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UPDATE: Das ZDF und die Israel-Berichterstattung

Nachdem wir bereits gestern von dem Schriftwechsel der Initiative FREUNDSCHAFT DEUTSCHLAND-ISRAEL berichtet hatten, geht es bereits heute in die zweite Runde. Da der Fernsehsender so gut wie gar nicht auf die Kritik der Initiative in seiner Antwort einging, hat diese das ZDF in einem erneuten Schreiben nun nochmals unmißverständlich dazu aufgefordert, detailliert auf die Anmerkungen einzugehen und vor allem zu dem  Vorschlag auf ein gemeinsames Gespräch mit Henryk M. Broder und einem Vertreter des Senders Stellung zu beziehen. Zum gesamten Briefwechsel inklusive der neuen Antwort der Initiative geht es hier entlang!

Offener Brief an den Herrn Bundespräsidenten

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Der Stern von Bethlehem

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

bislang habe ich, die ich in Frankreich lebe, mich trotz derer Unzulänglichkeiten immer noch irgendwie von deutschen Gremien vertreten gesehen. Auch Ihre ersten Erklärungen als gewählter Bundespräsident ließen hoffen. Was Sie aber in Ihrer Weihnachtsansprache formulieren, das ist für mich nicht nachvollziehbar. Sind Sie der Präsident der Deutschen, derjenigen, die auf U-Bahnhöfen und auf Straßen deshalb von Gangs von Muslimen angegriffen, niedergestochen, getreten werden, weil sie “ungläubige” Deutsche weißer Hautfarbe sind, “Kartoffeln”? Haben Sie davon jemals gehört oder gelesen? Wenn ja, haben Sie es vergessen?

Ich wünsche Ihnen einen Stern, der Sie auf den Weg zu Ihren Mitmenschen führt.
Dr. Gudrun Eussner

Öffentlich-rechtliche Qualität und der Experte

Zu den heiligen Kühen dieses Landes gehören die öffentlich-rechtlichen Medien, so heilig, dass sie sich als verfassungsrechtlich abgesichertes ZwangsPayTV eine groteske Mischung aus Datenkrake und Moskauinkasso namens GEZ leisten dürfen und in laute Empörung über den Angriff auf ihre Unabhängigkeit ausbrechen, wenn sie mal ein Politiker anruft und sich über das eine oder andere sinnfrei beklagt, wo sie nur nein zu sagen bräuchten oder den Anrufer durch den Kakao ziehen, wie Kai Diekmann von der bösen Bild es vormachte. Schmerzlicher Weise passen Empörung und Zeigefinger besser zu ihrem Selbstbild, als irgendwelche Formen von Humor, gar schwarzem.

Umso größer ihr Anspruch. Qualität soll es sein, Objektivität, der Wahrheit verpflichtet usw., das übliche Blabla. Womit wir bei einem Merkmal für Objektivität wären, der Trennung von Nachricht und Meinung. Wie das gehandhabt wird, konnte man hier sehen. Aber es gibt noch viel mehr zu bestaunen. Zur neuesten Medienmode gehört der Experte. Irgendein Mensch, möglichst mit akademischen Titel und wichtigem Gesicht, der am Ende der Berichte als Obergutachter und Hintergrundweiser zu dem befragt wird, was denn der Zuschauer denken sollte. Vielleicht traut die Redaktion letzterem doch nicht recht über den Weg, ob der ganz allein in der Lage wäre, sich aus den Nachrichten die richtige Meinung bilden zu können.

Seit man auch öffentlich-rechtlich festgestellt hatte, dass es Kriegsauseinandersetzungen zwischen Israel und der Hamas, die den Gazastreifen okkupiert hat, gibt, als Israel sich gegen den Beschuss seiner Menschen wehrte nämlich, geistert der neueste Nahostwissende durch die Sendungen, Michael Lüders, stets vorgestellt als Publizist und Nahostexperte. In Tagesschau, Deutschlandfunk, beim ZDF. Wer sich am Samstagabend das heute-journal antat, bekam ein Lehrbeispiel, wie objektive Berichterstattung 2012 funktioniert. Der Krieg war der Aufmacher, natürlich, in drei Teile aufgeteilt. Eine sachliche Reportage über die israelische Seite, eine über die Lage in Gaza mit dumpfen Einschlagsgeräuschen im Hintergrund, der Erwähnung, dass es sich um schwerste Explosionen handelte, ohne jeden Hinweis, dass es gezielte Angriffe auf Stellungen und Kommandozentralen der Terroristen, die Gaza usurpiert haben, sind. Und dann die üblichen Verletzten, per Bahre ins Krankenhaus gebracht, von denen niemand weiß, wer sie sind, Terroristen, Zivilisten oder Schauspieler, wer sie getroffen hat und vor allem wo. Die Problematisierung der palästinensischen Lügen des Bilderkrieges, sie findet ebenso wenig in der Reportage statt, wie die Erwähnung der Vorgeschichte des israelischen Gegenschlags. Im Gegenteil, die ungeprüften Bilder sind Bestandteil der Sendung. Wie war das noch mit der Trennung von Meldung und Kommentar? Egal, man verdreht halt nur ein wenig die Tatsachen und verschweigt, glaubt sich auf der richtigen Seite und wäre empört, wenn man das Propaganda nennen würde. Soweit wie gehabt.

Dann endlich: Auftritt Michael Lüders, die stichwortgebende Moderatorin lässt keinen Zweifel an ihren Erwartungen und er enttäuscht sie nicht. Ein Biedermann, der die eingestreuten Ungeheuerlichkeiten mit liebenswürdiger Intellektuellenstimme verkündet. Ahmad Al-Dschabari, der Kidnapper, Menschenhändler und Befehlsgeber der Raketenmörder, der dem ersten Gegenschlag zum Opfer fiel, rechtmäßig als Kombattant, als Kommandeur, wird lächelnd und unwidersprochen als ermordet bezeichnet und mutiert zum Friedensboten, der angeblich Waffenstillstandsvorschläge bei sich hatte. Welchen Waffenstillstand fragt man sich, wie zynisch, wenn zu diesem Zeitpunkt seine Leute die einzigen sind, die schießen, mit Raketen auf Zivilisten versteht sich, der abgenagte Knochen von extremistischen Salafisten und ihrem Gegensatz zu gemäßigt extremistischen Hamasniks darf natürlich nicht fehlen, den Schwachsinn kannte man schon aus dem kalten Krieg von den Kremlastrologen, na klar, der Wahlkampf in Israel ist schuld, wie die putzige Putz das schon bei SPON schrieb, im Wahlkampf punkten, um die Ängste der Bevölkerung aufzufangen, nennt der Propagandist das Motiv für die israelische Gegenwehr, eine schon ziemlich widerliche Formulierung für die Tatsache, dass auf Menschen in Dörfern und Städten Raketen hageln, die aber übertroffen wird von der Feststellung im Zusammenhang mit dem syrischen Bürgerkrieg, dass zwei Kriege zu viel für den Nahen Osten wären, also allein das gegenseitige Abschlachten mit 40.000 Toten in Syrien wäre noch OK, schließt man messerscharf, bloß wenn diese Juden sich jetzt zusätzlich einfach ungenehmigt wehren, geht das echt zu weit. Es könnte sich auf andere Länder der arabischen Umstürze wegen ausweiten, ein Widerspruch zum vorigen, zum einen bestand diese Gefahr immer, zum anderen haben die Umstürze, siehe Syrien, ganz ohne Israel die Region mit Krieg überzogen. Aber der kluge Mann hat weiterhin eine Lösung für gleich das ganze Nahostproblem in der Tasche. Sonst wäre er ja kein Experte. Die Palästinenser müssten eine Perspektive bekommen, na klasse denkt man, wie in Gaza, wo nichts mehr besetzt ist, alles judenrein, voller internationaler Hilfsgelder, der Palästinenserstaat als Versuchsanordnung. Nur kam keiner auf die Idee den Menschen Aufbauperspektiven zu geben, sondern es wurde schlicht als Brückenkopf zum Kampf für die Vernichtung Israels genutzt. Ein echter Anreiz für Israel zu einseitigem Entgegenkommen. Aber da sind noch die Friedfertigen der Fatah in der Westbank, denen sollte man eine Aufwertung zukommen lassen, in dem man ihnen in der UNO ihre Staatlichkeit anerkennt. Warum wollen die das eigentlich? Sie könnten doch mit Israel um Frieden verhandeln, zweifach haben sie ein Abkommen abgelehnt. Abgelehnt, weil sie auf das verzichten hätten müssen, was sie Rückkehrrecht nennen und was nichts als die mitleiderregend klingende Forderung nach der Auflösung Israels als jüdischem Staat ist. Da ist die Idee mit den UN natürlich bestechend, es wäre die Anerkennung des Palästinenserstaates ohne die Notwendigkeit der gleichzeitigen Anerkennung Israels. Aus dem kleinen Gazaprojekt würde der Palästinenserstaat unter denselben Bedingungen. Die große Basis zur Vernichtung Israels. Herr Lüders spricht dies klugerweise nicht aus. Obwohl das ehrlich und der arabisch-israelische Konflikt nach der Entjudung tatsächlich der Lösung zugeführt wäre. Aber all diese guten Ideen scheiterten leider, so beklagt er sich, an den Ultranationalisten in Israel, die dort den Ton angäben, wie der freundliche Mann im Fernsehen die einzige nach westlichen Maßstäben demokratische Regierung der Region zu nennen pflegt.

Natürlich ist die erste Reaktion nach dem abklingenden Brechreiz, sich über derartige Auftritte aufzuregen, über diesen Mann und diese Moderatorin, die nicht eine einzige kritische Frage stellte. Aber dem Herrn Lüders täte man Unrecht. Der Publizist und Experte verdient nämlich sein Geld weder bei ARD noch ZDF, er berät Unternehmen. Nahostberatung nennt er das. “Es ist allerdings nicht immer einfach, in der Region Fuß zu fassen. Persönliche Kontakte und kulturelles Know-how sind entscheidend, um im Wettbewerb mit anderen Anbietern zu bestehen. Diesen Vorteil garantiert Ihnen die Nahostberatung von Michael Lüders”. Der Mann ist ein Türöffner, ein ausgezeichnet bezahltes Geschäft, dessen Voraussetzung ist, exzellente Kontakte und einen blendenden Ruf in Arabien zu haben. Das ist ein durchaus ehrenwerter Brötchenerwerb, nur gehört dazu eben stets, sich den Ruf nicht zu zerstören, nichts wäre geschäftsschädigender. Selbstredend kann Herr Lüders nur arabische Positionen öffentlich vertreten, abgesehen davon, dass sich sein ganzer Lebenslauf ausschließlich auf dieser Seite abspielt. Es ist sein gutes Recht in einem freien Land, jeden Unfug zu behaupten, den er möchte, sich damit seine wirtschaftlichen Möglichkeiten noch weiter zu verbessern und wer will es ihm verdenken, dass er es im Fernsehen zur besten Sendezeit tut, wenn er darum gebeten wird.

Es sind es die von unser aller Gebühren bezahlten Redakteure, die die Urheber dieses antiisraelischen Schmierenstücks sind. Wer Lüders bucht, bekommt Lüders, so einfach ist das und ihn als objektiven Experten dem unwissenden Publikum vorzuführen, das dann wieder sich kopfschüttelnd über diese friedensgefährdenden Israelis der nächsten Sendung zuwendet, ist eine abgrundtief böse Perfidie, in der erklärten Absicht, Israel zu schaden. Qualitätsfernsehen? Aufrichtiger wäre es wohl, die Bezeichnung verlogene, die Menschen manipulierende Agitation in Betracht zu ziehen. Von den hehren Grundsätzen eines Hugh Carleton Greene ist jedenfalls nichts mehr übrig. Möge sich nie wieder jemand über die Bildzeitung beschweren.

Apropos beschweren. Das könnte man sich. Zum Beispiel bei Ruprecht Polenz, MdB, Vorsitzender des ZDF-Fernsehrates. Auch Vorsitzender der Christlich-muslimischen Friedensinitiative e. V. und Kuratoriumsmitglied der Christlich-Islamischen Gesellschaft, begeisterter Lobbyist für den EU Beitritt der Türkei, verdienter Kämpfer gegen den Gedanken, die iranische Bombe mit Luftangriffen zu verhindern, berüchtigter Betreiber eines einzigartigen Facebookaccounts, wo sich alle Feinde Israels täglich austoben dürfen.

Was für ein Zufall.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Journalismus als Meinungsmanipulation oder auch ein Weg zu 20%

Neulich in der Redaktion nannte Claudio Casula seine schon im Dezember 2010 geschriebene bittere Satire über den Alltag des deutschen Journalismus im Umgang mit Nahostthemen. Sie ist zeitlos und das Schlimmste an ihr ist, dass sie nicht einmal satirisch wirkt. Es ist die schlichte fiktive Beschreibung der Wirklichkeit mit dem einzig Unrealistischen dabei, dass es einen solchen Praktikanten, wie er dort Protagonist ist, nie geben würde. In Schule, Medien, Studium, Umfeld längst gehirngewaschen, würde er gar nicht bemerken, wie die Wahrheit ist und seinem Chef schon von sich aus eitel Freude machen. Seit dem Wochenende bis zum gestrigen Mittwoch aber haben die deutschen Medien in einer schon verblüffenden Offenheit Casulas Darstellung für jeden sichtbar mit atemberaubender Dreistigkeit übertroffen.

Seit diesem Wochenende nämlich werden die Orte und Städte des Südens Israels täglich mit Raketen beschossen. Die Menschen leben zwischen Alarmen und Bunkern. Oft nur Sekunden trennen Abschuss und Einschlag. Kriegsleben eben, keine Schule, keinerlei Normalität. Tag für Tag, 120 bis 140 Raketen waren es bis zum Mittwoch. Beschaut man sich die Reaktion, wenn einzelne syrische Granaten in der Türkei explodieren, dann wären Heerscharen von Journaille mit Liveberichterstattung zu erwarten gewesen. Wie es tatsächlich war, hat jeder mitbekommen oder besser nicht mitbekommen. Der Beschuss fand in Deutschlands Medien nicht statt. Mit einer rühmlichen Ausnahme, dem Hamburger Abendblatt, dem einzigen Zeugnis dieses Kriegsverbrechens, nichts anderes ist der Raketenbeschuss von Städten und Dörfern ohne Kriegserklärung. Lediglich der Angriff der Hamas auf einen Militärjeep wurde kurz erwähnt, allerdings auch nur im Zusammenhang mit Gegenbeschuss, als gäbe es nicht Ursache und Wirkung. Was also lernte der deutsche Fernsehkonsument, Spiegel-, TAZ-, Süddeutsche-, Rundschau- oder was auch immer Leser? Es gab Ende letzter Woche einen Schusswechsel zwischen Israel und der Hamas. Punkt. Vier Tage später greifen die fiesen Juden plötzlich aus der Luft an und töten eine Art Minister. Einfach so. Fliegen seither Luftangriffe und die armen Palästinenser fürchten einen neuen Krieg, wie Spiegel-Online überaus perfide schrieb, als hätten deren Führer ihn nicht ein paar Tage vorher begonnen. Ein Schelm, wer nicht glauben wollte, dass die Raketenangriffe nicht in deutschen Redaktionsstuben bemerkt wurden, dass die Korrespondenten nicht in Bereitschaft saßen. Natürlich wollten sie berichten. Über den israelischen Gegenschlag. Solange mussten sie warten. Wahrscheinlich waren die Grundzüge ihrer Berichte schon fertig auf dem Laptop.

Dafür allerdings übertrafen sie sich dann selber. Im Spiegel, wo der Wahlkampf Netanyahu ein brandgefährliches Spiel mit einem Angriffskrieg spielen lässt, das öffentlich-rechtliche Qualitätsfernsehen dreht den Ablauf des Geschehens schlicht mit offener Lüge um, ebenso die TAZ, deren übler Propagandaartikel die Täter/Opfer Umkehr bis zum Äußersten auswalzt. Natürlich gilt dasselbe für so gut wie alle Medien dieses Landes auch, nicht einmal die FAZ würdigt die Vorgeschichte des Gegenschlags, der Leser soll nur nicht mit weiteren Beispielen gelangweilt werden. Falls er sie doch möchte, so schalte er den Fernseher ein. Es ist ein schier unbegreifliches Phänomen in diesem Land.

Gut, der deutsche Journalismus ist mit wenigen Ausnahmen ein Produkt der 68er, deren Liebe zu Massenmördern, wie Lenin, Hồ Chí Minh, Mao oder Che Guevara ebenso bekannt ist, wie ihre Hinwendung zum palästinenischen Terroranführer Arafat. Alles im Namen der persönlichen Abrechnung mit dem Nazismus der Väter wohlgemerkt. Aber das Hamasregime kann einfach nicht in deren Sinne sein. Eine gnadenlose Religionsdiktatur, die ihrer Gegner einsperrt, foltert, hinrichtet oder bei Gelegenheit auch mal aus dem Fenster wirft, die die Gesellschaft bis zu den kleinsten Kindern durchmilitarisiert hat und Frauen zu Menschen zweiter Klasse macht, das ist nicht wirklich die Lieblingsstaatsform des genderstählten Pazifisten. Dennoch ist er bereit, längst routiniert darin, alle Grundsätze eines objektiven Journalismus für dieses Regimes zu vergessen und offen manipulierende Propaganda dafür zu betreiben.

Wenn aber der unterstützte Angreifer nichts hat, was den geneigten Postachtundsechziger anziehen könnte, so muss sein Motiv auf der Seite Israels zu finden sein. Eine moderne Demokratie westlicher Prägung, engster Verbündeter der USA, gut, schon das ein Grund, es nicht zu mögen. Der Hass auf die freie Gesellschaftsordnung des Westens seitens ihrer größten Nutznießer ist Teil des beliebten linken Antiamerikanismus; so gesehen ist jeder ein Verbündeter, der eine westliche Gesellschaftsordnung bekämpft. Das allein aber reicht zur Erklärung nicht. Es ist dem Journalisten klar, was er tut, wie es ankommt. Jetzt schlagen die Juden schon wieder einfach los und gefährden den Frieden, stellt der deutsche Zeitgenosse ganz offen in den Foren fest, in einem Land, in dem sich die Studien nur darüber streiten, ob der latente Antisemitismus bei 20% oder 25% liegt und in dem auch ohne Günter Grass Konsens besteht, dass Israel die größte Gefahr für den Frieden darstellt, wo natürlich nicht zwischen Juden und ihrem Staat differenziert wird, warum auch. Wer kann es den Leuten verdenken, wenn sie ihre Nachrichten sehen, ihre Zeitungen lesen und es genau so bei ihnen ankommt. Ewig hauen die sich da unten und dann fängt Israel noch mit dem richtigen Krieg an. Wo wir doch nur unsere Ruhe haben wollen, um nachhaltige Windmühlen zu betreiben. Das antisemitische Denken wird nicht nur bedient, es wird bestärkt, bei den Jüngeren erst hervorgerufen. Auf die Idee, dem deutschen Wohnzimmerhelden vor Augen zu führen, was in diesem Land wohl los wäre, wenn die Nachbarn es zum Credo erhoben hätten, Deutschland auszulöschen, in deren Kindergärten und Schulen nur Hass gelehrt würde und täglich ein Gebiet im Größenverhältnis hochgerechnet auf Deutschland in der Größe Baden-Württembergs unter Raketenfeuer läge, kommt ein deutscher Redakteur natürlich nicht. Dann würde er ja Gefahr laufen, sein Leser würde verstehen, was in Israel passiert und weshalb es nicht nur rechtmäßig, sondern notwendig ist, sich zu wehren, Pflicht einer Regierung, die ihre Menschen schützen muss.

Israelkritik in dieser Form ist eben nicht legitime Kritik an für falsch gehaltener Regierungspolitik, sie ist platter Antisemitismus. Bewusste Nachrichtenunterdrückung, Falschdarstellung und Diffamierung, in dieser Woche nur so ungeniert und augenfällig, ohne Versuch einer Verschleierung, dass jeder, der hinsah, drüber fallen musste. Doch Realität schon seit Jahren, wenn auf Siedler verwiesen wird, die angeblich den Frieden unmöglich machten, statt auszusprechen, dass es in Wahrheit die Weigerung der palästinensischen Seite ist, Israel als Staat der Juden anzuerkennen, zeigt doch der Hamasstaat, wie nützlich es ist, alle Siedlungen abzubauen und ohne Friedensabkommen den Palästinensern das Land zu übergeben, wenn Gaza geschmacklos mit einem Ghetto verglichen wird, das gegen eine Hungerblockade Hilfsschiffe bräuchte und niemand berichtet, dass täglich alles Lebenswichtige über Israel geliefert wird, eine zweite Grenze zu Ägypten besteht und die Blockade nur dazu dient, Waffenlieferungen zu unterbinden, Waffen, die täglich eingesetzt würden; wenn Verhandlungen mit den Terroristen gefordert werden, obwohl die sympathischer Weise ganz offen sagen, dass sie gar nicht verhandeln wollen, sondern ihnen Gaza nur Aufmarschgebiet ist, um Israel zu vernichten. Wer wissentlich so falsch berichtet und verlogen argumentiert, dem geht es nicht um Kritik, schon gar nicht um freundschaftliche, es geht ihm um das Bekämpfen und Delegitimieren des Staates der Juden, um die Zerstörung seines Images in der deutschen Gesellschaft unter mindestens der Inkaufnahme, dass dies auch den allgemeinen Antijudaismus der Menschen fördert. Wer das tut, ist ein Antisemit. Von mir aus ein latenter.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

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