wo nichts mehr besetzt ist, alles judenrein, voller internationaler Hilfsgelder, der Palästinenserstaat als Versuchsanordnung. Nur kam keiner auf die Idee den Menschen Aufbauperspektiven zu geben, sondern es wurde schlicht als Brückenkopf zum Kampf für die Vernichtung Israels genutzt. Ein echter Anreiz für Israel zu einseitigem Entgegenkommen. Aber da sind noch die Friedfertigen der Fatah in der Westbank, denen sollte man eine Aufwertung zukommen lassen, in dem man ihnen in der UNO ihre Staatlichkeit anerkennt. Warum wollen die das eigentlich? Sie könnten doch mit Israel um Frieden verhandeln, zweifach haben sie ein Abkommen abgelehnt. Abgelehnt, weil sie auf das verzichten hätten müssen, was sie Rückkehrrecht nennen und was nichts als die mitleiderregend klingende Forderung nach der Auflösung Israels als jüdischem Staat ist. Da ist die Idee mit den UN natürlich bestechend, es wäre die Anerkennung des Palästinenserstaates ohne die Notwendigkeit der gleichzeitigen Anerkennung Israels. Aus dem kleinen Gazaprojekt würde der Palästinenserstaat unter denselben Bedingungen. Die große Basis zur Vernichtung Israels. Herr Lüders spricht dies klugerweise nicht aus. Obwohl das ehrlich und der arabisch-israelische Konflikt nach der Entjudung tatsächlich der Lösung zugeführt wäre. Aber all diese guten Ideen scheiterten leider, so beklagt er sich, an den Ultranationalisten in Israel, die dort den Ton angäben, wie der freundliche Mann im Fernsehen die einzige nach westlichen Maßstäben demokratische Regierung der Region zu nennen pflegt.

Natürlich ist die erste Reaktion nach dem abklingenden Brechreiz, sich über derartige Auftritte aufzuregen, über diesen Mann und diese Moderatorin, die nicht eine einzige kritische Frage stellte. Aber dem Herrn Lüders täte man Unrecht. Der Publizist und Experte verdient nämlich sein Geld weder bei ARD noch ZDF, er berät Unternehmen. Nahostberatung nennt er das. “Es ist allerdings nicht immer einfach, in der Region Fuß zu fassen. Persönliche Kontakte und kulturelles Know-how sind entscheidend, um im Wettbewerb mit anderen Anbietern zu bestehen. Diesen Vorteil garantiert Ihnen die Nahostberatung von Michael Lüders”. Der Mann ist ein Türöffner, ein ausgezeichnet bezahltes Geschäft, dessen Voraussetzung ist, exzellente Kontakte und einen blendenden Ruf in Arabien zu haben. Das ist ein durchaus ehrenwerter Brötchenerwerb, nur gehört dazu eben stets, sich den Ruf nicht zu zerstören, nichts wäre geschäftsschädigender. Selbstredend kann Herr Lüders nur arabische Positionen öffentlich vertreten, abgesehen davon, dass sich sein ganzer Lebenslauf ausschließlich auf dieser Seite abspielt. Es ist sein gutes Recht in einem freien Land, jeden Unfug zu behaupten, den er möchte, sich damit seine wirtschaftlichen Möglichkeiten noch weiter zu verbessern und wer will es ihm verdenken, dass er es im Fernsehen zur besten Sendezeit tut, wenn er darum gebeten wird.

Es sind es die von unser aller Gebühren bezahlten Redakteure, die die Urheber dieses antiisraelischen Schmierenstücks sind. Wer Lüders bucht, bekommt Lüders, so einfach ist das und ihn als objektiven Experten dem unwissenden Publikum vorzuführen, das dann wieder sich kopfschüttelnd über diese friedensgefährdenden Israelis der nächsten Sendung zuwendet, ist eine abgrundtief böse Perfidie, in der erklärten Absicht, Israel zu schaden. Qualitätsfernsehen? Aufrichtiger wäre es wohl, die Bezeichnung verlogene, die Menschen manipulierende Agitation in Betracht zu ziehen. Von den hehren Grundsätzen eines Hugh Carleton Greene ist jedenfalls nichts mehr übrig. Möge sich nie wieder jemand über die Bildzeitung beschweren.

Apropos beschweren. Das könnte man sich. Zum Beispiel bei Ruprecht Polenz, MdB, Vorsitzender des ZDF-Fernsehrates. Auch Vorsitzender der Christlich-muslimischen Friedensinitiative e. V. und Kuratoriumsmitglied der Christlich-Islamischen Gesellschaft, begeisterter Lobbyist für den EU Beitritt der Türkei, verdienter Kämpfer gegen den Gedanken, die iranische Bombe mit Luftangriffen zu verhindern, berüchtigter Betreiber eines einzigartigen Facebookaccounts, wo sich alle Feinde Israels täglich austoben dürfen.

Was für ein Zufall.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Journalismus als Meinungsmanipulation oder auch ein Weg zu 20%

Neulich in der Redaktion nannte Claudio Casula seine schon im Dezember 2010 geschriebene bittere Satire über den Alltag des deutschen Journalismus im Umgang mit Nahostthemen. Sie ist zeitlos und das Schlimmste an ihr ist, dass sie nicht einmal satirisch wirkt. Es ist die schlichte fiktive Beschreibung der Wirklichkeit mit dem einzig Unrealistischen dabei, dass es einen solchen Praktikanten, wie er dort Protagonist ist, nie geben würde. In Schule, Medien, Studium, Umfeld längst gehirngewaschen, würde er gar nicht bemerken, wie die Wahrheit ist und seinem Chef schon von sich aus eitel Freude machen. Seit dem Wochenende bis zum gestrigen Mittwoch aber haben die deutschen Medien in einer schon verblüffenden Offenheit Casulas Darstellung für jeden sichtbar mit atemberaubender Dreistigkeit übertroffen.

Seit diesem Wochenende nämlich werden die Orte und Städte des Südens Israels täglich mit Raketen beschossen. Die Menschen leben zwischen Alarmen und Bunkern. Oft nur Sekunden trennen Abschuss und Einschlag. Kriegsleben eben, keine Schule, keinerlei Normalität. Tag für Tag, 120 bis 140 Raketen waren es bis zum Mittwoch. Beschaut man sich die Reaktion, wenn einzelne syrische Granaten in der Türkei explodieren, dann wären Heerscharen von Journaille mit Liveberichterstattung zu erwarten gewesen. Wie es tatsächlich war, hat jeder mitbekommen oder besser nicht mitbekommen. Der Beschuss fand in Deutschlands Medien nicht statt. Mit einer rühmlichen Ausnahme, dem Hamburger Abendblatt, dem einzigen Zeugnis dieses Kriegsverbrechens, nichts anderes ist der Raketenbeschuss von Städten und Dörfern ohne Kriegserklärung. Lediglich der Angriff der Hamas auf einen Militärjeep wurde kurz erwähnt, allerdings auch nur im Zusammenhang mit Gegenbeschuss, als gäbe es nicht Ursache und Wirkung. Was also lernte der deutsche Fernsehkonsument, Spiegel-, TAZ-, Süddeutsche-, Rundschau- oder was auch immer Leser? Es gab Ende letzter Woche einen Schusswechsel zwischen Israel und der Hamas. Punkt. Vier Tage später greifen die fiesen Juden plötzlich aus der Luft an und töten eine Art Minister. Einfach so. Fliegen seither Luftangriffe und die armen Palästinenser fürchten einen neuen Krieg, wie Spiegel-Online überaus perfide schrieb, als hätten deren Führer ihn nicht ein paar Tage vorher begonnen. Ein Schelm, wer nicht glauben wollte, dass die Raketenangriffe nicht in deutschen Redaktionsstuben bemerkt wurden, dass die Korrespondenten nicht in Bereitschaft saßen. Natürlich wollten sie berichten. Über den israelischen Gegenschlag. Solange mussten sie warten. Wahrscheinlich waren die Grundzüge ihrer Berichte schon fertig auf dem Laptop.

Dafür allerdings übertrafen sie sich dann selber. Im Spiegel, wo der Wahlkampf Netanyahu ein brandgefährliches Spiel mit einem Angriffskrieg spielen lässt, das öffentlich-rechtliche Qualitätsfernsehen dreht den Ablauf des Geschehens schlicht mit offener Lüge um, ebenso die TAZ, deren übler Propagandaartikel die Täter/Opfer Umkehr bis zum Äußersten auswalzt. Natürlich gilt dasselbe für so gut wie alle Medien dieses Landes auch, nicht einmal die FAZ würdigt die Vorgeschichte des Gegenschlags, der Leser soll nur nicht mit weiteren Beispielen gelangweilt werden. Falls er sie doch möchte, so schalte er den Fernseher ein. Es ist ein schier unbegreifliches Phänomen in diesem Land.

Gut, der deutsche Journalismus ist mit wenigen Ausnahmen ein Produkt der 68er, deren Liebe zu Massenmördern, wie Lenin, Hồ Chí Minh, Mao oder Che Guevara ebenso bekannt ist, wie ihre Hinwendung zum palästinenischen Terroranführer Arafat. Alles im Namen der persönlichen Abrechnung mit dem Nazismus der Väter wohlgemerkt. Aber das Hamasregime kann einfach nicht in deren Sinne sein. Eine gnadenlose Religionsdiktatur, die ihrer Gegner einsperrt, foltert, hinrichtet oder bei Gelegenheit auch mal aus dem Fenster wirft, die die Gesellschaft bis zu den kleinsten Kindern durchmilitarisiert hat und Frauen zu Menschen zweiter Klasse macht, das ist nicht wirklich die Lieblingsstaatsform des genderstählten Pazifisten. Dennoch ist er bereit, längst routiniert darin, alle Grundsätze eines objektiven Journalismus für dieses Regimes zu vergessen und offen manipulierende Propaganda dafür zu betreiben.

Wenn aber der unterstützte Angreifer nichts hat, was den geneigten Postachtundsechziger anziehen könnte, so muss sein Motiv auf der Seite Israels zu finden sein. Eine moderne Demokratie westlicher Prägung, engster Verbündeter der USA, gut, schon das ein Grund, es nicht zu mögen. Der Hass auf die freie Gesellschaftsordnung des Westens seitens ihrer größten Nutznießer ist Teil des beliebten linken Antiamerikanismus; so gesehen ist jeder ein Verbündeter, der eine westliche Gesellschaftsordnung bekämpft. Das allein aber reicht zur Erklärung nicht. Es ist dem Journalisten klar, was er tut, wie es ankommt. Jetzt schlagen die Juden schon wieder einfach los und gefährden den Frieden, stellt der deutsche Zeitgenosse ganz offen in den Foren fest, in einem Land, in dem sich die Studien nur darüber streiten, ob der latente Antisemitismus bei 20% oder 25% liegt und in dem auch ohne Günter Grass Konsens besteht, dass Israel die größte Gefahr für den Frieden darstellt, wo natürlich nicht zwischen Juden und ihrem Staat differenziert wird, warum auch. Wer kann es den Leuten verdenken, wenn sie ihre Nachrichten sehen, ihre Zeitungen lesen und es genau so bei ihnen ankommt. Ewig hauen die sich da unten und dann fängt Israel noch mit dem richtigen Krieg an. Wo wir doch nur unsere Ruhe haben wollen, um nachhaltige Windmühlen zu betreiben. Das antisemitische Denken wird nicht nur bedient, es wird bestärkt, bei den Jüngeren erst hervorgerufen. Auf die Idee, dem deutschen Wohnzimmerhelden vor Augen zu führen, was in diesem Land wohl los wäre, wenn die Nachbarn es zum Credo erhoben hätten, Deutschland auszulöschen, in deren Kindergärten und Schulen nur Hass gelehrt würde und täglich ein Gebiet im Größenverhältnis hochgerechnet auf Deutschland in der Größe Baden-Württembergs unter Raketenfeuer läge, kommt ein deutscher Redakteur natürlich nicht. Dann würde er ja Gefahr laufen, sein Leser würde verstehen, was in Israel passiert und weshalb es nicht nur rechtmäßig, sondern notwendig ist, sich zu wehren, Pflicht einer Regierung, die ihre Menschen schützen muss.

Israelkritik in dieser Form ist eben nicht legitime Kritik an für falsch gehaltener Regierungspolitik, sie ist platter Antisemitismus. Bewusste Nachrichtenunterdrückung, Falschdarstellung und Diffamierung, in dieser Woche nur so ungeniert und augenfällig, ohne Versuch einer Verschleierung, dass jeder, der hinsah, drüber fallen musste. Doch Realität schon seit Jahren, wenn auf Siedler verwiesen wird, die angeblich den Frieden unmöglich machten, statt auszusprechen, dass es in Wahrheit die Weigerung der palästinensischen Seite ist, Israel als Staat der Juden anzuerkennen, zeigt doch der Hamasstaat, wie nützlich es ist, alle Siedlungen abzubauen und ohne Friedensabkommen den Palästinensern das Land zu übergeben, wenn Gaza geschmacklos mit einem Ghetto verglichen wird, das gegen eine Hungerblockade Hilfsschiffe bräuchte und niemand berichtet, dass täglich alles Lebenswichtige über Israel geliefert wird, eine zweite Grenze zu Ägypten besteht und die Blockade nur dazu dient, Waffenlieferungen zu unterbinden, Waffen, die täglich eingesetzt würden; wenn Verhandlungen mit den Terroristen gefordert werden, obwohl die sympathischer Weise ganz offen sagen, dass sie gar nicht verhandeln wollen, sondern ihnen Gaza nur Aufmarschgebiet ist, um Israel zu vernichten. Wer wissentlich so falsch berichtet und verlogen argumentiert, dem geht es nicht um Kritik, schon gar nicht um freundschaftliche, es geht ihm um das Bekämpfen und Delegitimieren des Staates der Juden, um die Zerstörung seines Images in der deutschen Gesellschaft unter mindestens der Inkaufnahme, dass dies auch den allgemeinen Antijudaismus der Menschen fördert. Wer das tut, ist ein Antisemit. Von mir aus ein latenter.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Die Studie, der Katalysator, der Musterschüler und die 20%

Vor einigen Monaten erschütterte für ein paar Tage eine Studie, nein bestimmt nicht das Land, wohl aber die einschlägige Medienwelt. Antisemitismus wäre mitten in der deutschen Gesellschaft vorhanden, jeder fünfte Deutsche gelte zumindest als latent judenfeindlich. Überraschung. Wer sich ein wenig politisch mit Israel und Judentum beschäftigt, ab und an es sich antut, mit anderen darüber zu diskutieren oder gar in sozialen Netzwerken Diskussionen zu diesem Thema verfolgt, vielleicht einmal Occupy-Foren gelesen hat, kann nicht wirklich über diese Binsenweisheit staunen, er hätte keine Studie dafür gebraucht. Natürlich wurde ein paar Tage lang lamentiert und natürlich war das Wort Rechtsextremismus immer in einem Atemzug dabei. Fraglos ist der gemeine Nazi von NPD bis zu den Kameraden hasserfüllter Rassenantisemit bis auf die Knochen, weshalb von denen auch weiterhin Synagogen und jüdische Friedhöfe geschändet werden und überraschender Weise gar keine Moscheen. Die kennen sich nämlich mit ihrem Freund, dem Großmufti, noch aus. Nun glaubt jedoch nicht einmal der engagierteste Antifaschist, dass 20% der Menschen latente Neigungen zu den Nazis hätten, vielmehr sind die eine zwar gewalttätige, wie wir lernen mussten sogar mörderische, doch isolierte, verschwindend kleine Minderheit. Das mit dem Antisemitismus muss einen Tick komplizierter sein und vielleicht einige sehr unerfreuliche Nuancen haben, die der deutsche Mainstream nicht zur Kenntnis nehmen mag.

Niemand wird behaupten, der Antisemitismus in Deutschland verschwand am 8. Mai 1945 spurlos. Er war nur nicht mehr opportun und die Generation Wehrmacht, die die ersten drei Jahrzehnte der Bundesrepublik prägte, hatte vor allem zwei Formen, damit umzugehen. Die einen behielten es für sich, gaben Lippenbekenntnisse ab und schwadronierten erst nach dem dritten Bier am Stammtisch, vorzugsweise über “Wiedergutmachungszahlungen”, die anderen, ehrlich entsetzt über die beispiellosen Verbrechen und mit Schuldgefühlen belastet, begannen nach der Phase des mehr als ein Jahrzehnt dauernden Verdrängens, sich mit Israel zu solidarisieren, als könnten sie das Geschehene kompensieren. Wo ehrliche Auseinandersetzung aufhört, Philosemitismus beginnt, ob dieser nur eine weitere Spielart des Antisemitismus ist, ob die allgemeine Bewunderung für den “Blitzkrieg” 1967 ein heftiges Geschmäckle hatte, mag Raum für lange Abhandlungen geben, Tatsache ist leider nur, Israel weiß heute, es gibt schlimmere Einstellungen zum Staat der Juden.

Es kippte in Deutschland spätestens nach dem Yom Kippur Krieg und der Ölkrise, höhere Benzinpreise tun dem Deutschen weh, vor allem aber mit dem Marsch der 68er in die Schlüsselstellungen von Politik, Bildungsbetrieb und Medien. Naiv, wer besseres von einer Generation erwartet hätte, die unter der Prämisse des Bekämpfens des Nazigeistes der Väter Massenmörder zu ihren Helden kürte, von Mao Zedong über Che Guevara, Ho Tschi-minh bis Pol Pot. Warum nicht auch Arafat und seine die Baader-Meinhof Bande sponsernde PLO, die es in den schauderhaften 70er Jahren ausschließlich mit permanentem Morden schaffte, von einer Banditentruppe zur politisch anerkannten Kraft zu werden, ein bis heute nicht nachvollziehbarer Gruselvorgang. Statt Solidarität mit Israel begann das Zeitalter der Israelkritik und der Anbiederung an die Palimörder, was nach Übernahme der stets israelfeindlichen DDR noch erhebliche Verstärkung erfuhr.

Seit gut 30 Jahren sind Medienberichte aus Nahost bestenfalls von Äquidistanz geprägt, zunehmend von einer bis ins Absurde gehenden Täter/Opfer Umkehr samt kritikloser Übernahme von Fälschungen und offener Lügenpropaganda der Palästinenser. Denselben Weg gingen Schulbücher und Unterrichtsthemen. Wer je das Themas aufgenommen hat, läuft immer Gefahr, sich mit nichts anderem mehr zu befassen, denn jeder Tag bietet neue Beispiele. Wundert es, wenn das Israelbild vieler junger Menschen völlig verzerrt und negativ ist?

Im letzten Jahrzehnt gesellte sich zu den offenen Nazis, den stillen Stammtischantisemiten und den Israelkritikern noch eine weitere Gruppe, Israelhasser aus nahöstlichen und muslimischen Migrantenmilieus, die nun unbeleckt jeder deutschen Belastung aus ihren Gefühlen keine Mördergrube machten, “du Jude” als Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen einführten, dabei keinerlei Kritik aus dem politisch korrekten Lager zu befürchten haben. Sie können sich frei ausleben bis hin zu stürmerähnlicher Propaganda, was ganz sicher eine Wechselwirkung auf all jene Verschämten hat, die sich jahrzehntelang nicht trauten.

Als Antisemit fühlt sich außer der Handvoll Nazis natürlich niemand. Der brave Bürger stört sich nur daran, dass einem die Juden immer angeblich alles vorschrieben und man ewig zu zahlen hätte, der Israelkritiker meint nur die gegenwärtige Regierung Israels, egal welche allerdings, und kompensiert sein deutsches Trauma damit, dass die Juden, die er nun Zionisten nennt, mit den armen unterdrückten Palästinensern im Grunde dasselbe machten, wie einst die Nazis mit den ermordeten Juden (Geschmacksgrenzen sind ihm fremd), weshalb er letztere zwar immer noch beweint, doch keinen Bezug zur Gefährdung lebender Juden sieht (Broders “Vergesst Auschwitz” sollte Pflichtlektüre werden) und der israelhassende nahöstliche Moslem erklärt, er wäre doch selber Semit, und jeder Jude solle leben können, wo er wolle, nur eben nicht in Israel oder in seiner Nähe.

Das überrascht so wenig, wie es überzeugt, denn etwas ist in Deutschland tatsächlich mit dem Kriegsende so gut wie ausgerottet. Das Bekenntnis nämlich, Antisemit zu sein. Schon von den 23 Hauptangeklagten im Nürnberger Prozess blieb einzig Julius Streicher, alle anderen beeilten sich, Unleugbares zuzugeben, nur rein persönlich hätten sie gar nichts gegen Juden gehabt, eine Argumentation die sich durch alle Schichten und alle Jahrzehnte danach zieht. Warum sollten der geneigte linksgewirkte Israelkritiker und die anderen ehrlicher sein?

In dieses eher eklige Gemenge trifft zum christlichen Osterfest ein Gedicht. Und das wirkt nach zwei Monaten beileibe nicht mehr so lächerlich und grottig, wie es einem voll Verachtung am Anfang schien. Günter Grass hat seine Worte genau gewogen und abgründig bösartig mit allen Antisemitismen ganz offen gespielt. Es brauchte den Abstand und die Debatten danach, um das Lachen über den senilen Greis mit der verheimlichten SS-Jugend zu verlernen.

Grass beginnt mit Andeutungen, Worten wie “Überlebende als Fußnoten” und dem Begriff “Erstschlag”, was die Vorstellung eines atomaren israelischen Erstschlages in den Köpfen der Menschen weckt, die kranke Fantasie einer Art Atomholocaust durch die Nachfahren der Opfer an dem Volk des Iran. Nur so ist auch die Brücke zur Gefährdung gleich des Weltfriedens durch Israel zu schlagen, was dem Staat der Juden eine völlig irrationale destruktive Kraft unterstellt. Irrationale Furcht vor dem Bösen, das die Juden über die Welt brächten, aber ist genauso Kennzeichen des Antisemiten, wie die grenzenlose Überhöhung der Fähigkeiten eines ominösen Judentums als handelndes Subjekt. Gefährdung des Weltfriedens hat eben nicht nur klangliche Ähnlichkeit mit Weltjudentum. Nobelpreisträger sollten wissen, wie Worte verstanden werden. Kontrastierend verwendet er dann, die schlichteren Gemüter der anvisierten Zielgruppen nicht vergessend, so platte Stereotype, wie das “man müsse es ja mal aussprechen” und “man liefe Gefahr, deshalb des Antisemitismus bezichtigt zu werden”. Schon dies allein erklärt die gewaltige Reaktion, die er erzielte, nicht die negative in den Feuilletons, deren Schreiberlinge wohl bemerkt hatten, welche Grenzen Grass da überschritt, sondern die überwältigende Zustimmung in den Netzkommentaren, die mit dem Feedback auf das sonstige tägliche Israelbashing der Medien überhaupt nicht vergleichbar war und auch nichts mit dem Nimbus des Schriftstellers zu tun haben konnte, denn es meldeten sich vor allem jene ganz normalen Deutschen, die vermutlich nie in ihrem Leben ein Buch von ihm in der Hand gehabt hatten. Die 20% hatten ihre Stimme bekommen, hinter deren Prominenz sie es wagen konnten, aus ihren Löchern zu kriechen. Grass jedoch ging dann noch einen Schritt weiter, jetzt wieder nur zwischen den Zeilen. Er spannte die Brücke von den üblichen Israelgegnern zum oben charakterisierten Stammtischantisemiten. Pazifistisch verbrämt kamen die U-Boote ins Spiel, verbunden mit dem unseligen Wort “Wiedergutmachung”. Mehr brauchte er gar nicht zu schreiben, um eine bestimmte Sorte deutscher Seelen zu treffen, jene nämlich, die immer wieder hinter vorgehaltener Hand klagte, es würden wegen des Judenmordes noch Generationen nachgeborener Deutscher mit finanziellen Lasten beschwert, sich als moralische Erpressungsopfer des schon erwähnten Judentums fühlten. Kaum jemand hat je verstanden oder verstehen wollen, dass die sog. “Wiedergutmachung” sich von Anfang an NICHT auf eine Art Entschädigung für sechs Millionen Ermordete bezog, was auch schlicht nicht wiedergutmachbar ist, sondern auf den Schadenersatz für schier unermesslich große geraubte Werte. Von arisierten Betrieben bis zu verwertetem Zahngold war es ein gigantischer Raubzug, den Ministerien und Reichsbank hochprofessionell organisierten. Dass diese Werte im wesentlichen im Wortsinne verpulvert wurden, weil davon sich die Kosten der letzten Kriegsjahre ganz erheblich mitfinanzierten, da mit den Rückzügen das Plündern fremder Staatskassen schwieriger wurde, ändert nichts an der Verantwortung des Nachfolgestaates, der die Bundesrepublik juristisch ist, vom moralischen ganz abgesehen. Die an Israel geleisteten Zahlungen sind bei weitem nicht den geraubten Gütern gleichwertig.*). Natürlich müsste ein Mann wie Grass, dessen gesamtes Werk immer wieder um die Nazizeit kreiste, das wissen, es dennoch so formuliert zu haben, zeigt die ganze Perfidie seines Machwerkes. Wenn es sein Ziel war, erstmals den kompletten antisemitischen Sumpf des Landes von links bis rechts zu vereinen, dann ging diese Rechnung auf. Er hat sie alle bedient und sie wagten sich zum sprachlosen Staunen derer, die es nicht fassen konnten, alle hervor. Wochenlang nahm es kein Ende.

Als die unselige Grassdebatte dann endlich ruhiger wurde, muss das Menschen gegrämt haben, so sehr, dass der Ball erneut aufgenommen wurde. Der Spiegel präsentierte den Grass aufgewärmt, seines pseudoliterarischen Brimboriums entkleidet, zur investigativen Räuberpistole umgearbeitet. Dieselben Zutaten; U-Boote, Atomraketen, deutsche Subventionen, Erstschlagskapazität, gefährdeter Frieden. Als hätte Grass das Steinchen in den Teich geworfen und die Reaktion darauf ermutigt, einen zweiten Versuch in ungeschminkterer Form zu wagen. Jakob Augstein, der Sohn des Schlußstrichwalser, setzte sich an die Spitze und seine Kommentierung der selbst aufgewärmten “Story” ließ keine Demaskierungswünsche mehr offen. Hatte sich beim Möchtegernhypeartikel gezeigt, dass allein “friedensgefährdende U-Bootlieferungen” doch nur Aufreger beim geneigten Gutmenschen hervorrufen, machte Augstein es so primitiv, dass man auf den ersten Blick an Satire glauben konnte. Für die deutschen Subventionen fürs U-Boot (übrigens damit auch für die eigene Werftindustrie), so die Suggestion, wäre Geld vorhanden, sofern die Juden danach riefen, was dann den armen Schleckerfrauen zur (sinnfreien) Auffanggesellschaft fehlte. Die inhaltliche Zusammenhanglosigkeit wird sogar diesem Autoren aufgefallen sein, nur darauf kam es nicht an, wichtig war eines, so wurden die darauf gestoßen, denen die U-Bootlieferungen solange egal waren, bis Deutschland nicht wieder finanzielle Hilfen an Israel leistete. Das gute alte Wiedergutmachungslamentieren galt es zu provozieren, auch Jakob Augstein, der Herr “im Zweifel links”, hatte vor allem ein Anliegen: Israelfeinde aller politischen Richtungen unter einen Hut zu bringen. Antisemitismus ist hoffähig geworden, nicht nur in Deutschlands angeblich erstem Nachrichtenmagazin. Denn die kritische Debatte, die über Grass zumindest noch in Politik und Zeitungen herein brach, sie blieb bei Augstein schon gänzlich aus, von der kleinen Gruppe der Israelunterstützer einmal abgesehen. Die Gewöhnung war eingetreten, man könnte auf den Gedanken kommen, es wäre von Anfang an so gedacht gewesen.

Wen wundert es da, dass ein SPD Oberbürgermeister von Jena ohne jede Reaktion seiner Partei Kennzeichnungen für israelische Produkte fordern kann, vielleicht sollten in die Orangen Davidsterne mit der Inschrift Israel eingestanzt werden. Alles inzwischen deutsche Normalität.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Studie recht hat und es wirklich nur 20% sind. Und, dass eines Tages auch Studien dieser Art den Mut haben, die Wirklichkeit zu benennen, die darin besteht, dass die offen rechtsradikalen Antisemiten nur der zahlenmäßig kleinere Teil des Problems sind. Solange das nämlich nicht so ist, kann sich der “Kauft-nicht-beim-Israeli-Bürgermeister” aus der NSU-Stadt Jena auch noch damit schmücken, doch eigentlich ein Kämpfer gegen den Antisemitismus zu sein, weil er ja in vorderster Front “gegen Rechts” zu finden wäre. Deutschland 2012.

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*) Wem der Sinn nach einer detaillierten Gesamtdarstellung der Finanzierung des NS Staates durch Raub und Plünderung steht, dem sei das Buch “Hitlers Volksstaat” von Götz Aly empfohlen.

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