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Journalismus als Meinungsmanipulation oder auch ein Weg zu 20%

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Neulich in der Redaktion nannte Claudio Casula seine schon im Dezember 2010 geschriebene bittere Satire über den Alltag des deutschen Journalismus im Umgang mit Nahostthemen. Sie ist zeitlos und das Schlimmste an ihr ist, dass sie nicht einmal satirisch wirkt. Es ist die schlichte fiktive Beschreibung der Wirklichkeit mit dem einzig Unrealistischen dabei, dass es einen solchen Praktikanten, wie er dort Protagonist ist, nie geben würde. In Schule, Medien, Studium, Umfeld längst gehirngewaschen, würde er gar nicht bemerken, wie die Wahrheit ist und seinem Chef schon von sich aus eitel Freude machen. Seit dem Wochenende bis zum gestrigen Mittwoch aber haben die deutschen Medien in einer schon verblüffenden Offenheit Casulas Darstellung für jeden sichtbar mit atemberaubender Dreistigkeit übertroffen.

Seit diesem Wochenende nämlich werden die Orte und Städte des Südens Israels täglich mit Raketen beschossen. Die Menschen leben zwischen Alarmen und Bunkern. Oft nur Sekunden trennen Abschuss und Einschlag. Kriegsleben eben, keine Schule, keinerlei Normalität. Tag für Tag, 120 bis 140 Raketen waren es bis zum Mittwoch. Beschaut man sich die Reaktion, wenn einzelne syrische Granaten in der Türkei explodieren, dann wären Heerscharen von Journaille mit Liveberichterstattung zu erwarten gewesen. Wie es tatsächlich war, hat jeder mitbekommen oder besser nicht mitbekommen. Der Beschuss fand in Deutschlands Medien nicht statt. Mit einer rühmlichen Ausnahme, dem Hamburger Abendblatt, dem einzigen Zeugnis dieses Kriegsverbrechens, nichts anderes ist der Raketenbeschuss von Städten und Dörfern ohne Kriegserklärung. Lediglich der Angriff der Hamas auf einen Militärjeep wurde kurz erwähnt, allerdings auch nur im Zusammenhang mit Gegenbeschuss, als gäbe es nicht Ursache und Wirkung. Was also lernte der deutsche Fernsehkonsument, Spiegel-, TAZ-, Süddeutsche-, Rundschau- oder was auch immer Leser? Es gab Ende letzter Woche einen Schusswechsel zwischen Israel und der Hamas. Punkt. Vier Tage später greifen die fiesen Juden plötzlich aus der Luft an und töten eine Art Minister. Einfach so. Fliegen seither Luftangriffe und die armen Palästinenser fürchten einen neuen Krieg, wie Spiegel-Online überaus perfide schrieb, als hätten deren Führer ihn nicht ein paar Tage vorher begonnen. Ein Schelm, wer nicht glauben wollte, dass die Raketenangriffe nicht in deutschen Redaktionsstuben bemerkt wurden, dass die Korrespondenten nicht in Bereitschaft saßen. Natürlich wollten sie berichten. Über den israelischen Gegenschlag. Solange mussten sie warten. Wahrscheinlich waren die Grundzüge ihrer Berichte schon fertig auf dem Laptop.

Dafür allerdings übertrafen sie sich dann selber. Im Spiegel, wo der Wahlkampf Netanyahu ein brandgefährliches Spiel mit einem Angriffskrieg spielen lässt, das öffentlich-rechtliche Qualitätsfernsehen dreht den Ablauf des Geschehens schlicht mit offener Lüge um, ebenso die TAZ, deren übler Propagandaartikel die Täter/Opfer Umkehr bis zum Äußersten auswalzt. Natürlich gilt dasselbe für so gut wie alle Medien dieses Landes auch, nicht einmal die FAZ würdigt die Vorgeschichte des Gegenschlags, der Leser soll nur nicht mit weiteren Beispielen gelangweilt werden. Falls er sie doch möchte, so schalte er den Fernseher ein. Es ist ein schier unbegreifliches Phänomen in diesem Land.

Gut, der deutsche Journalismus ist mit wenigen Ausnahmen ein Produkt der 68er, deren Liebe zu Massenmördern, wie Lenin, Hồ Chí Minh, Mao oder Che Guevara ebenso bekannt ist, wie ihre Hinwendung zum palästinenischen Terroranführer Arafat. Alles im Namen der persönlichen Abrechnung mit dem Nazismus der Väter wohlgemerkt. Aber das Hamasregime kann einfach nicht in deren Sinne sein. Eine gnadenlose Religionsdiktatur, die ihrer Gegner einsperrt, foltert, hinrichtet oder bei Gelegenheit auch mal aus dem Fenster wirft, die die Gesellschaft bis zu den kleinsten Kindern durchmilitarisiert hat und Frauen zu Menschen zweiter Klasse macht, das ist nicht wirklich die Lieblingsstaatsform des genderstählten Pazifisten. Dennoch ist er bereit, längst routiniert darin, alle Grundsätze eines objektiven Journalismus für dieses Regimes zu vergessen und offen manipulierende Propaganda dafür zu betreiben.

Wenn aber der unterstützte Angreifer nichts hat, was den geneigten Postachtundsechziger anziehen könnte, so muss sein Motiv auf der Seite Israels zu finden sein. Eine moderne Demokratie westlicher Prägung, engster Verbündeter der USA, gut, schon das ein Grund, es nicht zu mögen. Der Hass auf die freie Gesellschaftsordnung des Westens seitens ihrer größten Nutznießer ist Teil des beliebten linken Antiamerikanismus; so gesehen ist jeder ein Verbündeter, der eine westliche Gesellschaftsordnung bekämpft. Das allein aber reicht zur Erklärung nicht. Es ist dem Journalisten klar, was er tut, wie es ankommt. Jetzt schlagen die Juden schon wieder einfach los und gefährden den Frieden, stellt der deutsche Zeitgenosse ganz offen in den Foren fest, in einem Land, in dem sich die Studien nur darüber streiten, ob der latente Antisemitismus bei 20% oder 25% liegt und in dem auch ohne Günter Grass Konsens besteht, dass Israel die größte Gefahr für den Frieden darstellt, wo natürlich nicht zwischen Juden und ihrem Staat differenziert wird, warum auch. Wer kann es den Leuten verdenken, wenn sie ihre Nachrichten sehen, ihre Zeitungen lesen und es genau so bei ihnen ankommt. Ewig hauen die sich da unten und dann fängt Israel noch mit dem richtigen Krieg an. Wo wir doch nur unsere Ruhe haben wollen, um nachhaltige Windmühlen zu betreiben. Das antisemitische Denken wird nicht nur bedient, es wird bestärkt, bei den Jüngeren erst hervorgerufen. Auf die Idee, dem deutschen Wohnzimmerhelden vor Augen zu führen, was in diesem Land wohl los wäre, wenn die Nachbarn es zum Credo erhoben hätten, Deutschland auszulöschen, in deren Kindergärten und Schulen nur Hass gelehrt würde und täglich ein Gebiet im Größenverhältnis hochgerechnet auf Deutschland in der Größe Baden-Württembergs unter Raketenfeuer läge, kommt ein deutscher Redakteur natürlich nicht. Dann würde er ja Gefahr laufen, sein Leser würde verstehen, was in Israel passiert und weshalb es nicht nur rechtmäßig, sondern notwendig ist, sich zu wehren, Pflicht einer Regierung, die ihre Menschen schützen muss.

Israelkritik in dieser Form ist eben nicht legitime Kritik an für falsch gehaltener Regierungspolitik, sie ist platter Antisemitismus. Bewusste Nachrichtenunterdrückung, Falschdarstellung und Diffamierung, in dieser Woche nur so ungeniert und augenfällig, ohne Versuch einer Verschleierung, dass jeder, der hinsah, drüber fallen musste. Doch Realität schon seit Jahren, wenn auf Siedler verwiesen wird, die angeblich den Frieden unmöglich machten, statt auszusprechen, dass es in Wahrheit die Weigerung der palästinensischen Seite ist, Israel als Staat der Juden anzuerkennen, zeigt doch der Hamasstaat, wie nützlich es ist, alle Siedlungen abzubauen und ohne Friedensabkommen den Palästinensern das Land zu übergeben, wenn Gaza geschmacklos mit einem Ghetto verglichen wird, das gegen eine Hungerblockade Hilfsschiffe bräuchte und niemand berichtet, dass täglich alles Lebenswichtige über Israel geliefert wird, eine zweite Grenze zu Ägypten besteht und die Blockade nur dazu dient, Waffenlieferungen zu unterbinden, Waffen, die täglich eingesetzt würden; wenn Verhandlungen mit den Terroristen gefordert werden, obwohl die sympathischer Weise ganz offen sagen, dass sie gar nicht verhandeln wollen, sondern ihnen Gaza nur Aufmarschgebiet ist, um Israel zu vernichten. Wer wissentlich so falsch berichtet und verlogen argumentiert, dem geht es nicht um Kritik, schon gar nicht um freundschaftliche, es geht ihm um das Bekämpfen und Delegitimieren des Staates der Juden, um die Zerstörung seines Images in der deutschen Gesellschaft unter mindestens der Inkaufnahme, dass dies auch den allgemeinen Antijudaismus der Menschen fördert. Wer das tut, ist ein Antisemit. Von mir aus ein latenter.

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Erstveröffentlichung bei Schwarzweiß – Kontraste – Zwischentöne


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