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Ken Jebsen dreht durch

Jürgen Elsässer, Freunden der gepflegten Verschwörungstheorie, Antisemiten aller Couleur, Amerikahassern, dem Kopp-Verlag und Achgut-Lesern ist er ein echter Begriff, Ken Jebsen, der sich KenFM nennt, der jahrelang unbemerkt mit Geldern des Zwangspay-TV’s beim RBB sein Unwesen trieb, wahrscheinlich weil er wusste, wer den Holocaust erfunden hat, weniger seiner Rechtschreib- und Grammatikkenntnisse wegen, sein Mailwechsel mit Henryk Broder ist legendär. Das mit dem Holocaust war wohl selbst brandenburgischen Öffentlich-rechtlichen eine Nummer zu irre, weshalb er seinen Sendeplatz räumen musste und seither auf eigenen Kanälen und beim Koppverlag seine Fangemeinde mit sich steigernden Ausbrüchen befriedigt. Hinter allem Unglück der Welt stecken die USA und die Juden, der Iran ist ein armes Opfer finsterer Machenschaften, eine Prise 9/11 Truthing darf natürlich gleichfalls nicht fehlen; kein Vorurteil gegen diese Art des Wahnsinns kann sich das erdenken, was unser Ken zum Besten gibt. Und wahrlich, Deutschland ist voll von dankbaren Abnehmern. Das Geniale an ihm ist, dass man nicht mehr weiß, ob er eigentlich rechts- oder linksradikal ist, er ist eine Art lebendiger Katalysator des Antisemitismus, dem es spielend gelingt, Judenhasser aller Richtungen friedlich hinter sich zu vereinen. Passend dazu hat er auch beschlossen, Politiker zu werden und trat wohl kürzlich der Piratenpartei bei.

Ken ist allerdings etwas unglücklich, nicht mehr am prallen Euter der GEZ gesäugt zu werden und etwas an Reichweite eingebüßt zu haben. Das bedurfte der Kompensation, weshalb er sich an die ihm einzig adäquat scheinende Stelle der Bundesrepublik wandte, damit endlich jemand auf Augenhöhe mit ihm spricht. Angela Merkel bekam Post. Nur gerecht, soll auch sie einmal die unmittelbare Konfrontation mit der Welt des neudeutschen Politwahns genießen dürfen. Man könnte ihn als eine Art Pausenclown der Verschwörungsesoteriker abtun, wäre er nicht so exemplarisch und machte es nicht so fassungslos, wie viele eingeschworene Anhänger sich hinter ihm sammeln. Übrigens nach Polenz noch einer, der eine Erwähnung in einer hypothetischen Fortsetzung von Tuvia Tenenboms Deutschlandbeschreibung verdient hätte.

Man ahnt es schon, Mutti hat weder geantwortet, noch ihre Politik geändert. Dabei tröstet es den Ken nicht einmal, dass sie das auch bei ernstzunehmenden Parteifreunden eher nicht macht, vielmehr packt ihn die Wut und er wendet sich dem Ursprung seines Unglücks zu. Henryk M. Broder, dem er seine Prominenz verdankt und den er nicht ganz zu Unrecht dafür verantwortlich macht, dass nicht nur jeder weiß, dass er nicht schreiben kann, sondern auch beim RBB nicht mehr den Äther vollsülzen darf. Tobias Raff hat netter Weise eine Mail veröffentlicht, die er zugespielt bekam, von Ken an Broder. Das liest sich lustig, weil er aus seinem Herzen keine Mördergrube macht, nur sein Aufruf zum Springerboykott kommt ein halbes Jahrhundert zu spät und wird die deutsche Presselandschaft nicht wirklich ändern.

Eines allerdings ist weniger heiter. Der Schlusssatz, der es verdient bekannt gemacht zu werden:

“Sehr geehrter Herr H&M Breivik, sie sind dabei, eine rote Linie zu übertreten. Dieses Spiel könnte ungewohnt für Sie sein, das es leicht komplett aus dem Ruder läuft. Als ihr unentgeltlicher Berater in Fragen des digitalen Marketings rate ich Ihnen, denken Sie darüber nach, ob Sie die Erfindung des Internets und das, was man soziale Netzwerke nennt, nicht völlig falsch einschätzen. Soziale Netzwerke reagieren mitunter wie ein Hurrikan, wenn asoziale Typen wie Sie versuchen um jeden Preis Stress zu machen.
Wie dieses Experiment ausgeht? Lassen wir es darauf ankommen. Die Zeit ist reif, dass Leuten wie ihnen die Möglichkeit entzogen wird, ihren ganz persönlichen Hass zu verbreiten, ohne dass die, die es betrifft, sich dagegen wehren können.
Mit wem legen Sie sich an? Mit der Community. Wir sind viele. Sehr viele und wir haben Typen Sie satt.”

Man kann natürlich mit Recht sagen, diese Möchtegernmafiasprache machte die Witzfigur nur noch lächerlicher. Doch verkennt man da seine Anhängerschar, insbesondere aus islamistischen Milieus. Und so dumm ist nicht einmal KenFM, dass ihm nicht bewusst wäre, dass sich seine Sätze weniger an ihren Adressaten richten, als an genau diese Freunde seines Geschwurbels. Darunter allerdings könnte es welche geben, denen etwas die Bremse fehlt, mir fällt da dieser Islamist ein, der glaubte, es wäre gottgefällig, während einer Demo auf einen Polizisten einzustechen.

Broder hat genug Feinde vom Nazi bis zum Salafisten, um sich auch ohne KenFM ab und an einmal mehr als notwendig umzudrehen. Es ist naive Selbstüberschätzung, wenn ein Würstchen glaubt, ihn einschüchtern zu können. Aber wissen, wohin der Hass Menschen führen kann, welche Aggressionsbereitschaft zur Unterdrückung von Kritikern in ihnen steckt, sollte man schon. sollte man schon. Die USA, Israel und Springer, das ist die Troika, die die wildesten Gewaltfantasien hervorruft. Hatten wir schon mal, oder?

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Der kleine Unterschied

Und es gibt ihn doch. Den deutschen Antisemiten außerhalb von NPD und Kameradschaften. Claudia Roth hat ihn entdeckt. Er hört auf den Namen Bushido, verdient seine Brötchen durch Lärmgesang auf dem Sprachniveau der RTL-Nachmittage, ist nebenher burdazertifizierter Integrationsexperte. Unglücklicherweise jedoch kann er auch twittern und das tat er kürzlich mit einer eigenwilligen Landkarte, die einen Staat Palästina auf dem Territorium Israels zeigte.

Nun sagt einem die Logik, dass es zur Erreichung dieses Zieles der Vernichtung des Staates Israel bedarf, was ausnahmsweise auch die erkannten, die sonst Partnerschaften mit der Fatah pflegen, deren ausdrückliches Ziel, allen anderslautenden Gerüchten entgegen, eben jene Vernichtung ist oder nach gemäßigten Hamasniks suchen. Der Raprüpel mutierte flugs ob seiner Lust am Ausradieren zum idealen Antiaugstein. Haltet Bushido, den unrasierten Antisemiten, gewissermaßen, dann sieht man, dass der gebildete junge Mann im Anzug ganz anders ist. Besonders augenfällig dabei der Facebookabgeordnete Polenz mit seinem virtuellen Fanclub der unnachahmlichen Mischung aus Freunden der umbenannten SED, Islamfans aller Schattierungen und sonstigen Israelhassern. Sich gerade noch zu seiner Solidarität mit Augstein bekennend, erkannte er bei Bushido die Grenzen. Ein Skandal, erfuhr die Bild vom ihm, dass der Sangesfreund das Existenzrecht Israels in Frage stelle.

Bevor nun einer den Unterschied zwischen Augstein und Bushido in der Kleidung oder der Primitivartikulation suchte, gar einen versteckten Rassismus bei Polenz und der Betroffenheitsclaudia vermutete, ließe sich der Versuch unternehmen, den entscheidenden inhaltlichen Punkt zu finden.

Mit welchen Worten war Polenz noch zur Verteidigung Augsteins in einem Facebookkommentar in die Offensive gegangen? “Kritisiert wurde Broder, weil er Augstein einen Antisemiten genannt hat. Das ist angesichts der deutschen Geschichte so ziemlich der schlimmste politische Vorwurf, den man jemandem machen kann. Broder geht mit diesem Vorwurf außerordentlich freigiebig um”. Dies muss man sich schon mehrfach auf der Zunge zergehen lassen, weshalb Alan Posener im selben Thread konterte, weil die Deutschen ein paar Millionen Juden umgebracht hätten, dürfe nach Polenz Logik heute keinem Deutschen vorgeworfen werden, Antisemit zu sein. Wollte also man immun gegen den Vorwurf des Antisemitismus werden, sollte man sich eine Nazi-Vergangenheit anschaffen. Bei Engländern oder Franzosen wäre das, folgte man diesen kruden Gedankengängen, anders.

Da liegt der deutsche Hund begraben. Deutschland hat einfach den Antisemitismus in bislang unerreichte Größenordnung getrieben. Den hiesigen Maßstab, was Antisemitismus ausmacht, haben die Nazis gesetzt. Wie praktisch, sagt sich der gemeine Israelkritiker und bastelt eine grotesk unsinnige Kausalkette, die in Deutschland nur auf Begeisterung stoßen kann. Wer Antisemit ist, will Juden ermorden und ist damit Nazi. Juden gleich morden will er natürlich nicht, Nazi ist er auch nicht, daher kann er kein Antisemit sein. Das durchzieht zwischen den Zeilen fast alle Augsteinverteidiger, nur hat es keiner derart offen wie Polenz ausgesprochen.

Augstein verleumdet Israel, ausgerechnet von Deniz Yücel in der TAZ noch einmal treffend dargestellt, spielt mit alten antijüdischen Stereotypen, versucht durch den Einfluss des Spiegels Waffenlieferungen zur Selbstverteidigung zu unterbinden, nennt den einzigen Staat des Vorderen Orients, in dem Araber in einem stabilen demokratischen Rechtsstaat leben, einen Apartheitsstaat, tut alles um das Ansehen Israels zu untergraben, um die Bereitschaft Deutschlands für dessen Existenz einzustehen, immer weiter zu verringern. Er erfüllt seine Aufgabe, die zu unterstützen, die Israel von der Erde tilgen wollen, ob sie Hamas oder Fatah heißen. Aber er spricht es nicht aus, das böse Wort Vernichtung. Wer aber in diesem Land nicht ausdrücklich ausrotten ruft, kann nach den umwerfenden polenzschen Regeln nicht Antisemit sein. Bushido hat das nicht gerafft, seine Grafik setzt offen die Beseitigung des jüdischen Staates voraus. Also schließt die Claudia messerscharf, da ist er, der Antisemit. Dumm gelaufen für ihn. Eigentlich ganz einfach. Es hat eben seine Besonderheiten, Deutscher zu sein.

Darum war das mit der Integration noch nicht ganz perfekt. Dank der Naziverbrechen darf man zwar Israel verleumden, allen Lügen, Vorurteilen freien Lauf lassen und das legitime Israelkritik nennen, aber das Fordern der Auslöschung selber überlässt man getrost seinen nahöstlichen Teegesellschaften, Kooperationspartnern und sonstigen Freunden, für die man hier das Feld bestellt. Der Bambi kam einen Tick verfrüht für Bushido. Aber es lässt sich ja nachholen. Vom Augstein lernen, heißt sich richtig integrieren lernen.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Die Broderverschwörung

Neulich, das heißt ungefähr vor einem Jahr, schrieb Henryk M. Broder ein Buch, in dem er seine ungeliebten Thesen zum Verhältnis gar nicht weniger deutscher Zeitgenossen zu Israel und den Juden darstellte, was seine Beliebtheit außerhalb der Fangemeinde nicht übermäßig steigerte. Das dürfte ihm eher Vergnügen gewesen sein wird, seine These allerdings wurde auf das Heftigste bestritten. Sie lautet in der laienhaften Kurzkurzfassung, der gemeine Deutsche hätte, was verständlich ist, einen shoabedingten schweren Judenkomplex, den er, was völlig unverständlich ist, einerseits durch eine regelrechte Trauerkultur gegenüber den toten Juden kompensierte, andererseits durch obsessive, meist sachlich in jeder Hinsicht unbegründete Kritik am Staate Israel und seinen jüdischen Bewohnern auslebte, wodurch er, bis zu geschmacklosen Nazivergleichen, sich die gefühlte ererbte Schuld verringerte. Am Ende gar würde er sich über die Nachfahren der Opfer erheben, weil er ja, mit Friedensdemos und Denkmälern, etwas aus der Vergangenheit gelernt hätte, diese üblen Israelis hingegen unbelehrbar bewaffnet gegen die Ausrotter von morgen vorgingen.

Gut Schönsprechen geht anders, ist nur ohnehin nicht des Broders Sache. Folglich brach eine Welle der Kritik und Widerlegungsversuche auf ihn ein, selbst bedeutungslose Gegenwartsautoren konnten es nicht lassen. Nein, so sind wir Deutschen nicht, wir haben gar keinen Judenknacks, wir kritisieren nur Regierungen. Es hätte sich unendlich weiter streiten lassen können.

Wahrscheinlich aber begab es sich zur Vorweihnachtszeit, dass Broder eine finstere Idee bekam, wie er den Christen die Feststimmung verhageln könnte. Ein Feldversuch musste her. Wie ließe sich etwas exemplarischer den Menschen vor Augen führen, als wenn man ihre Medienelite dazu brächte, unfreiwillig selbigen Judenknacks zu bestätigen? Gedacht getan, so wird es gewesen sein, nahm er Kontakt zu Efraim Zuroff auf, vom Wiesenthalinstitut, das ist bei Weltjudens bestimmt total einfach. “Du Efraim”, könnte er gesagt haben, “ihr habt da doch Eure Antisemitismusliste, diesen Denkanstoß, den keiner bekommen möchte, weshalb sie noch nie jemanden interessiert hat. Ich hätte da ein Geschäft (Juden müssen immer Geschäfte machen, ist allgemein bekannt und keineswegs antisemitisch, höchstens kapitalismuskritisch). Ich führe den deutschen Journalismus vor, sage Dir wen Du darauf setzen musst und Du bekommst Berichterstattung wie nie zuvor”. Wer könnte da nein sagen, der Efraim nicht, besonders da der Name, den Broder ihm da flüsterte, glänzend auf die Liste passte, war es doch nicht einmal ein simpler Israelkritiker, sondern ein selbstgefälliger Salonzündler mit Spaß am Spiel mit platten alten Stereotypen.

Er erreichte Platz 9, der Jakob, wie letztes Jahr Hermann Dierkes von der SED seine Platzierung bekam, sorry, Linke nennen die sich jetzt. Das Experiment konnte beginnen. Und während sich der vergessene rote Hermann still in Schlaf weinte, weil ihn vor Jahresfrist keiner erwähnte, erfüllten sich die Träume des Henryk B. Sie konnten nicht widerstehen. Ob rot ob schwarz, ob blond ob braun, wo ein gebildeter junger Kollege einfach anitsemitische Texte verfasst haben sollte, musste die deutsche Medienempörung überkochen. Böse Zungen nannten das auch die Volksgemeinschaft, richtig böse den Volkskörper. Vom Tagesspiegel über die Tagesschau, die unvemeidlichen Frankfurter Rundschau, die Zeit, die taz; Spiegel Online verstand sich von selbst. Es grauste der FAZ, bitter flennten Martenstein und Fleischhauer. Nebenher auch Jörg Lau, Matthias Matussek und viele mehr. Selbst der Zentralrat der Juden mit Salomon Korn als Vortänzer fühlte sich berufen, flugs abzuwiegeln. Schlauerweise kam keiner auch nur ansatzweise auf die Idee, irgendwas von Augstein zu zitieren, Korn hingegen mit der entwaffnenden Ehrlichkeit, kaum je etwas vom Autor gelesen zu haben, aber alle behaupteten genau zu wissen, dass es die böse Rache für ganz legitime “Israelkritik” wäre und der feine Herr A. mit den Literatenvätern nie im Leben was Antisemitisches schreiben könnte. Dass das Unfug ist, was jeder nachlesen kann, störte naturgemäß eher nicht. Im Gegenteil wollte das gewiss auch keiner wissen, denn die Empörung wäre glatt nur halb so schön gewesen,

Was lernen wir? Broder hat immer recht. Zuroff hat für seine kleine Jahresanfangsprovokation, die realistisch gesehen ziemlich unwichtig ist und die noch nie Wiederhall in der Medienwelt fand, dann ein Riesenpublikum, wenn er den Richtigen auf die Liste setzt. Den Theo, nein angeblichen Israelkritiker in uns allen. Es sticht ins deutsche Herz, trifft den Judenknacks. Wir lassen uns unsere Israelkritik nicht madig machen, egal ob die im konkreten Fall überhaupt gemeint ist oder nicht. Nein, nein, nein! Da stampfen wir mit den Füßen und sind für eine Woche alle Augstein. Versuch gelungen. Pawlow lässt grüßen. Das kann nur eine hinterlistige Verschwörung gewesen sein, auf die die dummen Deutschen richtig reingefallen sind.

In jüdischen Hirnen erdacht, versteht sich.

Eines spricht dagegen. So gelungen es gewesen wäre, was nützt der beste Weckruf, wenn die, die ihn wahrnehmen sollen, taub sind. Denn die unheilbar gesunde deutsche Welt (auch so ein Broderschnack) findet das alles normal. Das einzige, was ihr dazu einfällt, ist eine neue Facebook Seite: Schiebt Broder nach Israel ab! Das wird auch Zeit. Hätte es die Verschwörung gegeben, sie wäre vorhersehbar sinnlos gewesen. Schade eigentlich.

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Einige Presselinks wurden bei Lizas Welt geklaut, Redewendungen auch bei Otto Waalkes. Es soll alles seine deutsche Ordnung haben.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne

Offene Notiz für Julia Klöckner

Der Antisemitismus-Vorwurf gegen Augstein ist auch nach Ansicht von CDU-Politikerin Klöckner ungerechtfertigt. “Wenn jemand in einer freien Gesellschaft Regierungen kritisiert, ist das sein gutes Recht”, sagte Klöckner an diesem Donnerstag. “Wenn man daraus Antisemitismus ableitet, dann ist das sehr gewagt.”

Stand bei Spiegel-Online.

Sollte das nicht stimmen und Sie heute dementieren, sehr geehrte Frau Klöckner, machten Sie mich glücklich und vergessen Sie dann einfach, was jetzt folgt.

Also:

Hallo Frau Klöckner,

das Gute zuerst. Seit gestern weiß ich, dass meine geliebte Partei eine stv. Vorsitzende namens Julia Klöckner hat. Herzlichen Glückwunsch. Und immerhin haben Sie es sogar auf die Seiten von Spiegel-Online gebracht. Ist doch was.

Weiterhin das Beruhigende. Das besteht darin, dass stv. Bundesvorsitzende der CDU nur in den geringsten Fällen in der Vergangenheit, ich bin seit 1977 in der CDU, etwas zu sagen hatten. Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Und in Zeiten, da Mutti eh alles bestimmt und eine politisch diskutierende Partei nicht wirklich gefragt ist, ohnehin nicht. Daher kann ich mich beruhigt nach dem Auskotzen dieser Zeilen wieder hinlegen.

Beim allem anderen allerdings beginnt es zu gruseln. “Wenn jemand in einer freien Gesellschaft Regierungen kritisiert, ist das sein gutes Recht” Stimmt auffallend. Das ist gewissermaßen ein Inhalt der freien Gesellschaft, Sie haben es mit vollendetem Scharfsinn durchschaut. Das mit der freien Gesellschaft geht jedoch noch viel weiter. Man darf nämliche alles kritisieren, Schwaben in Berlin, die Preise des Pfälzer Weins, sinnfreie Äußerungen stv. Parteivorsitzender und man glaubt es kaum, sogar antisemitische Journalisten. Ist eine ganz tolle Sache, so eine freie Gesellschaft.

“Wenn man daraus Antisemitismus ableitet, dann ist das sehr gewagt.” Was wollen uns diese Zeilen sagen? Klar, in diesem Land, in dem der Antisemitismus erfolgreich mit bedingungsloser Kapitulation am 08.05.1945  um 23:01 Uhr abgeschafft wurde, kann es den gar nicht mehr geben, weshalb es ungemein gewagt wäre, das Gegenteil zu behaupten. Aber angenommen, es wagte jetzt doch einer, dieser Jude Broder zum Beispiel oder der Zuroff. Dann müßte er einen Bezug haben. Sie behaupten, es läge an der Kritik Augsteins an “Regierungen”. Unterstellen wir, das wäre so, was blühender Unfug ist, aber dazu weiter unten, dann folgern Sie, dass Kritik an Regierungen deshalb nicht antisemitisch sein könnte, weil die freie Gesellschaft sie zulässt? Vielleicht sollten Sie das mehrfach nachlesen, wer weiß, eventuell gelingt es dann sogar, die vollständige inhaltliche Unsinnigkeit dieser Aussage zu erkennen. Aber falls nicht, helfe ich gern auf die Sprünge. Freie Gesellschaften erlauben Antisemitismus, wenn er nicht volksverhetzend ist. Antisemitismus, verehrte Frau Klöckner, beginnt nämlich nicht erst auf der Rampe, auch wenn unsere Vorfahren mit der Gaskammer im Krematorium da unerreichte Maßstäbe gesetzt haben. Er ist etwas völlig Alltägliches und nur weil die Freiheit des Wortes ihn erlaubt, ist es nicht verboten, ihn auch als solchen zu bezeichnen. Was haben wir gelernt? Ist zwar eine tolle Sache, so eine freie Gesellschaft, aber manchmal richtig kompliziert. Besonders wenn eine verständliche und stimmige Aussage dabei herauskommen soll. Ich gebe zu, man läuft immer Gefahr, diese Fähigkeit im Rahmen der Parteisozialisation zu verlieren. Aber glauben Sie mir, lernen Sie es einfach wieder, kommt beim Wähler gut an. Versprochen.

Soweit so schlecht. Aber zwei sinnvoll miteinander verknüpfte Sätze sind schon anstrengend und vielleicht sollte man sie nicht einfach voraussetzen und Ihnen den völlig missglückten Versuch gemein um die Ohren hauen. Was ich aber nun unverschämter Weise wirklich bei einer stv. Bundesvorsitzenden voraussetze, ist die Fähigkeit des Lesens und der Sinnentnahme. Da enttäuschen Sie mich. Ihre einzige Entschuldigung wäre, nie etwas von Jakob Augstein zum Thema gelesen zu haben. Wäre aber auch Bullshit, warum äußerten Sie sich dann dazu? (Weil SPON anrief und Sie sich geschmeichelt fühlten, ich ahne es).

Das Dumme ist nämlich, kein Mensch hat Jakob Augstein einen Antisemiten genannt, weil er “Regierungen” kritisiert hätte. Btw. warum eigentlich drücken Sie sich derart gewunden aus, haben Sie ein Problem damit, die Worte israelische Regierung in den Mund zu nehmen? Dürfen Sie, die beiden Worte zusammen sind per se nicht antisemitisch. Bestimmt. Aber auch wegen einer Kritik an der israelischen Regierung hat der Walsersohn seinen Preis nicht bekommen. Selbst wenn diese unter dem Begriff Israelkritik bekannte Modeerscheinung schon die Befassung lohnt, besteht sie doch in dieser Form meist nicht aus legitimer Kritik an für falsch gehaltener Regierungspolitik, sondern bewusster Nachrichtenunterdrückung, Falschdarstellung und Diffamierung, gepaart mit obsessiver Verengung der Weltsicht auf ein hessengroßes Land im Nahen Osten. Doch für die Antisemiten TOP TEN hätte das nicht gereicht. Sonst wäre am Ende noch unser gemeinsamer Parteifreund Polenz dabei gewesen, Gott behüte.

Hätten Sie Augstein gelesen oder könnten Sie Gelesenes auch verstehen, dann hätte Ihnen auffallen müssen, dass Jakob Augstein völlig ungeniert und nahezu platt immer wieder primitive antisemitische Stereotype verwendet, durchaus in der Absicht, das deutsche Bauchgefühl zu wecken. Zwei exemplarische Aussagen will ich versuchen, Ihnen darzustellen.

Da war die Sache mit der Grassdebatte. Dieses gekonnte Machwerk, in dem der Greis mit Waffen-SS Jugend auf perfide Weise die Juden gleich zur Gefahr für den Weltfrieden stempelte, klang ja etwas wie Weltjudentum, Täter und Opfer umkehrte, um dann die alten Wiedergutmachungsängste im deutschen Volkskörper zu wecken, durch Hinweis auf die U-Boote. Daran hängte sich Jakob Augstein. Aber weniger verschlüsselt als der Grass. Als hätte jener das Steinchen in den Teich geworfen und die Reaktion darauf ermutigt, einen zweiten Versuch in ungeschminkterer Form zu wagen. Augstein setzte sich an die Spitze und seine Kommentierung der zuvor im Spiegel aufgewärmten U-Bootstory ließ keine Demaskierungswünsche offen. Hatte die Reaktion auf den Artikel gezeigt, dass allein “friedensgefährdende U-Bootlieferungen” doch nur Aufreger beim geneigten Ökopax hervorrufen, machte Augstein es jetzt ganz vulgär, dass man auf den ersten Blick an Satire glauben konnte. Für die deutschen Subventionen fürs U-Boot (übrigens damit auch für die eigene Werftindustrie), suggerierte er, wäre Geld vorhanden, sofern die Juden danach riefen, was dann den armen Schleckerfrauen zur Auffanggesellschaft fehlte. Die inhaltliche Zusammenhanglosigkeit wird ihm aufgefallen sein, nur darauf kam es nicht an, wichtig war eines, auf diese Weise wurden die darauf gestoßen, denen die U-Bootlieferungen solange egal waren, bis Deutschland nicht wieder finanzielle Hilfen an Israel leistete. Das gute alte Wiedergutmachungslamentieren galt es erneut zu provozieren, dass es jetzt selbst der Dümmste raffen musste. Augsteins Anliegen war schlicht, Israelfeinde aller politischen Richtungen gemeinsam mit dem guten alten Antisemiten unter einen Hut zu bringen. Ich erkenne da keine Regierungskritik.

Beispiel zwei. Antisemitismus hat eine Menge mit Verschwörungstheorien zu tun. Sie erinnern sich vielleicht, die Weisen von Zion gab es da mal oder 9/11 Truther, wenn sie behaupten, die Juden hätten das WTC vor dem Einschlag verlassen. Sicher erinnern Sie sich daran, dass kürzlich in Bengasi ein al-Qaida Kommando den amerikanischen Botschafter ermordete und in Khartum unsere Botschaft abgefackelt wurde. Zur Begründung wurde ein lächerliches Filmchen herangezogen, das in den Wüsten wohl täglich auf Youtube zu sehen war. Jakob Augstein hingegen verbreitete seine recht eigenwillige Version: „Kann man sich vorstellen, dass der kriminelle Kopte, der sich das vermutlich im Gefängnis ausdachte, und seine Crew ohne ihr Wissen dafür missbrauchte, in anderem als im eigenen Auftrag handelte? Zumindest traut man den Fundamentalisten im Lager der US-Republikaner und in der israelischen Regierung zu, die unerwartete Schützenhilfe politisch auszunutzen – was sie auch tun.“ Klar, schreibt Augstein nicht, der Jude ist schuld, dermaßen dumm ist er nun auch nicht, nein, diesen Schluss überlässt er voll und ganz dem Leser, doch man muss wirklich den Kopf woanders hin gewendet haben, um das nicht dem Text entnommen zu haben; die jüdischen Verschwörer samt CIA als Drahtzieher. Blödsinn darüber hinaus, weil die vorhersehbare Folge der Botschaftsmorde eher der feige Rückzug des Westens war und nur Nachteile für Israel brachte, denn die Leisetreterei ist voll in den Trend geraten. Wirklich, der antisemitische Klassiker schlechthin. So offensichtlich, dass es einem schon dusselig vorkommt, es dezidiert auszuführen. Als Broder an der Stelle ausrastete, hat Augstein mit gutem Grund den Rechtsweg gescheut.

Das habe ich alles noch bei mir selber geklaut. Hier, hier und hier. Es gibt auch Berufenere, bei denen Sie hervorragend sehr viel mehr nachlesen können, jene deutlichen Unterschiede zwischen Regierungskritik und Antisemitismus à la Augstein. Broder selbst hat die Mühe nicht gescheut, es ausführlich zu tun. Falls der Ihnen zu jüdisch ist, Sie ihn befangen finden, nehmen Sie Reiner Trampert. Altlinksaußen, in der gesamten Debatte völlig außen vor. Seine Darstellung ist eine Detailarbeit, die Sie gern widerlegen dürfen, falls Sie Ihre Äußerungen gegenüber SPON aufrecht erhalten wollen.

Meinen Respekt allerdings hätten Sie, wenn Sie sich entschuldigen würden. Für den Mist, den Sie da verzapft haben. Nicht, dass auch Sie noch zu den heimlichen Trägern des guten Gewissens zu zählen wären, die sich ertappt fühlten.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Schönen Freitag noch.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne, weiterhin bei Brüh-im-Lichte.

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