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VIDEO: Pallywood by AP & Roiters: Gaza without electricity

23.02.2008

The usual distorted lies.
See here what the Hamas photographers on behalf of AP and Roiters don’t want shown or observed.

Herrchens Gescherrchen

Deutschlands Stellung in der Welt zu behaupten ist eine echte Aufgabe. Wer ist zuständig? Klar, Mutti, der Guido, das Auswärtige Amt und damit alles seine demokratische Ordnung hat natürlich auch der Auswärtige Ausschuss des Deutschen Bundestags. Das ist okay, denn, wer will es leugnen, einen stressigen Job machen die da alle.

Zum Beispiel mit dem Euro ist das so eine Sache, der geht nämlich baden, am liebsten im Mittelmeer, weshalb uns die Griechen nicht mehr leiden mögen, weil wir die zwar finanzieren, aber um die Eurobündel keine roten Schleifchen nett drapieren, obwohl Weihnachten ist und die Verkäuferinnen bei Douglas das immer recht hübsch machen. Aber Mutti eben nicht. Dann wäre da die Deutsche Bundeswehr. Die führt zwar der de Maizière, aber wo die kämpfen gehen, ist natürlich Außenpolitik. Zur Zeit in Afghanistan, wo die Frage zu klären wäre, ob die Jungs da einfach wieder raus gehen sollen, die Menschen den Taliban ausliefern und die Gefallenen sich völlig sinnlos vorher von denen haben totschießen lassen, während der Guido sie gern nach Mali schicken möchte, weil diese Salafisten nicht nur dann unfreundlich werden, wenn sie bei Youtube Videos gucken, sondern Handabhacken, Steinigen usw. gerade nach Timbuktu exportieren. In Afrika ist überhaupt, guckt man näher hin, eine Menge los, von den Piraten, den richtigen, nicht den mit den Gesundheitslatschen bei Twitter, ganz abgesehen, das könnte die deutsche Außenpolitik nicht nur dann entdecken, wenn gerade die Botschaft in Khartum abgefackelt wird. Der Amipräsident kommt nie vorbei, guckt immer nach Asien, weil er glaubt, dort spielte die Musik, Europa wäre out, ist besonders ärgerlich, weil er Recht hat. Manchmal betreiben Abgeordnete auf eigene Faust Politik, wie der Hinterbänkler Thomas Feist, der die Mullahs eine Runde besuchen und aufwerten ging, vielleicht um ein paar Embargoumgehungstipps zu geben, unser Außenminister darf da nicht hin und will bestimmt auch nicht, weil ihm dort beim Anblick von Baukränen immer ein unangenehmes Ziehen im Nacken beschleichen würde. Achja, der Erdogan, der gern möchte, dass die Islamisten in Syrien künftig die Minderheiten massakrieren und nicht mehr Assad die Mehrheitsbevölkerung, der kriegt jetzt deutsche Patriots, samt Soldaten, zum Träumen vom Neoosmanismus mit des Kaisers Nachfolgearmee.

Bestimmt eine Menge anderes noch. Viel zu tun. Auch für unseren Lieblingsabgeordneten Polenz. Der ist bekanntlich noch Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, hatte sich mal am obigen Afghanistanproblem versucht, indem er gemäßigte Taliban entdeckte und mit ihnen in der Schweiz vor Jahresfrist Tee trinken ging, wobei gemäßigte Taliban sind vermutlich die, die immer bunte Steine beim Köpfewerfen verwenden lassen. Von den Taliban ist er mittlerweile runter, er macht wieder auf Judenobsesssion bei Facebook, kann er zweifellos am besten, Israel ist an allem Schuld, verlinkt was dazu und seine gemischt islamistisch und linke Fantruppe kommentiert. Der Mann ist in der CDU? Angeblich schon, aber erfreulicher Weise bald aus dem Verkehr gezogen.

Letztes Jahr hatte er das Highlight deutscher Außenpolitik in einem 15 Kinder Waldorfkindergarten in Israel ausgemacht, wo angeblich kleine Beduinen herzallerliebst mit kleinen Juden spielen, was denen echt gegönnt sei, aber nicht unbedingt den Nahostkonflikt löst. Dabei sich mit einer eher kuriosen Figur namens Irena Wachendorff gemein gemacht, die falls es jemand erinnert, zwar Israel nicht mochte, sich aber dafür eine komplett erlogene jüdische Biografie ausdachte und damit hausieren ging, was der Polenz so toll fand, dass er jeden Zweifel am liebsten gerichtlich verboten hätte. Nachdem die Tante verdientermaßen entlarvt war, der Polenz düpiert das zu ignorieren suchte, Entschuldigungen sind nicht sein Ding, sich krampfhaft einem neuen Thema widmete, wie schränken wir die Meinungsfreiheit zugunsten der Salafisten ein zum Beispiel, gibt es spaßeshalber bei Facebook eine Seite, auf der darauf geachtet wird, wann die schwer geltungssüchtige Wachendorff sich wieder mit ihren Geschichten aus der Deckung wagt und amüsiert feststellt, dass die Sache mit der erfundenen Judenbiografie gar nicht selten vorkommt.

Nun hat allerdings die Wachendorff noch treue Fans. Siehe da, sogar in der schwer arbeitenden Mitarbeiterschaft der deutschen Außenpolitik. Zugegeben, wie oben dargestellt gibt es viele Probleme, aber wahrlich gewichtig, besonders während der Arbeitszeit am Mittag und Nachmittag ist doch der längst geklärte Wachendorff Fall. Soviel Zeit muss sein, dachte Jutta Leiendecker, loggte bei Facebook ein, ließ sich ganz undiplomatisch das Hirn mit Adrenalin fluten und legte los:

Wer anders denkt ist mal braun, mal Arschloch, ist dämlich, hat ein aufgeweichtes Gehirn, auf Texte wird geschissen, statt dass sie sich vor Angst in die Hosen machte und zum Abschied ein leises Fuck off. Gut, Facebook ist kein Kniggelehrgang, auch wenn der Zuckerberg das gern hätte, es sei der Frau verziehen, schließlich, wie schrieb sie, „wir geben nicht auf“ und „uns kriegen sie nicht klein“. Da vermutlich nicht vier alle gemeint sind, ist es wohl die verschworene Gemeinschaft des wachendorffschen Volkssturms, die zum Endsieg bläst und wer der angehört, der muss einfach seine Diktion der Aufgabe anpassen. Was das jetzt alles mit der Außenpolitik und ihrem parlamentarischen Ausschuss zu tun hat? Ein Fiesling schaute nach, er entdeckte: Walküre Jutta ist hauptberuflich nichts weniger als die Erstsekretärin (klingt fatal nach erstem Sekretär, aber das war eine andere Geschichte) des Ausschusses und Vorzimmer des Sekretariatsleiters. Die eben auf Kosten des Steuerzahlers ihre angesichts der Probleme sicher eher knapp bemessene Arbeitskraft heute den wirklich wichtigen Dingen des Lebens widmete, in der einzigen Welt die zählt – Facebook. Wollten wir nicht immer schon einmal wissen, wie sich der Sprachstil der Diplomatie im internen Kreise anhört?

Gefunden hatte man die Dame hier: Wie, Sie lesen bei diesem Link gar nichts mehr von Jutta Leiendecker? Überraschung. Man glaubt es kaum, Verwaltung kann schnell arbeiten, wenns um die eigene Haut geht. Kaum waren ein paar Stunden vergangen, da hatte vermutlich die EDV-Abteilung des Deutschen Bundestages ran müssen. Schwupp war sie weg, unter Kontakt, die Erstsekretärin. Heute hatte die Verwaltung der deutschen Außenpolitik richtig zu tun.

Aber der Netzgott ist böse und vergisst nichts. Da hätten wir den langsam arbeitenden Googlecache, so sah das doch viel schöner aus, ans Layout hätten sie nun wirklich noch denken können und diese lustige Seite: Zur Verdeutlichung der Begriffe Erst- und Zweitsekretärin hat der Übersetzungsleo, warum auch immer, just jenen heute gelöschten Teil der Bundestagsseite verwendet. Simsalabim, da ist sie wieder. Unsere Kämpferjutta, die Erstsekretärin.

So sind sie, die sozialen Netzwerke, sie verführen immer wieder nicht nur unschuldige Piratenparteiler auf Twitter sich selbstgewählt der Lächerlichkeit preiszugeben. Auch des Lieblingsausschussvorsitzenden Erstsekretärin bemüht sich nach Kräften, der Welt mitzuteilen, dass die mitteilungsbedürftige Kostümjüdin nicht nur Polenz Steckenpferd war, sondern gleich das des Personals.

Wir sind ein glückliches Land, dessen Parlamentsmitarbeiter in diesen Zeiten keine anderen Probleme kennen.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Öffentlich-rechtliche Qualität und der Experte

Zu den heiligen Kühen dieses Landes gehören die öffentlich-rechtlichen Medien, so heilig, dass sie sich als verfassungsrechtlich abgesichertes ZwangsPayTV eine groteske Mischung aus Datenkrake und Moskauinkasso namens GEZ leisten dürfen und in laute Empörung über den Angriff auf ihre Unabhängigkeit ausbrechen, wenn sie mal ein Politiker anruft und sich über das eine oder andere sinnfrei beklagt, wo sie nur nein zu sagen bräuchten oder den Anrufer durch den Kakao ziehen, wie Kai Diekmann von der bösen Bild es vormachte. Schmerzlicher Weise passen Empörung und Zeigefinger besser zu ihrem Selbstbild, als irgendwelche Formen von Humor, gar schwarzem.

Umso größer ihr Anspruch. Qualität soll es sein, Objektivität, der Wahrheit verpflichtet usw., das übliche Blabla. Womit wir bei einem Merkmal für Objektivität wären, der Trennung von Nachricht und Meinung. Wie das gehandhabt wird, konnte man hier sehen. Aber es gibt noch viel mehr zu bestaunen. Zur neuesten Medienmode gehört der Experte. Irgendein Mensch, möglichst mit akademischen Titel und wichtigem Gesicht, der am Ende der Berichte als Obergutachter und Hintergrundweiser zu dem befragt wird, was denn der Zuschauer denken sollte. Vielleicht traut die Redaktion letzterem doch nicht recht über den Weg, ob der ganz allein in der Lage wäre, sich aus den Nachrichten die richtige Meinung bilden zu können.

Seit man auch öffentlich-rechtlich festgestellt hatte, dass es Kriegsauseinandersetzungen zwischen Israel und der Hamas, die den Gazastreifen okkupiert hat, gibt, als Israel sich gegen den Beschuss seiner Menschen wehrte nämlich, geistert der neueste Nahostwissende durch die Sendungen, Michael Lüders, stets vorgestellt als Publizist und Nahostexperte. In Tagesschau, Deutschlandfunk, beim ZDF. Wer sich am Samstagabend das heute-journal antat, bekam ein Lehrbeispiel, wie objektive Berichterstattung 2012 funktioniert. Der Krieg war der Aufmacher, natürlich, in drei Teile aufgeteilt. Eine sachliche Reportage über die israelische Seite, eine über die Lage in Gaza mit dumpfen Einschlagsgeräuschen im Hintergrund, der Erwähnung, dass es sich um schwerste Explosionen handelte, ohne jeden Hinweis, dass es gezielte Angriffe auf Stellungen und Kommandozentralen der Terroristen, die Gaza usurpiert haben, sind. Und dann die üblichen Verletzten, per Bahre ins Krankenhaus gebracht, von denen niemand weiß, wer sie sind, Terroristen, Zivilisten oder Schauspieler, wer sie getroffen hat und vor allem wo. Die Problematisierung der palästinensischen Lügen des Bilderkrieges, sie findet ebenso wenig in der Reportage statt, wie die Erwähnung der Vorgeschichte des israelischen Gegenschlags. Im Gegenteil, die ungeprüften Bilder sind Bestandteil der Sendung. Wie war das noch mit der Trennung von Meldung und Kommentar? Egal, man verdreht halt nur ein wenig die Tatsachen und verschweigt, glaubt sich auf der richtigen Seite und wäre empört, wenn man das Propaganda nennen würde. Soweit wie gehabt.

Dann endlich: Auftritt Michael Lüders, die stichwortgebende Moderatorin lässt keinen Zweifel an ihren Erwartungen und er enttäuscht sie nicht. Ein Biedermann, der die eingestreuten Ungeheuerlichkeiten mit liebenswürdiger Intellektuellenstimme verkündet. Ahmad Al-Dschabari, der Kidnapper, Menschenhändler und Befehlsgeber der Raketenmörder, der dem ersten Gegenschlag zum Opfer fiel, rechtmäßig als Kombattant, als Kommandeur, wird lächelnd und unwidersprochen als ermordet bezeichnet und mutiert zum Friedensboten, der angeblich Waffenstillstandsvorschläge bei sich hatte. Welchen Waffenstillstand fragt man sich, wie zynisch, wenn zu diesem Zeitpunkt seine Leute die einzigen sind, die schießen, mit Raketen auf Zivilisten versteht sich, der abgenagte Knochen von extremistischen Salafisten und ihrem Gegensatz zu gemäßigt extremistischen Hamasniks darf natürlich nicht fehlen, den Schwachsinn kannte man schon aus dem kalten Krieg von den Kremlastrologen, na klar, der Wahlkampf in Israel ist schuld, wie die putzige Putz das schon bei SPON schrieb, im Wahlkampf punkten, um die Ängste der Bevölkerung aufzufangen, nennt der Propagandist das Motiv für die israelische Gegenwehr, eine schon ziemlich widerliche Formulierung für die Tatsache, dass auf Menschen in Dörfern und Städten Raketen hageln, die aber übertroffen wird von der Feststellung im Zusammenhang mit dem syrischen Bürgerkrieg, dass zwei Kriege zu viel für den Nahen Osten wären, also allein das gegenseitige Abschlachten mit 40.000 Toten in Syrien wäre noch OK, schließt man messerscharf, bloß wenn diese Juden sich jetzt zusätzlich einfach ungenehmigt wehren, geht das echt zu weit. Es könnte sich auf andere Länder der arabischen Umstürze wegen ausweiten, ein Widerspruch zum vorigen, zum einen bestand diese Gefahr immer, zum anderen haben die Umstürze, siehe Syrien, ganz ohne Israel die Region mit Krieg überzogen. Aber der kluge Mann hat weiterhin eine Lösung für gleich das ganze Nahostproblem in der Tasche. Sonst wäre er ja kein Experte. Die Palästinenser müssten eine Perspektive bekommen, na klasse denkt man, wie in Gaza, wo nichts mehr besetzt ist, alles judenrein, voller internationaler Hilfsgelder, der Palästinenserstaat als Versuchsanordnung. Nur kam keiner auf die Idee den Menschen Aufbauperspektiven zu geben, sondern es wurde schlicht als Brückenkopf zum Kampf für die Vernichtung Israels genutzt. Ein echter Anreiz für Israel zu einseitigem Entgegenkommen. Aber da sind noch die Friedfertigen der Fatah in der Westbank, denen sollte man eine Aufwertung zukommen lassen, in dem man ihnen in der UNO ihre Staatlichkeit anerkennt. Warum wollen die das eigentlich? Sie könnten doch mit Israel um Frieden verhandeln, zweifach haben sie ein Abkommen abgelehnt. Abgelehnt, weil sie auf das verzichten hätten müssen, was sie Rückkehrrecht nennen und was nichts als die mitleiderregend klingende Forderung nach der Auflösung Israels als jüdischem Staat ist. Da ist die Idee mit den UN natürlich bestechend, es wäre die Anerkennung des Palästinenserstaates ohne die Notwendigkeit der gleichzeitigen Anerkennung Israels. Aus dem kleinen Gazaprojekt würde der Palästinenserstaat unter denselben Bedingungen. Die große Basis zur Vernichtung Israels. Herr Lüders spricht dies klugerweise nicht aus. Obwohl das ehrlich und der arabisch-israelische Konflikt nach der Entjudung tatsächlich der Lösung zugeführt wäre. Aber all diese guten Ideen scheiterten leider, so beklagt er sich, an den Ultranationalisten in Israel, die dort den Ton angäben, wie der freundliche Mann im Fernsehen die einzige nach westlichen Maßstäben demokratische Regierung der Region zu nennen pflegt.

Natürlich ist die erste Reaktion nach dem abklingenden Brechreiz, sich über derartige Auftritte aufzuregen, über diesen Mann und diese Moderatorin, die nicht eine einzige kritische Frage stellte. Aber dem Herrn Lüders täte man Unrecht. Der Publizist und Experte verdient nämlich sein Geld weder bei ARD noch ZDF, er berät Unternehmen. Nahostberatung nennt er das. “Es ist allerdings nicht immer einfach, in der Region Fuß zu fassen. Persönliche Kontakte und kulturelles Know-how sind entscheidend, um im Wettbewerb mit anderen Anbietern zu bestehen. Diesen Vorteil garantiert Ihnen die Nahostberatung von Michael Lüders”. Der Mann ist ein Türöffner, ein ausgezeichnet bezahltes Geschäft, dessen Voraussetzung ist, exzellente Kontakte und einen blendenden Ruf in Arabien zu haben. Das ist ein durchaus ehrenwerter Brötchenerwerb, nur gehört dazu eben stets, sich den Ruf nicht zu zerstören, nichts wäre geschäftsschädigender. Selbstredend kann Herr Lüders nur arabische Positionen öffentlich vertreten, abgesehen davon, dass sich sein ganzer Lebenslauf ausschließlich auf dieser Seite abspielt. Es ist sein gutes Recht in einem freien Land, jeden Unfug zu behaupten, den er möchte, sich damit seine wirtschaftlichen Möglichkeiten noch weiter zu verbessern und wer will es ihm verdenken, dass er es im Fernsehen zur besten Sendezeit tut, wenn er darum gebeten wird.

Es sind es die von unser aller Gebühren bezahlten Redakteure, die die Urheber dieses antiisraelischen Schmierenstücks sind. Wer Lüders bucht, bekommt Lüders, so einfach ist das und ihn als objektiven Experten dem unwissenden Publikum vorzuführen, das dann wieder sich kopfschüttelnd über diese friedensgefährdenden Israelis der nächsten Sendung zuwendet, ist eine abgrundtief böse Perfidie, in der erklärten Absicht, Israel zu schaden. Qualitätsfernsehen? Aufrichtiger wäre es wohl, die Bezeichnung verlogene, die Menschen manipulierende Agitation in Betracht zu ziehen. Von den hehren Grundsätzen eines Hugh Carleton Greene ist jedenfalls nichts mehr übrig. Möge sich nie wieder jemand über die Bildzeitung beschweren.

Apropos beschweren. Das könnte man sich. Zum Beispiel bei Ruprecht Polenz, MdB, Vorsitzender des ZDF-Fernsehrates. Auch Vorsitzender der Christlich-muslimischen Friedensinitiative e. V. und Kuratoriumsmitglied der Christlich-Islamischen Gesellschaft, begeisterter Lobbyist für den EU Beitritt der Türkei, verdienter Kämpfer gegen den Gedanken, die iranische Bombe mit Luftangriffen zu verhindern, berüchtigter Betreiber eines einzigartigen Facebookaccounts, wo sich alle Feinde Israels täglich austoben dürfen.

Was für ein Zufall.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Journalismus als Meinungsmanipulation oder auch ein Weg zu 20%

Neulich in der Redaktion nannte Claudio Casula seine schon im Dezember 2010 geschriebene bittere Satire über den Alltag des deutschen Journalismus im Umgang mit Nahostthemen. Sie ist zeitlos und das Schlimmste an ihr ist, dass sie nicht einmal satirisch wirkt. Es ist die schlichte fiktive Beschreibung der Wirklichkeit mit dem einzig Unrealistischen dabei, dass es einen solchen Praktikanten, wie er dort Protagonist ist, nie geben würde. In Schule, Medien, Studium, Umfeld längst gehirngewaschen, würde er gar nicht bemerken, wie die Wahrheit ist und seinem Chef schon von sich aus eitel Freude machen. Seit dem Wochenende bis zum gestrigen Mittwoch aber haben die deutschen Medien in einer schon verblüffenden Offenheit Casulas Darstellung für jeden sichtbar mit atemberaubender Dreistigkeit übertroffen.

Seit diesem Wochenende nämlich werden die Orte und Städte des Südens Israels täglich mit Raketen beschossen. Die Menschen leben zwischen Alarmen und Bunkern. Oft nur Sekunden trennen Abschuss und Einschlag. Kriegsleben eben, keine Schule, keinerlei Normalität. Tag für Tag, 120 bis 140 Raketen waren es bis zum Mittwoch. Beschaut man sich die Reaktion, wenn einzelne syrische Granaten in der Türkei explodieren, dann wären Heerscharen von Journaille mit Liveberichterstattung zu erwarten gewesen. Wie es tatsächlich war, hat jeder mitbekommen oder besser nicht mitbekommen. Der Beschuss fand in Deutschlands Medien nicht statt. Mit einer rühmlichen Ausnahme, dem Hamburger Abendblatt, dem einzigen Zeugnis dieses Kriegsverbrechens, nichts anderes ist der Raketenbeschuss von Städten und Dörfern ohne Kriegserklärung. Lediglich der Angriff der Hamas auf einen Militärjeep wurde kurz erwähnt, allerdings auch nur im Zusammenhang mit Gegenbeschuss, als gäbe es nicht Ursache und Wirkung. Was also lernte der deutsche Fernsehkonsument, Spiegel-, TAZ-, Süddeutsche-, Rundschau- oder was auch immer Leser? Es gab Ende letzter Woche einen Schusswechsel zwischen Israel und der Hamas. Punkt. Vier Tage später greifen die fiesen Juden plötzlich aus der Luft an und töten eine Art Minister. Einfach so. Fliegen seither Luftangriffe und die armen Palästinenser fürchten einen neuen Krieg, wie Spiegel-Online überaus perfide schrieb, als hätten deren Führer ihn nicht ein paar Tage vorher begonnen. Ein Schelm, wer nicht glauben wollte, dass die Raketenangriffe nicht in deutschen Redaktionsstuben bemerkt wurden, dass die Korrespondenten nicht in Bereitschaft saßen. Natürlich wollten sie berichten. Über den israelischen Gegenschlag. Solange mussten sie warten. Wahrscheinlich waren die Grundzüge ihrer Berichte schon fertig auf dem Laptop.

Dafür allerdings übertrafen sie sich dann selber. Im Spiegel, wo der Wahlkampf Netanyahu ein brandgefährliches Spiel mit einem Angriffskrieg spielen lässt, das öffentlich-rechtliche Qualitätsfernsehen dreht den Ablauf des Geschehens schlicht mit offener Lüge um, ebenso die TAZ, deren übler Propagandaartikel die Täter/Opfer Umkehr bis zum Äußersten auswalzt. Natürlich gilt dasselbe für so gut wie alle Medien dieses Landes auch, nicht einmal die FAZ würdigt die Vorgeschichte des Gegenschlags, der Leser soll nur nicht mit weiteren Beispielen gelangweilt werden. Falls er sie doch möchte, so schalte er den Fernseher ein. Es ist ein schier unbegreifliches Phänomen in diesem Land.

Gut, der deutsche Journalismus ist mit wenigen Ausnahmen ein Produkt der 68er, deren Liebe zu Massenmördern, wie Lenin, Hồ Chí Minh, Mao oder Che Guevara ebenso bekannt ist, wie ihre Hinwendung zum palästinenischen Terroranführer Arafat. Alles im Namen der persönlichen Abrechnung mit dem Nazismus der Väter wohlgemerkt. Aber das Hamasregime kann einfach nicht in deren Sinne sein. Eine gnadenlose Religionsdiktatur, die ihrer Gegner einsperrt, foltert, hinrichtet oder bei Gelegenheit auch mal aus dem Fenster wirft, die die Gesellschaft bis zu den kleinsten Kindern durchmilitarisiert hat und Frauen zu Menschen zweiter Klasse macht, das ist nicht wirklich die Lieblingsstaatsform des genderstählten Pazifisten. Dennoch ist er bereit, längst routiniert darin, alle Grundsätze eines objektiven Journalismus für dieses Regimes zu vergessen und offen manipulierende Propaganda dafür zu betreiben.

Wenn aber der unterstützte Angreifer nichts hat, was den geneigten Postachtundsechziger anziehen könnte, so muss sein Motiv auf der Seite Israels zu finden sein. Eine moderne Demokratie westlicher Prägung, engster Verbündeter der USA, gut, schon das ein Grund, es nicht zu mögen. Der Hass auf die freie Gesellschaftsordnung des Westens seitens ihrer größten Nutznießer ist Teil des beliebten linken Antiamerikanismus; so gesehen ist jeder ein Verbündeter, der eine westliche Gesellschaftsordnung bekämpft. Das allein aber reicht zur Erklärung nicht. Es ist dem Journalisten klar, was er tut, wie es ankommt. Jetzt schlagen die Juden schon wieder einfach los und gefährden den Frieden, stellt der deutsche Zeitgenosse ganz offen in den Foren fest, in einem Land, in dem sich die Studien nur darüber streiten, ob der latente Antisemitismus bei 20% oder 25% liegt und in dem auch ohne Günter Grass Konsens besteht, dass Israel die größte Gefahr für den Frieden darstellt, wo natürlich nicht zwischen Juden und ihrem Staat differenziert wird, warum auch. Wer kann es den Leuten verdenken, wenn sie ihre Nachrichten sehen, ihre Zeitungen lesen und es genau so bei ihnen ankommt. Ewig hauen die sich da unten und dann fängt Israel noch mit dem richtigen Krieg an. Wo wir doch nur unsere Ruhe haben wollen, um nachhaltige Windmühlen zu betreiben. Das antisemitische Denken wird nicht nur bedient, es wird bestärkt, bei den Jüngeren erst hervorgerufen. Auf die Idee, dem deutschen Wohnzimmerhelden vor Augen zu führen, was in diesem Land wohl los wäre, wenn die Nachbarn es zum Credo erhoben hätten, Deutschland auszulöschen, in deren Kindergärten und Schulen nur Hass gelehrt würde und täglich ein Gebiet im Größenverhältnis hochgerechnet auf Deutschland in der Größe Baden-Württembergs unter Raketenfeuer läge, kommt ein deutscher Redakteur natürlich nicht. Dann würde er ja Gefahr laufen, sein Leser würde verstehen, was in Israel passiert und weshalb es nicht nur rechtmäßig, sondern notwendig ist, sich zu wehren, Pflicht einer Regierung, die ihre Menschen schützen muss.

Israelkritik in dieser Form ist eben nicht legitime Kritik an für falsch gehaltener Regierungspolitik, sie ist platter Antisemitismus. Bewusste Nachrichtenunterdrückung, Falschdarstellung und Diffamierung, in dieser Woche nur so ungeniert und augenfällig, ohne Versuch einer Verschleierung, dass jeder, der hinsah, drüber fallen musste. Doch Realität schon seit Jahren, wenn auf Siedler verwiesen wird, die angeblich den Frieden unmöglich machten, statt auszusprechen, dass es in Wahrheit die Weigerung der palästinensischen Seite ist, Israel als Staat der Juden anzuerkennen, zeigt doch der Hamasstaat, wie nützlich es ist, alle Siedlungen abzubauen und ohne Friedensabkommen den Palästinensern das Land zu übergeben, wenn Gaza geschmacklos mit einem Ghetto verglichen wird, das gegen eine Hungerblockade Hilfsschiffe bräuchte und niemand berichtet, dass täglich alles Lebenswichtige über Israel geliefert wird, eine zweite Grenze zu Ägypten besteht und die Blockade nur dazu dient, Waffenlieferungen zu unterbinden, Waffen, die täglich eingesetzt würden; wenn Verhandlungen mit den Terroristen gefordert werden, obwohl die sympathischer Weise ganz offen sagen, dass sie gar nicht verhandeln wollen, sondern ihnen Gaza nur Aufmarschgebiet ist, um Israel zu vernichten. Wer wissentlich so falsch berichtet und verlogen argumentiert, dem geht es nicht um Kritik, schon gar nicht um freundschaftliche, es geht ihm um das Bekämpfen und Delegitimieren des Staates der Juden, um die Zerstörung seines Images in der deutschen Gesellschaft unter mindestens der Inkaufnahme, dass dies auch den allgemeinen Antijudaismus der Menschen fördert. Wer das tut, ist ein Antisemit. Von mir aus ein latenter.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Die Studie, der Katalysator, der Musterschüler und die 20%

Vor einigen Monaten erschütterte für ein paar Tage eine Studie, nein bestimmt nicht das Land, wohl aber die einschlägige Medienwelt. Antisemitismus wäre mitten in der deutschen Gesellschaft vorhanden, jeder fünfte Deutsche gelte zumindest als latent judenfeindlich. Überraschung. Wer sich ein wenig politisch mit Israel und Judentum beschäftigt, ab und an es sich antut, mit anderen darüber zu diskutieren oder gar in sozialen Netzwerken Diskussionen zu diesem Thema verfolgt, vielleicht einmal Occupy-Foren gelesen hat, kann nicht wirklich über diese Binsenweisheit staunen, er hätte keine Studie dafür gebraucht. Natürlich wurde ein paar Tage lang lamentiert und natürlich war das Wort Rechtsextremismus immer in einem Atemzug dabei. Fraglos ist der gemeine Nazi von NPD bis zu den Kameraden hasserfüllter Rassenantisemit bis auf die Knochen, weshalb von denen auch weiterhin Synagogen und jüdische Friedhöfe geschändet werden und überraschender Weise gar keine Moscheen. Die kennen sich nämlich mit ihrem Freund, dem Großmufti, noch aus. Nun glaubt jedoch nicht einmal der engagierteste Antifaschist, dass 20% der Menschen latente Neigungen zu den Nazis hätten, vielmehr sind die eine zwar gewalttätige, wie wir lernen mussten sogar mörderische, doch isolierte, verschwindend kleine Minderheit. Das mit dem Antisemitismus muss einen Tick komplizierter sein und vielleicht einige sehr unerfreuliche Nuancen haben, die der deutsche Mainstream nicht zur Kenntnis nehmen mag.

Niemand wird behaupten, der Antisemitismus in Deutschland verschwand am 8. Mai 1945 spurlos. Er war nur nicht mehr opportun und die Generation Wehrmacht, die die ersten drei Jahrzehnte der Bundesrepublik prägte, hatte vor allem zwei Formen, damit umzugehen. Die einen behielten es für sich, gaben Lippenbekenntnisse ab und schwadronierten erst nach dem dritten Bier am Stammtisch, vorzugsweise über “Wiedergutmachungszahlungen”, die anderen, ehrlich entsetzt über die beispiellosen Verbrechen und mit Schuldgefühlen belastet, begannen nach der Phase des mehr als ein Jahrzehnt dauernden Verdrängens, sich mit Israel zu solidarisieren, als könnten sie das Geschehene kompensieren. Wo ehrliche Auseinandersetzung aufhört, Philosemitismus beginnt, ob dieser nur eine weitere Spielart des Antisemitismus ist, ob die allgemeine Bewunderung für den “Blitzkrieg” 1967 ein heftiges Geschmäckle hatte, mag Raum für lange Abhandlungen geben, Tatsache ist leider nur, Israel weiß heute, es gibt schlimmere Einstellungen zum Staat der Juden.

Es kippte in Deutschland spätestens nach dem Yom Kippur Krieg und der Ölkrise, höhere Benzinpreise tun dem Deutschen weh, vor allem aber mit dem Marsch der 68er in die Schlüsselstellungen von Politik, Bildungsbetrieb und Medien. Naiv, wer besseres von einer Generation erwartet hätte, die unter der Prämisse des Bekämpfens des Nazigeistes der Väter Massenmörder zu ihren Helden kürte, von Mao Zedong über Che Guevara, Ho Tschi-minh bis Pol Pot. Warum nicht auch Arafat und seine die Baader-Meinhof Bande sponsernde PLO, die es in den schauderhaften 70er Jahren ausschließlich mit permanentem Morden schaffte, von einer Banditentruppe zur politisch anerkannten Kraft zu werden, ein bis heute nicht nachvollziehbarer Gruselvorgang. Statt Solidarität mit Israel begann das Zeitalter der Israelkritik und der Anbiederung an die Palimörder, was nach Übernahme der stets israelfeindlichen DDR noch erhebliche Verstärkung erfuhr.

Seit gut 30 Jahren sind Medienberichte aus Nahost bestenfalls von Äquidistanz geprägt, zunehmend von einer bis ins Absurde gehenden Täter/Opfer Umkehr samt kritikloser Übernahme von Fälschungen und offener Lügenpropaganda der Palästinenser. Denselben Weg gingen Schulbücher und Unterrichtsthemen. Wer je das Themas aufgenommen hat, läuft immer Gefahr, sich mit nichts anderem mehr zu befassen, denn jeder Tag bietet neue Beispiele. Wundert es, wenn das Israelbild vieler junger Menschen völlig verzerrt und negativ ist?

Im letzten Jahrzehnt gesellte sich zu den offenen Nazis, den stillen Stammtischantisemiten und den Israelkritikern noch eine weitere Gruppe, Israelhasser aus nahöstlichen und muslimischen Migrantenmilieus, die nun unbeleckt jeder deutschen Belastung aus ihren Gefühlen keine Mördergrube machten, “du Jude” als Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen einführten, dabei keinerlei Kritik aus dem politisch korrekten Lager zu befürchten haben. Sie können sich frei ausleben bis hin zu stürmerähnlicher Propaganda, was ganz sicher eine Wechselwirkung auf all jene Verschämten hat, die sich jahrzehntelang nicht trauten.

Als Antisemit fühlt sich außer der Handvoll Nazis natürlich niemand. Der brave Bürger stört sich nur daran, dass einem die Juden immer angeblich alles vorschrieben und man ewig zu zahlen hätte, der Israelkritiker meint nur die gegenwärtige Regierung Israels, egal welche allerdings, und kompensiert sein deutsches Trauma damit, dass die Juden, die er nun Zionisten nennt, mit den armen unterdrückten Palästinensern im Grunde dasselbe machten, wie einst die Nazis mit den ermordeten Juden (Geschmacksgrenzen sind ihm fremd), weshalb er letztere zwar immer noch beweint, doch keinen Bezug zur Gefährdung lebender Juden sieht (Broders “Vergesst Auschwitz” sollte Pflichtlektüre werden) und der israelhassende nahöstliche Moslem erklärt, er wäre doch selber Semit, und jeder Jude solle leben können, wo er wolle, nur eben nicht in Israel oder in seiner Nähe.

Das überrascht so wenig, wie es überzeugt, denn etwas ist in Deutschland tatsächlich mit dem Kriegsende so gut wie ausgerottet. Das Bekenntnis nämlich, Antisemit zu sein. Schon von den 23 Hauptangeklagten im Nürnberger Prozess blieb einzig Julius Streicher, alle anderen beeilten sich, Unleugbares zuzugeben, nur rein persönlich hätten sie gar nichts gegen Juden gehabt, eine Argumentation die sich durch alle Schichten und alle Jahrzehnte danach zieht. Warum sollten der geneigte linksgewirkte Israelkritiker und die anderen ehrlicher sein?

In dieses eher eklige Gemenge trifft zum christlichen Osterfest ein Gedicht. Und das wirkt nach zwei Monaten beileibe nicht mehr so lächerlich und grottig, wie es einem voll Verachtung am Anfang schien. Günter Grass hat seine Worte genau gewogen und abgründig bösartig mit allen Antisemitismen ganz offen gespielt. Es brauchte den Abstand und die Debatten danach, um das Lachen über den senilen Greis mit der verheimlichten SS-Jugend zu verlernen.

Grass beginnt mit Andeutungen, Worten wie “Überlebende als Fußnoten” und dem Begriff “Erstschlag”, was die Vorstellung eines atomaren israelischen Erstschlages in den Köpfen der Menschen weckt, die kranke Fantasie einer Art Atomholocaust durch die Nachfahren der Opfer an dem Volk des Iran. Nur so ist auch die Brücke zur Gefährdung gleich des Weltfriedens durch Israel zu schlagen, was dem Staat der Juden eine völlig irrationale destruktive Kraft unterstellt. Irrationale Furcht vor dem Bösen, das die Juden über die Welt brächten, aber ist genauso Kennzeichen des Antisemiten, wie die grenzenlose Überhöhung der Fähigkeiten eines ominösen Judentums als handelndes Subjekt. Gefährdung des Weltfriedens hat eben nicht nur klangliche Ähnlichkeit mit Weltjudentum. Nobelpreisträger sollten wissen, wie Worte verstanden werden. Kontrastierend verwendet er dann, die schlichteren Gemüter der anvisierten Zielgruppen nicht vergessend, so platte Stereotype, wie das “man müsse es ja mal aussprechen” und “man liefe Gefahr, deshalb des Antisemitismus bezichtigt zu werden”. Schon dies allein erklärt die gewaltige Reaktion, die er erzielte, nicht die negative in den Feuilletons, deren Schreiberlinge wohl bemerkt hatten, welche Grenzen Grass da überschritt, sondern die überwältigende Zustimmung in den Netzkommentaren, die mit dem Feedback auf das sonstige tägliche Israelbashing der Medien überhaupt nicht vergleichbar war und auch nichts mit dem Nimbus des Schriftstellers zu tun haben konnte, denn es meldeten sich vor allem jene ganz normalen Deutschen, die vermutlich nie in ihrem Leben ein Buch von ihm in der Hand gehabt hatten. Die 20% hatten ihre Stimme bekommen, hinter deren Prominenz sie es wagen konnten, aus ihren Löchern zu kriechen. Grass jedoch ging dann noch einen Schritt weiter, jetzt wieder nur zwischen den Zeilen. Er spannte die Brücke von den üblichen Israelgegnern zum oben charakterisierten Stammtischantisemiten. Pazifistisch verbrämt kamen die U-Boote ins Spiel, verbunden mit dem unseligen Wort “Wiedergutmachung”. Mehr brauchte er gar nicht zu schreiben, um eine bestimmte Sorte deutscher Seelen zu treffen, jene nämlich, die immer wieder hinter vorgehaltener Hand klagte, es würden wegen des Judenmordes noch Generationen nachgeborener Deutscher mit finanziellen Lasten beschwert, sich als moralische Erpressungsopfer des schon erwähnten Judentums fühlten. Kaum jemand hat je verstanden oder verstehen wollen, dass die sog. “Wiedergutmachung” sich von Anfang an NICHT auf eine Art Entschädigung für sechs Millionen Ermordete bezog, was auch schlicht nicht wiedergutmachbar ist, sondern auf den Schadenersatz für schier unermesslich große geraubte Werte. Von arisierten Betrieben bis zu verwertetem Zahngold war es ein gigantischer Raubzug, den Ministerien und Reichsbank hochprofessionell organisierten. Dass diese Werte im wesentlichen im Wortsinne verpulvert wurden, weil davon sich die Kosten der letzten Kriegsjahre ganz erheblich mitfinanzierten, da mit den Rückzügen das Plündern fremder Staatskassen schwieriger wurde, ändert nichts an der Verantwortung des Nachfolgestaates, der die Bundesrepublik juristisch ist, vom moralischen ganz abgesehen. Die an Israel geleisteten Zahlungen sind bei weitem nicht den geraubten Gütern gleichwertig.*). Natürlich müsste ein Mann wie Grass, dessen gesamtes Werk immer wieder um die Nazizeit kreiste, das wissen, es dennoch so formuliert zu haben, zeigt die ganze Perfidie seines Machwerkes. Wenn es sein Ziel war, erstmals den kompletten antisemitischen Sumpf des Landes von links bis rechts zu vereinen, dann ging diese Rechnung auf. Er hat sie alle bedient und sie wagten sich zum sprachlosen Staunen derer, die es nicht fassen konnten, alle hervor. Wochenlang nahm es kein Ende.

Als die unselige Grassdebatte dann endlich ruhiger wurde, muss das Menschen gegrämt haben, so sehr, dass der Ball erneut aufgenommen wurde. Der Spiegel präsentierte den Grass aufgewärmt, seines pseudoliterarischen Brimboriums entkleidet, zur investigativen Räuberpistole umgearbeitet. Dieselben Zutaten; U-Boote, Atomraketen, deutsche Subventionen, Erstschlagskapazität, gefährdeter Frieden. Als hätte Grass das Steinchen in den Teich geworfen und die Reaktion darauf ermutigt, einen zweiten Versuch in ungeschminkterer Form zu wagen. Jakob Augstein, der Sohn des Schlußstrichwalser, setzte sich an die Spitze und seine Kommentierung der selbst aufgewärmten “Story” ließ keine Demaskierungswünsche mehr offen. Hatte sich beim Möchtegernhypeartikel gezeigt, dass allein “friedensgefährdende U-Bootlieferungen” doch nur Aufreger beim geneigten Gutmenschen hervorrufen, machte Augstein es so primitiv, dass man auf den ersten Blick an Satire glauben konnte. Für die deutschen Subventionen fürs U-Boot (übrigens damit auch für die eigene Werftindustrie), so die Suggestion, wäre Geld vorhanden, sofern die Juden danach riefen, was dann den armen Schleckerfrauen zur (sinnfreien) Auffanggesellschaft fehlte. Die inhaltliche Zusammenhanglosigkeit wird sogar diesem Autoren aufgefallen sein, nur darauf kam es nicht an, wichtig war eines, so wurden die darauf gestoßen, denen die U-Bootlieferungen solange egal waren, bis Deutschland nicht wieder finanzielle Hilfen an Israel leistete. Das gute alte Wiedergutmachungslamentieren galt es zu provozieren, auch Jakob Augstein, der Herr “im Zweifel links”, hatte vor allem ein Anliegen: Israelfeinde aller politischen Richtungen unter einen Hut zu bringen. Antisemitismus ist hoffähig geworden, nicht nur in Deutschlands angeblich erstem Nachrichtenmagazin. Denn die kritische Debatte, die über Grass zumindest noch in Politik und Zeitungen herein brach, sie blieb bei Augstein schon gänzlich aus, von der kleinen Gruppe der Israelunterstützer einmal abgesehen. Die Gewöhnung war eingetreten, man könnte auf den Gedanken kommen, es wäre von Anfang an so gedacht gewesen.

Wen wundert es da, dass ein SPD Oberbürgermeister von Jena ohne jede Reaktion seiner Partei Kennzeichnungen für israelische Produkte fordern kann, vielleicht sollten in die Orangen Davidsterne mit der Inschrift Israel eingestanzt werden. Alles inzwischen deutsche Normalität.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Studie recht hat und es wirklich nur 20% sind. Und, dass eines Tages auch Studien dieser Art den Mut haben, die Wirklichkeit zu benennen, die darin besteht, dass die offen rechtsradikalen Antisemiten nur der zahlenmäßig kleinere Teil des Problems sind. Solange das nämlich nicht so ist, kann sich der “Kauft-nicht-beim-Israeli-Bürgermeister” aus der NSU-Stadt Jena auch noch damit schmücken, doch eigentlich ein Kämpfer gegen den Antisemitismus zu sein, weil er ja in vorderster Front “gegen Rechts” zu finden wäre. Deutschland 2012.

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*) Wem der Sinn nach einer detaillierten Gesamtdarstellung der Finanzierung des NS Staates durch Raub und Plünderung steht, dem sei das Buch “Hitlers Volksstaat” von Götz Aly empfohlen.

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